ALfA-Newsletter vom 01.10.2004

News

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Klartext im Europäischen Parlament: "Abtreibung ist eine Katastrophe"

Strassburg (ALfA). Im Europäischen Parlament ist es zu einer ausführlichen und ungewöhnlich heftigen Diskussion über das Thema Abtreibung gekommen. Das berichtet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 28. September). Anlass sei die Weigerung der portugiesischen Regierung gewesen, das Abtreibungsschiff der niederländischen Organisation "Women on Waves" in den Hafen einlaufen zu lassen (vgl. ALfA-Newsletter vom 3. und 17. September). Unter der Führung der SPD-Abgeordneten Lissy Gröner habe eine Gruppe von Abtreibungsbefürworterinnen im Europaparlament die portugiesische Regierung beschuldigt, gegen das Recht auf Bewegungsfreiheit und das Recht auf Informationsfreiheit innerhalb der EU verstoßen zu haben. Deshalb hätten sie von der Kommission verlangt, gegen Portugal wegen Vertragsverletzungen vorzugehen.

Wie "Die Tagespost" weiter berichtet, hätten die Christdemokraten und die kleineren konservativen Fraktionen in der anschließenden Diskussion die massenhafte Tötung ungeborener Kinder angeprangert und darauf hingewiesen, dass sich mit restriktiveren Gesetzen die Abtreibungszahlen verringern lassen. Vor allem einige der neuen polnischen Abgeordneten wie Urszula Krupa und Michal Kaminski hätten sehr deutliche Worte gefunden, so das Blatt. Der Münchener CSU-Abgeordnete Bernd Posselt habe in seiner Rede hervorgehoben, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gebe, wie man rechtlich mit dem Thema Abtreibung umgehen solle. "Aber wenn ich manche Redner gehört habe, dann hatte ich das Gefühl, sie hielten Abtreibung für einen Fortschritt. Ich glaube, wir sollten uns wenigstens in einem Punkt einig sein: dass jede Abtreibung eine Katastrophe und ein Scheitern ist", zitiert "Die Tagespost" Posselt. Eine Abtreibung sei eine Katastrophe für das ungeborene Kind, das getötet werde. Eine Abtreibung sei aber auch eine Katastrophe für die Mutter, die oft lebenslang an psychischen Problemen leide. "Eine Abtreibung ist ein Scheitern für den Vater, der sich oft feige davondrückt. Eine Abtreibung ist ein Scheitern für Staat und Gesellschaft, die nicht die Rahmenbedingungen schaffen, damit Leben in ausreichendem Masse gefördert wird", so Posselt laut der "Tagespost".

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Abtreibung in die Diskussion bringen: Embryonenoffensive gestartet

Villingen (ALfA). Am Freitag, den 24. September, hat der Durchblick e.V. die Embryonenoffensive in Villingen-Schwenningen gestartet. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 27. September). Ehrenamtliche Helfer haben mit der Verteilung von 20.000 Embryomodellen und Informations-Flyern begonnen. Bei dem Kunststoffmodell handelt es sich um die originalgetreue Nachbildung eines Embryos in der 10. Schwangerschaftswoche. In diesem Alter werden in Deutschland die meisten Abtreibungen durchgeführt. Der beiliegende Informations-Flyer gibt Auskunft über die medizinischen Fakten und beschreibt, welche Entwicklungsstadien der Embryo bis zu diesem Zeitpunkt bereits durchlaufen hat. Ziel des Vereins ist es, jeden Haushalt in Villingen-Schwenningen auf diese Weise über das Abtreibungsgeschehen aufzuklären.

Wie die FAZ weiter berichtet, hat der Vorsitzende des Durchblick e.V., Thomas Schührer, die Aktion gegen den Vorwurf verteidigt, die Embryomodelle würden unfreiwillig kinderlose Paare oder Frauen mit Fehlgeburten verletzen. "Das ist eine Nebenwirkung, die wir nicht möchten. Deshalb haben wir jetzt auf alle Umschläge Warnhinweise gedruckt", zitiert die FAZ Schührer.

Unterdessen habe die Vorsitzende des "Pro Familia" Landesverbands Baden-Württemberg, Birgit Kipfer, die Aktion scharf kritisiert. Die Idee sei "geschmacklos" und "an Psychoterror grenzend", zitiert die FAZ Kipfer. "Man sollte den mühsam gefundenen gesellschaftlichen und politischen Kompromiss hierzulande respektieren - schließlich ist es so gelungen, die Abbruchsquote deutlich zu verringern." Dagegen habe Rainer Beckmann, Amtsrichter und Mitglied der Enquetekommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", die Aktion verteidigt. Auf diese Weise könne man das Thema Abtreibung wieder in die Diskussion bringen. "Das ist mindestens genauso berechtigt wir Aktionen von Greenpeace oder von Tierschützern", zitiert die FAZ Beckmann.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Gerichtsentscheid: Kassen müssen Kosten für künstliche Befruchtung erstatten

Stuttgart (ALfA). Krankenkassen müssen auch bei Frauen über 40 Jahren Kosten für die künstliche Befruchtung erstatten. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 29. September) unter Berufung auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart. Geklagt habe eine 1963 geborene Frau gegen eine Beamtenkrankenkasse, die sich geweigert hatte, die Kosten für eine In-vitro-Fertilisation zu übernehmen.

Wie das "Ärzteblatt" weiter berichtet, habe die Frau drei Monate nach ihrem 40. Geburtstag eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen, da sie aus gynäkologischen Gründen auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen könne. Bei dem Eingriff seien Kosten von knapp 5.500 Euro angefallen. Die Krankenkasse habe die Übernahme der Kosten mit der Begründung abgelehnt, es bestünden keine hinreichenden Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung. Dagegen hätten die Richter die Auffassung vertreten, dass organisch bedingte Sterilität eine Krankheit sei, zu deren Behandlung die In-vitro-Fertilisation diene. Deshalb habe die Krankenkasse grundsätzlich die Pflicht zur Kostenübernahme. Eine Ablehnung wegen nur geringer Erfolgsaussichten sei nicht zulässig. Zudem gebe es in der Medizin nur "vage Angaben" zur Abnahme der Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung nach Vollendung des 40. Lebensjahres.

Laut dem "Ärzteblatt" war die künstliche Befruchtung nicht erfolgreich. Trotzdem solle die Krankenkasse insgesamt 2.630 Euro der Behandlungskosten übernehmen.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Mit Qualitätssiegel: Erstes Kind nach Polkörperdiagnostik geboren

Regensburg (ALfA). Erstmals ist in Deutschland nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind zur Welt gekommen, dessen Erbgut vor der Einpflanzung in die Gebärmutter durch eine Polkörperdiagnostik (PKD) auf eine schwere Erbkrankheit hin getestet worden war. Das berichten "Die Zeit" (Ausgabe 41/2004) sowie "Der Tagesspiegel" (Ausgabe vom 30. September). Im Gegensatz zur Präimplantationsdiagnostik (PID) ist die PKD in Deutschland legal. Bei der PKD werden die Polkörperchen der Eizelle untersucht, die sie bei ihrer Reifeteilung abstößt. Der erste Polkörper kann bereits vor der Befruchtung einer Eizelle entnommen werden, der zweite kurz bevor die Kerne von Ei- und Samenzelle miteinander verschmelzen. Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz liegt zu diesem Zeitpunkt noch kein Embryo vor. Unter Medizinern wird als Nachteil der PKD gegenüber der PID angesehen, dass bei der PKD nur die mütterlichen Gene untersucht werden können, da die Polkörper keinen Aufschluss über das väterliche Erbgut geben.

Laut der Zeitungen ist der Junge im vergangenen August in Regensburg geboren worden. Da in der Familie der Mutter eine seltene Erbkrankheit aufgetreten sei, habe man sich für die PKD entschieden. Wie Ute Hehr, Mitarbeiterin im Regensburger Zentrum für Gynäkologie und Endokrinologie, bestätigt habe, seien die befruchteten Eizellen vor der Einpflanzung aussortiert worden. "Ein Teil der Eizellen haben die Krankheit getragen, diese sind dann nicht eingepflanzt worden", zitiert "Der Tagesspiegel" Hehr.

Wie "Die Zeit" weiter berichtet, hat die stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Regine Kollek, betont, dass die Polkörperdiagnostik im Grunde nahe an das herankomme, was man mit dem Verbot der PID in Deutschland vermeiden wolle. "Lässt man den Embryonenschutz außen vor, so sprechen die gleichen Argumente gegen die PKD wie gegen die PID", zitiert das Blatt Kollek. Der Unterschied liege darin, dass mit der PKD nur Anlagen erfasst würden, die die Mutter vererbe. Die Möglichkeit der Selektion halte sich deshalb in engen Grenzen. "Daher ist für mich diese Methode gerade noch akzeptabel", so Kolleg laut der "Zeit".

(mehr dazu: www.zeit.de; www.tagesspiegel.de)

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Lebensrecht für Menschen in jedem Entwicklungsstadium: Mieth gegen PID

Ulm (ALfA). Dietmar Mieth, Mitglied in der Enquetekommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" des Deutschen Bundestages, hat die sich vehement gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID) sowie die embryonale Stammzellforschung ausgesprochen. In einem im Ulmer Universitätsmagazin "uni ulm intern" (September 2004) veröffentlichten Interview antwortete der katholische Sozialethiker auf die Frage, ob es nicht schwerwiegender sei, ein schon weit entwickeltes ungeborenes Kind abzutreiben als nach einer PID einen Embryo nicht in den Mutterleib einzusetzen: "Würde man dieser Abwägungslogik folgen, wäre es weniger schwerwiegend, ein Kind zu töten als einen Erwachsenen, oder einen Behinderten als einen Gesunden. Es sei denn, man macht unterschwellig die ungenannte Voraussetzung, der Embryo im Acht-Zell-Stadium sei noch kein Mensch. Ist er dies aber, und ist ein menschliches Lebewesen immer ein Rechtsträger, darf zwischen Menschen unterschiedlichen Entwicklungsstadiums nicht im Hinblick auf ihr Lebensrecht abgewogen werden", so Mieth. Bei der Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik müsse bedacht werden: "Es geht um die grundlegende Erfahrung dessen, der mit einer unheilbaren Krankheit lebt, dass in Zukunft Träger dieser Krankheit aussortiert werden könnten." Das Diskriminierungsproblem ist hier laut Mieth ein doppeltes: "Entweder Diskriminierung, weil die eigene Krankheit auf die Liste kommt, oder nach anderer Einstellung, dadurch, dass sie nicht auf die Liste kommt. Einer der Haupteinwände gegen die PID ist die Alternative zwischen Listenbildung und der - ebenso fragwürdigen - Fallentscheidung durch Kommissionen."

Zur embryonalen Stammzellforschung erklärte Mieth, man dürfe nicht den Embryo gegen den zukünftigen Kranken ausspielen. "Der Embryo ist schon da und mit Menschenwürde ausgestattet, der gemeinte Kranke ist noch nicht da", so Mieth. "Das liefe darauf hinaus, dass man das Recht zukünftiger Generationen, das wir in der Umweltethik anerkennen, so interpretieren würde, dass man heute die Erdbevölkerung ausdünnt", vergleicht der Sozialethiker.

(mehr dazu: www.uni-ulm.de/uui)

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Neue Studie: Stammzellen aus Nabelschnur mindern Schlaganfall-Folgen

Augusta (ALfA). US-Forschern ist es im Tierversuch gelungen, mit Hilfe von Stammzellen aus menschlichem Nabelschnurblut die Ausdehnung des Infarktareals nach einem Schlaganfall um 40 Prozent zu vermindern. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 27. September) unter Berufung auf einen Artikel im Fachmagazin "Stroke". Bislang seien Therapieversuche mit Stammzellen beim Schlaganfall daran gescheitert, dass die Stammzellen aufgrund der Bluthirnschranke das Gehirn nicht erreichten. Diese Schranke hätten die Forscher um Cesar Borlongan vom Medical College of Georgia in Augusta überwunden, indem sie bei den Versuchstieren mit Hilfe des Plasmäxpanders Mannitol die Bluthirnschranke für kurze Zeit geschädigt hätten.

Wie das "Deutsche Ärzteblatt" weiter berichtet, hat die Behandlung zu einer Reduktion des Infarktareals um 40 Prozent geführt. Der Erfolg sei vermutlich aber nicht durch die Invasion von Stammzellen aus dem menschlichen Nabelschnurblut ins Gehirn zustande gekommen, denn in den drei Tage nach der Behandlung hergestellten histologische Präparaten seien keine Stammzellen gefunden worden. Vielmehr vermuteten die Forscher, dass die Stammzellen in den Hirngefäßen das Wachstum von Nervenzellen fördernden Faktoren freigesetzt hätten, die dann die Bluthirnschranke überwunden hätten.

Klinische Studien müssten nun zeigen, ob diese Therapie auch beim Menschen erfolgversprechend sei.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Antrag gestellt: Dolly-Schöpfer will Menschen klonen

London (ALfA). Ian Wilmut, Schöpfer des Klonschafs Dolly, hat offiziell eine Lizenz zum Klonen menschlicher Embryonen beantragt. Das melden unter anderem die "Rheinische Post", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", das "Handelsblatt", "Der Standard" sowie der "Tagesanzeiger" (Online-Ausgaben vom 28. September). Wilmut habe erklärt, er habe für die medizinische Forschung bei der zuständigen Behörde eine Erlaubnis für dieses Verfahren beantragt. Ziel sei es, eine Therapie gegen schwere Nervenleiden entwickeln. "Dies schulden wir den Menschen, die jetzt daran leiden und denen, die in Zukunft daran leiden werden", zitieren die Zeitungen den Forscher, der am Roslin-Institut im schottischen Edinburgh arbeitet.

Wilmut habe betont, er wolle die geklonten Embryonen nach sechs Tagen wieder töten. Die Embryonen sollten mit Zellen von Patienten geschaffen werden, die an Motoneuronerkrankungen leiden. Zu den Motoneuronerkrankungen zählt laut den Zeitungen unter anderem auch das unheilbare Nervenleiden ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), an dem etwa der britische Physiker Stephen Hawking erkrankt ist. Wilmut wolle an den Embryonen untersuchen, wie sich die Krankheit entwickelt.

In Großbritannien ist das sogenannte Forschungsklonen seit dem Jahr 2001 legal. Bereits im vergangenen August hatte die zuständige Behörde eine Erlaubnis für ein Projekt erteilt, das dem Vorhaben Wilmuts ähnlich ist.

(mehr dazu: www.rp-online.de; www.faz.net; www.handelsblatt.com; http://derstandard.at; www.tagi.ch)


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