ALfA-Newsletter vom 02.04.2004

Der nächste ALfA-Newsletter erscheint am 16. April. Die Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Ostertage.

News

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Bush unterzeichnet Gesetz: Ungeborenes Kind ist eigenständige Rechtsperson

Washington (ALfA). US-Präsident George W. Bush hat am 1. April das "Gesetz zum Schutz ungeborener Gewaltopfer" unterzeichnet. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (2. April). Mit dem neuen Gesetz werden sich in Zukunft Täter, die Gewaltdelikte gegenüber schwangeren Frauen verüben, zusätzlich für den Tod oder die Schädigung des ungeborenen Kindes verantworten müssen. Das Kind im Mutterleib wird als eigenständige Rechtsperson anerkannt.

Am 26. Februar hatte das Repräsentantenhaus einen entsprechenden Gesetzesvorschlag mit 254 zu 163 Stimmen gebilligt (vgl. ALfA-Newsletter vom 28. Februar). Kurz darauf stimmte auch der Senat mit 61 zu 38 dem "Unborn Victims of Violence Act" zu. Allerdings sind Abtreibungen und jede Handlung der Mutter gegen ihr ungeborenes Kind laut "kath.net" von der neuen Regelung ausdrücklich ausgenommen.

Wie der katholische Nachrichtendienst weiter berichtet, unterstrich Bush beim Unterzeichnen des Gesetzes, die Nation erkenne mit dem Gesetz an, dass ein Verbrechen gegen eine Schwangere oft zwei Opfer habe. "Mit diesem Gesetz werden Gewalttaten gegen Schwangere im vollen Umfang geahndet", so der US-Präsident laut "kath.net". Erfreut über das Gesetz hätten sich US-Pro-Life Gruppen und die US-Bischofskonferenz gezeigt. "Wir freuen uns, dass der Präsident den Frauen und deren Kindern Gerechtigkeit zukommen lässt, die Opfer von Verbrechen werden", zitiert "kath.net" die Sprecherin des Pro-Life-Büros der US-Bischofskonferenz, Cathy Cleaver.

Unterdessen befürchten Abtreibungsbefürworter, dass das neue Gesetz das sogenannte "Recht auf Abtreibung" aushöhlen könnte. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 2. April). Ein Bundesgesetz, in dem stehe, dass das menschliche Leben im Zeitpunkt der Empfängnis beginne, könne Richter zu dem verhängnisvollen Schluss veranlassen, dass embryonale Stammzellforschung und Abtreibung Mord seien, gibt die FAZ die kalifornische demokratische Senatorin Dianne Feinstein wieder. Sie habe vorgeschlagen, die Strafen für Gewalttaten gegen Schwangere zu erhöhen, ohne das ungeborene Kind als eigenständige Rechtsperson anzuerkennen. Bush-Herausforderer John Kerry hat laut FAZ Feinsteins Vorschlag unterstützt.

(mehr dazu: www.kath.net; www.faz.net)

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Tschechien treibt weiter ab: Gesetzesinitiative gescheitert

Prag (ALfA). Die Abgeordnetenkammer des tschechischen Parlaments hat mit großer Mehrheit abgelehnt, Abtreibungen gesetzlich zu begrenzen. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 1. April). Mit 134 zu 46 Stimmen hätten die Parlamentarier eine Gesetzesinitiative abgelehnt, die von acht christlich-demokratischen Abgeordneten und einem Abgeordneten der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) eingebracht worden sei. Darin sollte Abtreibung generell unter Strafe gestellt werden, außer wenn das Leben der Frau in Gefahr sei oder die Frau durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sei. Wie die FAZ weiter berichtet, will Jiri Karas von der christlich-demokratischen KDU-CSL nun beim Verfassungsgerichtshof in Brünn Klage gegen das bestehende Abtreibungsgesetz erheben und einen neuen, überarbeiteten Gesetzentwurf vorlegen.

Laut der FAZ ist Abtreibung in der Tschechischen Republik praktisch straffrei. Ohne jede Einschränkung sind Abtreibungen bis zur 12. Woche legal; wenn medizinische Gründe vorliegen, bis zur 24. Woche. Im Jahr 2002 seien 41.000 Abtreibungen registriert worden. Tschechischen Angaben zufolge seien das etwa doppelt so viele Abtreibungen wie in westlichen Ländern vergleichbarer Größe.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Tod in Groningen: Niederlande erlauben verbrauchende Embryonenforschung

Amsterdam (ALfA). Nach Großbritannien steigt mit den Niederlanden das zweite europäische Land in die verbrauchende Embryonenforschung ein. Das berichtet die katholische Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 1. April). Forscher am Universitätskrankenhaus Groningen haben dem Zeitungsbericht zufolge die Genehmigung für die Gewinnung von Stammzellen aus sogenannten "überzähligen" menschlichen Embryonen erhalten. Ziel sei es, eigene Stammzelllinien zu etablieren.

Wie die Zeitung weiter berichtet, dürfen nach niederländischem Recht für die Embryonenforschung unter bestimmten Umständen auch solche Embryonen verwendet werden, die bei künstlichen Befruchtungen übrig geblieben sind. Fünf Jahre nach einer künstlichen Befruchtung würden dann die Eltern gefragt, ob sie die Embryonen vernichten lassen oder an andere kinderlose Paare oder der Wissenschaft spenden wollten. Für die Stammzellforschung sei darüber hinaus noch eine gesonderte Zustimmung erforderlich. Bei der Entnahme von Stammzellen werden die Embryonen getötet.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Langzeitstudien zur IvF gefordert: Bushs Bioethikrat stellt Empfehlungen vor

Washington (ALfA). Der amerikanische Bioethikrat hat in seinen neuen Empfehlungen Langzeituntersuchungen an Kindern gefordert, die durch eine künstliche Befruchtung (IvF) entstanden sind. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 2. April). In dem fast 300 Seiten umfassenden Papier führe der Bioethikrat aus, dass der Fokus der Untersuchungen vor allem auf den vermehrten Gesundheitsrisiken bei solchen Kindern liegen solle, für die sich in letzter Zeit die Anzeichen häuften.

Gleichzeitig sollten auch die Risiken für die Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, besser erforscht werden. Von den Fortpflanzungskliniken verlange der amerikanische Bioethikrat - the Presidents Council on Bioethics - eine größere Transparents. Sowohl Erfolgsraten als auch aufgetretene Nebenwirkungen und angewandte Methoden müssten Kunden und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wie das Blatt weiter berichtet, hat der amerikanische Bioethikrat daneben auch gefordert, die Kommerzialisierung der menschlichen Fortpflanzung einzudämmen, wobei vorerst allerdings die finanzielle Vergütung für Ei- und Samenspende unangetastet bleiben soll. Für Aufsehen in den amerikanischen Medien hat laut der FAZ die Bestimmung einer Entwicklungsgrenze gesorgt, die festsetzt, ab wann die Forschung an Embryonen verboten werden soll. Diese Grenze liege "zwischen dem zehnten und vierzehnten Tag nach der Befruchtung", zitiert die Zeitung das Papier. Ob diese Empfehlung Auswirkungen auf eine Liberalisierung oder die staatliche Finanzierung der Embryonenforschung habe, bleibe abzuwarten, so die FAZ.

In den USA dürfen staatliche Gelder nur für Forschungsprojekte mit embryonalen Stammzellen bereitgestellt werden, die mit Zelllinien arbeiten, die bis August 2001 hergestellt worden sind. Damit soll verhindert werden, dass für staatlich finanzierte Forschungsprojekte Embryonen getötet werden.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Maus mit menschlichem Immunsystem: Schweizer Forscher erfüllen "antiken Traum"

Bellinzona (ALfA). Schweizer Wissenschaftlern ist es gelungen, das menschliche Immunsystem in den Körper einer Maus zu verlegen. Das melden der "Tagesanzeiger" (Ausgabe vom 2. April), das Magazin "Stern" (Online-Ausgabe vom 2. April) sowie die "Basler Zeitung" (Online-Ausgabe vom 1. April) unter Berufung auf einen Artikel in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Science". Das Team vom Institut für Biomedizinische Forschung (IRB) in Bellinzona habe dazu menschliche Stammzellen aus dem Nabelschnurblut in die Leber einer neugeborenen Maus transplantiert. "Wir haben die richtigen Zellen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort injiziert", zitieren die Zeitungen Projektleiter Markus Manz. Durch ihre Experimente sei die Maus zu einem perfekten Modell für die Forschung geworden. Bei Versuchen sei die Maus mit einer Krankheit infiziert worden und habe daraufhin Antikörper wie bei einem Menschen entwickelt. Auch auf Impfungen habe sie wie ein Mensch reagiert.

Wie die Zeitungen weiter berichten, hoffen die Wissenschaftler, auf diese Weise künftig die Reaktionen des menschlichen Immunsystems auf Viruserkrankungen wie etwa Aids oder Hepatitis C besser beobachten zu können. Vor allem die Wirkungen von Impfstoffen und Medikamenten könnten effizienter erforscht werden.

"Mit dieser Endeckung ist ein antiker Traum in Erfüllung gegangen", zitiert die "Basler Zeitung" den Direktor des IRB, Antonio Lanzavecchia. In der antiken Mythologie seien Phantasiefiguren häufig als Kreuzungen zwischen Mensch und Tier beschrieben worden. "Mit der Verlegung des menschlichen Immunsystems in den Körper eines Tieres haben wir einen ersten Schritt in diese Richtung getan", so Lanzavecchia.

(mehr dazu: www.tagesanzeiger.ch; www.stern.de; www.baz.ch; www.sciencemag.org)

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Weltweites Klongesetz gefordert: Schöler sieht "Horrorszenario"

Münster (ALfA). Der Stammzellforscher Hans Schöler hat dringend ein weltweites Klongesetz gefordert. In einem Interview mit dem Magazin "Focus" (Ausgabe vom 29. März) mahnte er an, dass man weltweit per Gesetz radikal verbieten müsse, dass geklonte Eizellen einer Frau eingesetzt würden. Damit solle verhindert werden, dass mit Stammzellen aus geklonten und dann abgetriebenen Föten Therapien für Schwerkranke entwickelt würden. Dies sei ein "Horrorszenario", so Schöler.

Weiter erklärte Schöler, ein weltweites Verbot des sogenannten therapeutischen Klonens lasse sich nicht durchsetzen. "Auch in Deutschland wird sich das therapeutische Klonen durchsetzen, sobald es in anderen Ländern Therapien mit geklonten Stammzellen gibt", so Schöler im "Focus". Auf die Frage, ob seiner Ansicht nach das therapeutische Klonen in Deutschland erlaubt werden sollte, antwortete der Stammzellforscher mit zwei Gegenfragen: "Was würde man dazulernen, wenn es erlaubt wäre? Wir wissen ja nun, dass es geht. Und: Wie würde eine Grundlagenforschung mit menschlichen Eizellen aussehen? Ich betrachte das therapeutische Klonen nur als notwendiges Durchgangsstadium, um die Stammzell-Produktion zu optimieren, und glaube, dass sich solche Techniken viel besser im Tierversuch entwickeln lassen." Er hoffe, dass eine langfristige Alternative zur Forschung an Embryonen gefunden würde.

Hans Schöler erregte im vergangenen Jahr Aufsehen, als es ihm mit seiner Forschergruppe an der University of Pennsylvania gelang, aus embryonalen Stammzellen von Mäusen Eizellen zu züchten. Seit dem 1. April 2004 leitet Schöler das Max-Planck-Institut in Münster.

(mehr dazu: www.focus.de)

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Organentnahme bei totgeborenem Kind: Ärzte müssen Entschädigung zahlen

London (ALfA). Die Angehörigen verstorbener Babys, denen ohne Wissen der Eltern Organe entnommen worden sind, können in Großbritannien mit Entschädigung rechnen. Das berichtet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 29. März). Ein Gericht habe entschieden, dass eine Organentnahme gesetzeswidrig sei, wenn sie ohne Einwilligung der Eltern erfolgt sei. Wie das "Ärzteblatt" weiter berichtet, könnten nun bis zu 1.300 Kläger von Ärzten und Kliniken eine Entschädigung einfordern. Der Gerichtsentscheid gewähre Hinterbliebenen das Recht auf Entschädigung, wenn sie psychische Schäden durch das Verhalten der Ärzte nachweisen könnten. In dem vorliegenden Fall habe der Richter den Eltern eines totgeborenen Kindes, dem ohne ihr Wissen Organe entnommen worden seien, ein Entschädigung von 2.750 Pfund (4.100 Euro) zugesprochen.

Laut dem "Deutschen Ärzteblatt" wurde in Großbritannien vor drei Jahren bekannt, dass es in Kliniken gängige Praxis sei, verstorbenen Patienten, totgeborenen Kindern sowie Föten ohne Zustimmung der Angehörigen Organe zu Forschungszwecken zu entnehmen.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Deutsche fürchten Organhandel: Sorge auch bei Transplantationsmedizinern

Köln (ALfA). 70 Prozent der deutschen Bevölkerung befürchten, dass es bei einer Organspende zum Missbrauch in Form von Organhandel kommt. Das erklärte eine Arbeitsgruppe der Universität zu Köln unter Berufung auf eine Umfrage von Julia Fassbender vom Chirurgischen Institut der Universität gegenüber der Presse (30. März). Auch 38 Prozent der befragten Transplantationsmediziner teilen demnach diese Angst.

Die Umfrage habe außerdem ergeben, dass im Falle des eigenen Todes oder Todes eines nahen Verwandten sich mehr als drei Viertel der Bevölkerung, 98 Prozent der Patienten und 90 Prozent der Transplantationsmediziner für die Organspende beziehungsweise Organentnahme bereiterklären würden. Allerdings hätten nur sieben Prozent der Bevölkerung, 36 Prozent der Patienten und 65 Prozent der befragten Ärzte einen Organspendeausweis. "Das zeigt, welche Diskrepanz zwischen der grundsätzlichen Einstellung zur Organspende und der praktischen Umsetzung besteht", heißt es in der Pressemitteilung. Auf die Frage, ob sie zum Beispiel eine Niere oder einen Teil der Leber einem genetisch Blutsverwandten spenden würden, hätten 80 Prozent der Bevölkerung, 86 Prozent der Ärzte und 90 Prozent der Patienten mit "ja" geantwortet. Elf Prozent der Bürger hätten sich dagegen ausgesprochen. "Sogar zehn Prozent der Ärzte stehen der Lebendspende unentschlossen gegenüber und können sich nicht eindeutig auf ein "nein" oder "ja" festlegen", so die Mediziner.

Weiter heißt es, dass nur 62 Prozent der Bevölkerung den Hirntod als den tatsächlichen Tod des Menschen akzeptierten. Deshalb seien auch nur 60 Prozent unter seiner Voraussetzung zur Organspende bereit. Bei zusätzlichem Herz-Kreislauftod würden 43 Prozent derer, die unter der Maßgabe des Hirntodes die Organspende abgelehnt hätten, der Spende doch zustimmen.

(mehr dazu: www.uni-köln.de/pi/)

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"Schwerstkranke brauchen menschliche Wärme": Hospiz Stiftung ehrt Uschi Glas

Berlin (ALfA). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat die Schauspielerin Uschi Glas mit einem Empfang in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin geehrt. Die Patientenschutzorganisation teilte der Presse mit (31. März), dass Gäste aus Politik und Kultur das Engagement von Glas, die seit acht Jahren Schirmherrin der Stiftung ist, gewürdigt haben. "Uschi Glas hat sich in herausragender Weise für den Patientenschutz der Schwerstkranken und Sterbenden stark gemacht. Dafür sagen wir danke", sagte Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung.

Auch Angela Merkel, Parteivorsitzende der CDU und Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat laut der Pressemitteilung Uschi Glas in ihrer Laudatio gewürdigt: "Sich mit Krankheit und Tod auseinanderzusetzen, erfordert großen Mut." Diesen Mut beweise Uschi Glas in besonderer Weise, so Merkel. "Sie gibt den schwerstkranken und sterbenden Menschen eine Stimme. Für ihr Engagement bei der Deutschen Hospiz Stiftung wünsche ich ihr weiterhin alles Gute."

Wie die Hospiz Stiftung weiter berichtet, erklärte Uschi Glas: "Weil Sterben auch Leben ist. Dieses Motto der Deutschen Hospiz Stiftung habe ich zu meinem eigenen gemacht." Es gebe in unserem Gesundheitssystem kein Konzept, das Sterben als Teil des Lebens annimmt. "Schwerstkranke brauchen aber umfassende Begleitung und menschliche Wärme. Dafür kämpfen wir", so die Schauspielerin.

(mehr dazu: www.hospize.de)


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