ALfA-Newsletter vom 02.07.2004

News

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Wirbel um Busquins "Baby-TÜV": BVL mahnt zu Wachsamkeit

Brüssel (ALfA). Trotz der Erklärung von EU-Forschungskommissar Philippe Busquin, er habe nie dazu aufgefordert, flächendeckende Gentests an Babys einzuführen, sieht der Bundesverband Lebensrecht (BVL) keinen Anlass zur Entwarnung. In einer Mitteilung an die Presse (2. Juli) erklärte die Vorsitzende des BVL, Dr. med. Claudia Kaminski, es sei heute "beinah an der Tagesordnung, dass Politiker Testballons starten, um zu prüfen, wie die Öffentlichkeit auf einen Tabubruch reagiert". Zudem habe Busquin in der Debatte um die embryonale Stammzellforschung deutlich gemacht, dass er bereit ist, sich über die ethischen Bedenken einzelner EU-Mitgliedsstaaten hinwegzusetzen. "Wachsamkeit ist beim Thema Gentest für Neugeborene aber auch schon deshalb geboten, weil in vielen Ländern die Pränatale Diagnostik, mit der gezielt nach Erbkrankheiten ungeborener Kinder gefahndet wird, zum Standard zählt", so Kaminski weiter. Ziel der Pränatalen Diagnostik sei es längst nicht mehr, den Betroffenen bestmögliche Hilfe anbieten zu können, sondern "die Auslöschung der Träger solcher Krankheiten. Zu der in Fachkreisen bereits diskutierten Früheuthanasie Neugeborener ist es da nur ein kleiner Schritt", erklärte die BVL-Vorsitzende.

Zuvor hatte Busquin Meldungen zurückgewiesen, in denen es hieß, er habe flächendeckende Gentests an Neugeborenen gefordert. Das melden "Die Welt" und die "Berliner Morgenpost" (Ausgaben vom 2. Juli). Zu keinem Zeitpunkt habe er einen solchen Standpunkt vertreten, geben die Zeitungen den EU-Forschungskommissar wieder. Es sei weder Aufgabe noch Absicht der Europäischen Kommission, von den EU-Mitgliedsstaaten ein umfassendes Gen-Screening aller Babys zu verlangen. Er unterstütze allerdings die Empfehlung einer Expertengruppe, nach der die EU-Mitgliedsstaaten dafür sorgen sollten, "dass Neugeborene systematisch im ersten Lebensmonat auf jene seltenen schweren Krankheiten untersucht werden, für die es bereits Behandlungsmöglichkeiten gibt", zitieren ihn die Zeitungen.

Unterdessen hat der stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland e.V., Ilja Seiffert, die Forderung der Expertenkommission als "absolut inakzeptabel" bezeichnet. Das berichtet "Die Welt" (Ausgabe vom 30. Juni). Die Einführung von Gentests bei Neugeborenen käme einem "Baby-TÜV" gleich. "Die Befürworter sagen, dass mit diesen Tests Krankheiten verhindert werden, dabei sollen in Wirklichkeit die Träger der Krankheiten verhindert werden", zitiert das Blatt Seiffert. Wenn Gentests erst systematisch bei Neugeborenen angewandt würden, könnten sie auch weiter vorgelagert und bereis beim ungeborenen Kind durchgeführt werden. Dann stelle sich die Frage, welche Krankheit noch akzeptabel und welches Leben noch lebenswert sei. Anscheinend seien bei der Empfehlung der EU-Experten "gewaltige wirtschaftliche Interessen der Pharmaindustrie" im Spiel, so Seiffert. Es sei eine Farce, von freiwilligen Gentests zu sprechen. "Wenn Eltern einen solchen Tests ablehnen und das Kind später tatsächlich erkrankt, könnte die Versicherung sich ja weigern, für die Behandlung zu bezahlen", zitiert "Die Welt" Seiffert.

(mehr dazu: www.bv-lebensrecht.de; www.welt.de; http://morgenpost.berlin1.de)

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"Gott sei Dank gibt es die ALfA": Hohes Lob bei Bundesdelegierten-Versammlung

Königswinter (ALfA). Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA), Dr. med. Claudia Kaminski, ist in ihrem Amt bestätigt worden. Auf der diesjährigen Bundesdelegierten-Versammlung, die vom 25. bis 27. Juni in Königswinter abgehalten wurde, wurde auch der 2. stellvertretende Vorsitzende, Hubert Hüppe, MdB, wiedergewählt. Neu im Geschäftsführenden Bundesvorstand sind die Journalistin Birgit Kelle als 1. stellvertretende Vorsitzende, der Unternehmer Volker Kleibrink als Schatzmeister sowie die Übersetzerin Alexandra Linder als Schriftführerin.

Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, beklagte in einem Grußwort an die Delegierten der ALfA, dass das "Lebensrecht des schwachen ungeborenen sowie des hilfsbedürftigen alten Menschen vielfach bestritten wird." Da es in dieser Frage keinen gesellschaftlichen Konsens gebe, sei das Engagement einzelner Personen und Gruppierungen, die den Wert des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zu einem natürlichen Tod gegen eine Kultur des Todes verteidigen" unverzichtbar. "Gott sei Dank gibt es auch in Deutschland Organisationen und Verbände wie die Aktion Lebensrecht für Alle e.V., die gelegen oder ungelegen für den Schutz des Lebens auf die Strassen gehen und bei den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern auf das Grundrecht auf Unversehrtheit des menschlichen Lebens pochen", so Meisner weiter.

Auch der Bundesvorsitzende der Jungen Union Deutschland, Philipp Missfelder, hatte sich schriftlich an die Delegierten der ALfA gewandt. "Die Junge Union und die ALfA eint das Verständnis vom Menschen als einmaliger, unverwechselbarer und eigenverantwortlicher Persönlichkeit mit unantastbarer Würde." Kein Mensch habe das Recht, über das Leben eines anderen zu verfügen. "Dies gilt sowohl für Geborene als auch für Ungeborene", bekräftigte Missfelder.

Im Rahmen der Bundesdelegierten-Versammlung fand eine öffentliche Fachtagung unter dem Motto "Die Menschenwürde war unantastbar" statt. In seinem Vortrag warnte Robert Antretter (SPD), Bundesvorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, vor einer neuen Debatte um den Personenbegriff. Teile von Industrie und Forschung trachteten danach "die Person als höherwertigen Menschen zu qualifizieren". Ziel sei es, diejenigen des Schutzes zu berauben, die dann nicht mehr unter den Personenbegriff fielen, etwa Menschen mit geistiger Behinderung, Koma-Patienten, ungeborene Kinder. "Wer hier eine Klassifizierung vornimmt, legt Hand an die Menschenwürde. Und dem muss man dann auf die Finger klopfen", forderte der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete.

Der Journalist und Publizist Jürgen Liminski ging der Frage nach, was es für die Gesellschaft bedeutet, wenn es keinen Respekt mehr vor der Menschenwürde gibt. Sein Ergebnis: "Wenn die Würde in Frage gestellt wird, gleitet alles in die Barbarei." Als Kern der heutigen Krise machte Liminski den "Verzicht auf die Wahrheit" aus und kritisierte, dass heute nicht mehr genug zwischen "Gut-fühlen" und "Gut-sein" unterschieden werde. Als Ausweg aus der Krise empfahl Liminski die Stärkung von Familie und Erziehung. Die Familie sei der Ort, wo Menschen den Respekt vor der eigenen und der Würde des anderen lernen könnten. Erziehung sei nichts anderes als "Beschenkung mit Menschlichkeit".

Thema auf der Bundesdelegierten-Versammlung war auch das sogenannte Post-Abortion-Syndrom (PAS). In einem Workshop habe die Psychotherapeutin Ursula Büchler-Marzolph, die vor zwölf Jahren ihr vierten Kind abtrieben ließ, über die typischen PAS-Symptome berichtet. "Manche Frauen haben immer wiederkehrende schmerzliche Träume von der Abtreibung oder von dem ungeborenen Kind. Dies schließt das Wiedererleben der Abtreibung genauso ein wie eine blitzartige Rückschau auf Erlebnisse während der Narkose oder des Aufwachens", so Büchler-Marzolph. Neben psychischen Symptomen wie Störung des Selbstwertgefühls, emotionale Gleichgültigkeit, unmotiviertes Weinen, Reue- und Schuldgefühle, Depressionen bis hin zu Suizidversuchen, Autoaggression und Angstzuständen würden auch psychosomatische Störungen, etwa Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Magen- und Darmstörungen, funktionale Unterleibsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden oder Schlafstörungen, auftreten, für die es keine organische Ursache gebe, so die Psychotherapeutin weiter. Etwa 80 Prozent der Frauen, die eine Abtreibung haben vornehmen lassen, leiden am Post-Abortion-Syndrom, das meist erst Jahre später erkannt wird.

(mehr dazu: www.alfa-ev.de)

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Fürstlicher Beistand: Gloria von Thurn und Taxis engagiert sich für "Tim lebt"

Oldenburg (ALfA). Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat sich in der ARD-Talkshow "Beckmann" gegen die Praxis der Spätabtreibungen ausgesprochen. Das meldet die "Nordwest Zeitung" (Ausgabe vom 30. Juni). Die Fürstin habe betont, bei einer Spätabtreibung würden schon außerhalb des Mutterleibes überlebensfähige Kinder getötet. Dies dürfe nicht sein. Als Beispiel habe sie im Gespräch mit Moderator Reinhold Beckmann den sogenannten Oldenburger Fall geschildert, bei dem im Juli 1997 ein Junge, Tim, zu Beginn der 26. Schwangerschaftswoche durch eine Abtreibung getötet werden sollte, nachdem bei ihm Trisomie 21, auch bekannt als Down-Syndrom, diagnostiziert worden war. Doch der Junge überlebte seine eigene Abtreibung. Über neun Stunden lang blieb er unversorgt liegen, bevor das Klinikpersonal lebenserhaltende Maßnahmen ergriff.

Auch in einer Pressemitteilung (2. Juli) der "Stiftung Ja zum Leben" anlässlich des 7. Geburtstages von Tim hat Fürstin Gloria auf das Unrecht der Spätabtreibungen aufmerksam gemacht. "Wenn es nach dem Gesetz möglich ist, dass lebensfähige, aber ungewollte Kinder in einem Alter getötet werden, in dem "Frühchen" mit allen erdenklichen Mitteln am Leben gehalten werden, dann muss man das Gesetz ändern", so die Fürstin. Sie forderte dazu auf, an der Unterschriftensammlung im Internet unter www.Tim-lebt.de teilzunehmen. 76.000 Unterschriften seien bereits zusammengekommen. "Es müssen noch viel mehr werden", so Fürstin Gloria. "Wir wollen die Politiker zum Handeln bewegen." Heutzutage müsse kein Kind sterben, nur weil es ungewollt sei. "Es gibt genügend adoptionswilllige Ehepaare und Familien, die auch ein behindertes Kind aufnehmen würden", betonte sie.

Unterstützung erhielt die Fürstin von der Vorsitzenden der "Stiftung Ja zum Leben", Johanna Gräfin von Westphalen, die betonte, dass immer häufiger Frauen "ihre Schwangerschaft nicht mehr als Zeit der guten Hoffnung erleben, sondern als Konflikt-, Angst- und Sorgenphase". Zehn Jahre nach Aufnahme des Diskriminierungsverbots für Behinderte in das Grundgesetz habe sich die Gefahr der Selektion aufgrund von Behinderung weiter erhöht, so die Gräfin mit Blick auf die Praxis Pränataler Diagnostik.

Gloria von Thurn und Taxis ist Mitglied des Stiftungsrates der "Stiftung Ja zum Leben", die die Kampagne "www.Tim-lebt.de" ins Leben gerufen hat, um auf das Unrecht und die besonders grausame Praxis von Spätabtreibungen aufmerksam zu machen. Ende Mai hatte sie zusammen mit der Vorsitzenden der "Stiftung Ja zum Leben", Johanna Gräfin von Westphalen, und Claudia Kaminski, Bundesvorsitzende der ALfA und Sprecherin der Kampagne "Tim lebt", eine Liste mit 76.000 Unterschriften gegen Spätabtreibungen im Bundesjustizministerium in Berlin überreicht (vgl. ALfA-Newsletter vom 28. Mai).

(mehr dazu: www.nwz-online.de; www.Tim-lebt.de)

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"Frühabtreibung auf Verdacht": Meisner über "Pille danach"

Köln (ALfA). Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat an die Bundesländer appelliert, Rechtsverordnungen zur rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" die notwendige Zustimmung zu verweigern. In einem Interview mit dem "Rheinischen Merkur" (Ausgabe vom 1. Juli) erklärte Meisner, in Deutschland würden die Kinderzahlen in einem "beängstigenden Maße" sinken. Die Regierung verstärke durch ihre Entscheidungen diesen Trend. "Ich protestiere daher mit Nachdruck gegen diese Pläne des Bundesgesundheitsministeriums", so Meisner. Mit einem besseren Schutz des ungeborenen Lebens, der das behauptete Ziel der Reform des Abtreibungsparagraphen war, sei eine rezeptfreie Abgabe der "Pille danach" unvereinbar.

Ziel der Verabreichung des Präparates sei es, so Meisner weiter, einem bei einem vorausgegangenen Geschlechtsverkehr möglicherweise gezeugten Embryo jene Voraussetzungen zu nehmen, die er zum Weiterleben benötigt. "Das Hindern am Weiterleben wir üblicherweise als Tötung bezeichnet", betonte Meisner gegenüber dem "Rheinischen Merkur". Die "Pille danach" sei ein "Mittel zur Frühabtreibung auf Verdacht." Ihre rezeptfreie Vergabe würde zur Folge haben, dass Präparate, mit denen Menschenleben ausgelöscht werden sollten, in Apotheken künftig genauso erhältlich wären "wie Medikamente gegen Grippe und Magenbeschwerden", so Meisner weiter. Dies trage nicht zur Aufklärung über die tiefe moralische Problematik der "Pille danach" bei, sondern zur allgemeinen ethischen Desinformation. Mit der Abschaffung der Rezeptpflicht würde der Staat laut Meisner einen erneuten Schritt tun, die "Tötung von Embryonen zu privatisieren, und am Ende auch noch auf gesunkene Abtreibungszahlen verweisen". Der Staat würde seinen grundlegenden Auftrag verletzen, jeden Menschen, vor allem aber die Hilflosesten in unserer Gesellschaft zu achten und zu schützen. "Es wird kälter in einer Gesellschaft, in der die Schwächsten zur Dispositionsmasse derer werden, die es geschafft haben, und sei es nur, dass sie geschafft haben, geboren zu werden", sagte der Kardinal dem "Rheinischen Merkur".

(mehr dazu: www.rheinischer-merkur.de)

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Mehrheit der Deutschen für PID? Belgien auf der Suche nach perfektem Menschen

Berlin (ALfA). Nach einer von Reproduktionsmedizinern in Auftrag gegebenen Umfrage steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung der Präimplantationsdiagnostik (PID) positiv gegenüber. Das melden die "Ärzte Zeitung" (Online-Ausgabe vom 30. Juni) und das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 29. Juni). Befragt worden seien 200 Paare, die zwischen Oktober 2003 und Mai 2004 eine Fertilitäts-Klinik wegen Unfruchtbarkeit aufgesucht hätten, sowie 2.110 Personen zwischen 19 und 55 Jahren aus der Allgemeinbevölkerung. 97 Prozent der unfruchtbaren Paare und 80 Prozent der Normalbevölkerung hätten sich für die Zulassung der PID zur Feststellung krankhafter genetischer Auffälligkeiten bei künstlich erzeugten Embryonen ausgesprochen. Kein Zuspruch hätte dagegen die Zulassung der Selektionstechnik zur Auswahl des Geschlechts oder von Persönlichkeitsmerkmalen wie etwa hoher Intelligenz gefunden. Auch hätten sich nur sieben Prozent der Allgemeinbevölkerung sowie ein Prozent der infertilen Paare für die Legalisierung des reproduktiven Klonens ausgesprochen.

Unterdessen hat Inge Liebärs, Leiterin des Zentrums für Medizinische Genetik an der Freien Universität von Brüssel, auf dem Jahrestreffen der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie in Berlin von ihren Erfahrungen mit der PID berichtet. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 1. Juli). So hätten in der ersten Phase der PID-Anwendung in Belgien Krankheiten im Mittelpunkt gestanden, die sich mit der Geburt manifestierten. Inzwischen würden aber auch immer mehr Gentests für Krankheiten verfügbar, die erst später im Leben auftreten würden, so Liebärs. So könnten künstlich erzeugte Embryonen getötet werden, bei denen erst im Alter von 60 Jahren eine Erbkrankheit auftreten würde. Wer meine, dies sei ein zu später Erkrankungszeitpunkt, um eine Embryonenauswahl zu rechtfertigen, solle bedenken, dass ein sechzig Jahre alter Mensch angesichts der aktuellen Lebenserwartung noch als "jung" einzustufen sei, so Liebärs laut der FAZ. Die Grenzziehung sei schwierig, habe Liebärs betont, die zugleich dafür plädierte, die Entscheidung den Eltern zu überlassen.

(mehr dazu: www.aerztezeitung.de; www.aerzteblatt.de; www.faz.net)

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Britische Regierung knickt ein: Organentnahmegesetz geändert

London (ALfA). Die britische Regierung hat nach scharfen Protesten von Medizinern und Wissenschaftlern im letzten Moment wichtige Passagen im neuen Organentnahmegesetz (Human Tissue Bill) geändert. Das berichtet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 25. Juni). Ursprünglich habe die Regierung beabsichtigt, in dem Gesetz, das zur Zeit die Instanzen des britischen Unterhauses durchlaufe, jegliche Entnahme von Organen und Gewebe ohne ausdrückliche Einwilligung des Patienten zu verbieten. Mit Haftstrafen von bis zu drei Jahren sollten Zuwiderhandlungen bestraft werden.

Mediziner und Wissenschaftler hätten kritisiert, dass solche Bestimmungen "der Forschung und Therapie im Wege" stünden, zitiert das "Ärzteblatt". Daraufhin habe sich die Regierung zu Änderungen bereiterklärt. Die Neufassung sehe vor, dass Ärzte auch weiterhin Gewebe und andere Körperteile entnehmen dürfen, ohne dass die schriftliche Zustimmung des Patienten vorliege. Sichergestellt sein müsse lediglich, dass das entnommene Gewebe für Forschungs- oder Therapiezwecke genutzt werde. Wolle der Patient eine Entnahme nicht, müsse er dies ausdrücklich erklären.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Wider den "Trend zur Tötung": Enquetekommission gegen Zypries-Vorschlag

Berlin (ALfA). Im Gegensatz zu Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will die Enquetekommission des Bundestages "Ethik und Recht der modernen Medizin" die Bedeutung von Patientenverfügungen begrenzen. Das melden "Der Tagesspiegel" (Ausgabe vom 29. Juni) sowie "Die Tagespost" (Ausgabe vom 1. Juli). Die Mehrheit der Mitglieder würde sich dafür stark machen, die Reichweite von Patientenverfügungen eher zu beschränken als auszuweiten, gibt "Der Tagesspiegel" den Vorsitzenden der Enquetekommission, Rene Röspel (SPD), wieder. Am 28. Juni hatte die Enquetekommission die Verabschiedung ihres Berichts zu Patientenverfügungen vertagt.

Wie die Zeitungen weiter berichten, will offenbar auch eine Reihe von Abgeordneten der Kommission die von der Zypries-Arbeitsgruppe angeregte Änderung des Paragraphen 216 StGB, der die Tötung auf Verlangen unter Strafe stellt, zurückweisen. Von der Arbeitsgruppe war angeregt worden, dass passive und indirekte Sterbehilfe ausdrücklich straffrei gestellt werden müssten. Diese Erweiterung sei gefährlich, so Kommissionsmitglied und Grünen-Abgeordnete Christa Nickels. Wenn man indirekte Sterbehilfe etwa über möglicherweise todbringende Schmerzlinderung ermögliche, könne dies einen Trend zur Tötung von dementen Menschen und Wachkoma-Patienten begünstigen, die gar nicht im Sterben lägen, gibt "Der Tagesspiegel" Nickels wieder.

Unterdessen hat Michael Kauch, FDP-Parlamentarier in der Enquete-Kommission, die Linie Röspels kritisiert. Die Mehrheit der Kommissionsmitglieder wolle "Patienten möglichen Zwangsbehandlungen ausliefern", zitiert "Die Tagespost" den Politiker. Es hätten sich "wieder einmal fundamentalistische und paternalistische Kräfte" in der Kommission durchgesetzt, so Kauch.

Auch Kommissionsmitglied Marlies Volkmer (SPD) sieht die Bemühungen der Mehrheit ihrer Kollegen kritisch. In einem Interview mit der "Tageszeitung" (Ausgabe vom 28. Juni) erklärte sie: "Ich gehöre eher zu denen, die die Patientenverfügung nicht so eng sehen wollen." Sie regte an, "die Unterstützung zur Selbsttötung zuzulassen, wie es in der Schweiz möglich ist." Der Schritt, das Leben zu beenden, sei so gravierend, dass man den Patienten davon nicht entbinden könne. "Er muss diesen letzten Schritt bewusst tun", so Volkmer.

(mehr dazu: www.tagesspiegel.de; www.die-tagespost.de; www.taz.de)

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Euthanasie in Neuseeland: Studie enthüllt erschreckende Zahlen

Wellington (ALfA). In Neuseeland sind die Fälle von aktiver Sterbehilfe rapide angestiegen. Das berichtet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (29. Juni) unter Berufung auf eine aktuelle Studie, die im "New Zealand Medical Journal" veröffentlicht worden ist. Nach Angaben der Leiter der Umfrage, Dr. Kay Mitchell vom Institut für Psychologie der Auckland Universität und Glynn Owens, Professor für Klinische Psychologie, hätten 693 praktische Ärzte zugegeben, im vergangenen Jahr aktive Sterbehilfe geleistet zu haben, obwohl das in Neuseeland illegal ist. In rund 380 Fällen habe der Arzt den Patienten getötet, ohne vorher sein Einverständnis einzuholen. Als Grund hätten die Ärzte angegeben, dass der Kranke sich nicht mehr dazu hätte äußern können. Laut "kath.net" sind jedoch 88 Fälle bekannt, in denen ein Patient ohne Einverständniserklärung getötet worden sei, obwohl er ansprechbar gewesen sei.

"Legal oder nicht, Euthanasie ist eine internationale Realität, und Neuseeland macht da keine Ausnahme, obwohl es hier vielfältige palliativ-medizinische Möglichkeiten gibt", zitiert "kath.net" Mitchell und Owens. Weiter habe das Team um die beiden Psychologen herausgefunden, dass Ärzte, die Euthanasie praktizieren, oft unter schweren psychischen Problemen litten.

(mehr dazu: www.kath.net)

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Faszinierende Einblicke: Neues Verfahren zeigt Ungeborene in 4D

Hamburg (ALfA). Ein neues Ultraschallverfahren mit integrierter 3D- und Echtzeit-4D-Bildgebung liefert erstmals auch für Laien gut verständliche, detailgenaue Abbildungen ungeborener Kinder. Das berichten die "Bild-Zeitung" (Ausgabe vom 29. Juni) sowie die "Hamburger Morgenpost" (Ausgabe vom 30. Juni). Es sei mit dem neuen Verfahren möglich, das ungeborene Kind schon in der frühen Schwangerschaftsphase genau zu erkennen. "Jeder Finger, das Mini-Herz, das mit 156 Schlägen in der Minute pumpt, der Magen, die Gehirnkammern - alles ist im Detail zu sehen und wird computergesteuert vermessen: Oberschenkellänge 7,2 Millimeter, Bauchumfang 62,1 Millimeter...", schreibt die "Hamburger Morgenpost" über die Ultraschalluntersuchung eines ungeborenen Kindes in der 13. Schwangerschaftswoche. Die Mediziner hoffen laut der Zeitungen, durch dieses Verfahren neue Erkenntnisse über die vorgeburtliche Entwicklung zu erlangen. "Mit dieser neuen Methode können die Wissenschaftler jetzt das Verhalten der Babys viel besser verstehen und auswerten", zitiert die "Bild-Zeitung" Stuart Campbell von der Londoner "Create Health Clinic".

Unterdessen berichten das "Time Magazin" (Ausgabe vom 5. Juli) und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 30. Juni), dass immer mehr Schwangere in den USA die neue Ultraschalltechnik dazu benutzen, um sich Fotografien und DVDs von ihren ungeborenen Kindern anfertigen zu lassen. Nach einer 30minütigen Ultraschallsitzung für rund 250 Dollar würden den Schwangeren ein Videoband mit selbstgewählter Hintergrundmusik, elektronisch gespeicherte Fotos des Kindes sowie Fotoabzüge und Grußkarten ausgehändigt. Allerdings habe die amerikanische Behörde zur Überwachung von medizinischen Geräten (FDA) davor gewarnt, ungeborene Kinder unnötig lange dem Ultraschall auszusetzen, so die Zeitungen weiter. Man wisse nicht genau, ob der wiederholte Einsatz der Ultraschalltechnik zu späteren Schäden für das Kind führen könne. Gegenwärtig seien zwar noch keine schädlichen Folgen bekannt, man dürfe aber nicht außer acht lassen, dass Ultraschall eine Energieform sei, die Gewebeveränderungen bewirken könne.

(mehr dazu: www.bild.de; www.mopo.de; www.time.com; www.faz.net)


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