ALfA-Newsletter vom 05.12.2003

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Nach dem Scheitern des Embryonen-Kompromiss: Forschungsförderung offen

Brüssel (ALfA). Die EU-Forschungsminister haben sich nicht auf einen Kompromiss zur Finanzierung der Embryonenforschung mit EU-Geldern einigen können. Das berichten unter anderen die "Süddeutsche Zeitung", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Financial Times Deutschland" (Ausgaben vom 4. Dezember) sowie die "Die Tagespost" (Online-Ausgabe vom 5. Dezember). Der von der italienischen Ratspräsidentschaft unterbreitete Kompromissvorschlag habe keine Chance auf eine mehrheitliche Zustimmung gehabt. Danach hätte die Forschung mit embryonalen Stammzelllinien nur dann gefördert werden sollen, wenn diese vor dem 3. Dezember 2003, dem Tag der Sitzung, etabliert worden wären. Laut Medienberichten reichen vielen Staaten in der EU die bislang vorhandenen Stammzelllinien jedoch nicht aus; vor allem Großbritannien und Schweden würden auf eine Forschung ohne Restriktionen drängen. EU-Forschungskommissar Philippe Busquin habe unterstrichen, es würden noch Jahre benötigt, um Stammzelllinien in ausreichendem Umfang herzustellen. Deshalb sah der Plan des EU-Forschungskommissars vor, die Tötung von Embryonen zu fördern, die vor dem 27. Juni 2002 zur Fortpflanzung erzeugt worden waren, zu diesem Zweck nun aber nicht mehr benötigt würden, weil das "Elternprojekt", so die EU-Kommission, gestoppt worden sei. Wie es nach dem Scheitern der Verhandlungen weitergeht, scheint völlig offen, so die Zeitungen.

17,5 Milliarden Euro stellt das sechste EU-Forschungsrahmenprogramm für die Förderung der Forschung auf zahlreichen Gebieten in der Zeit von 2002 bis 2006 zur Verfügung; 2,25 Milliarden Euro davon allein für Biotechnologie und Genetik. Während seit dem Start des Programms Anträge auf Förderung von Projekten mit adulten Stammzellen bearbeitet werden, hatte sich der Rat der EU-Forschungsminister im vergangenen Jahr auf ein Moratorium hinsichtlich der Förderung von Projekten mit humanen embryonalen Stammzellen geeinigt. Danach stand es Forschern zwar frei, mit dem Start des Programms Fördergelder für die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu beantragen, ihre Bearbeitung wurde jedoch bis Anfang 2004 zurückgestellt.

Wie die Zeitungen berichten, existieren vor allem in der Frage, ob das Moratorium weiter gilt, oder ob das Scheitern der Verhandlungen dazu führt, dass ab dem 1. Januar 2004 nun doch auch jene Anträge bearbeitet werden, die eine Förderung der Forschung an embryonalen Stammzellen beantragt haben, unterschiedliche Rechtsauffassungen. "Österreich geht davon aus, dass das Moratorium in Sachen Embryonenforschung bis zu einer endgültigen Entscheidung weiterhin gilt und daher bis auf weiteres keine Forschung an Embryonen durch EU-Gelder gefördert wird", zitiert "Die Tagespost" die österreichische Forschungsministerin Elisabeth Gehrer. Die deutsche Bundesforschungsministerin Bulmahn bedauerte laut FAZ das "sehr knappe Ergebnis", mit dem die Stichtagsregelung abgelehnt worden sei. Ihrer Ansicht nach dürften bis zu weiteren Gesprächen keine Forschungsgelder investiert werden. Dem habe Busquin widersprochen, als er sich nach Ende der Sondersitzung zuversichtlich zeigte, dass im kommenden Jahr über entsprechende Anträge entschieden werden könne. "Jetzt ist das Moratorium vorüber", zitiert die FAZ Busquin. Laut der "Tagespost" habe er bereits vor der entscheidenden Sitzung seinen Sprecher Fabio Fabbi erklären lassen: "Der italienische Vorschlag würde die Schaffung von neuen Stammzelllinien aus menschlichen Embryos vollständig beenden. Das lehnen wir ab. Wir wollen mehr Freiheit und mehr Möglichkeiten für die Forschung."

Wie die "Katholische Nachrichten Agentur" (KNA) (5. Dezember) meldet, hat die EU-Kommission einen Tag nach der Sondersitzung angekündigt, Ausschreibungen für Embryonenforscher unverzüglich auf den Weg zubringen. Nach dem Scheitern der Verhandlungen sei es "die Verantwortung und die Pflicht" der EU-Kommission, für die Umsetzung der Forschungsförderung zu sorgen, so der Sprecher von Forschungskommissar Philippe Busquin. Die Entscheidung über die Anträge fällt laut der "Tagespost" ein Programmausschuss. Allerdings würden in den Ausschüssen ähnliche Mehrheitsverhältnisse wie im EU-Ministerrat herrschen. Daher seien auch ähnliche Schwierigkeiten bei der Mehrheitsfindung zu erwarten. Kämen keine qualifizierten Mehrheiten in den zuständigen Gremien zustande, so könne die EU-Kommission nach einer bestimmten Frist die Entscheidung über die Vergabe der Gelder selbst und ohne die Zustimmung der EU-Mitgliedsstaaten treffen.

Liese appellierte laut der "Tagespost" an die Bundesregierung, nun "wie ein Löwe zu kämpfen". Nach Lieses Einschätzung sei etwa ein Anruf von Außenminister Joschka Fischer beim Kommissionspräsident Romano Prodi "ein wirkungsvolles Instrument", um deutlich zu machen, dass diese Frage "kein ausschließlich forschungspolitisches Thema" mehr sei, sondern längst auch ein "europapolitisches". Die Behauptung Busquins, es gebe nicht genügend Stammzelllinien, bezeichnete Liese gegenüber der "Tagespost" als "wissenschaftlichen Unsinn. Es gibt genug Stammzelllinien". Die "Hauptmotivation" für die Etablierung neuer Stammzelllinien sei ihre Patentierung. Weil die amerikanischen und Israelischen Stammzelllinien patentiert seien, wollten viele Forscher eigene Stammzelllinien etablieren und patentieren lassen. Liese: "Aber das kann ja wohl kein Grund für den deutschen Steuerzahler sein, sie über die Mittel aus dem Sechsten EU-Forschungsrahmenprogramm mitzufinanzieren."

Die Hoffnungen der Gegner der verbrauchenden Embryonenforschung richten sich nun auf Irland, das ab 1. Januar für ein halbes Jahr die EU-Präsidentschaft übernimmt, berichten die Zeitungen. Zu Beginn der Auseinandersetzung habe der Inselstaat noch zu den stärksten Gegnern der Forschung mit embryonalen Stammzellen gehört. In der aktuellen Auseinandersetzung halte sich Irland jedoch merkwürdig bedeckt. Selbst wenn daher im kommenden Jahr tatsächlich neue Verhandlungen aufgenommen würden, bleibe der Ausgang völlig offen.

(mehr dazu: www.sueddeutsche.de; www.faz.net; www.ftd.de; www.die-tagespost.de)

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Zweite Chance für Fischer: Neuer Anlauf für UN-Klonverbot

New York (ALfA). Die USA, Portugal, Norwegen, Spanien und Costa Rica wollen am kommenden Montag in der Vollversammlung der Uno gegen den Willen des deutschen Außenministers Joschka Fischer (Grüne) Verhandlungen über eine Anti-Klonkonvention durchsetzen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland" (Ausgabe vom 5. Dezember). "Wir werden am Montag mit unserer Staaten-Gruppe die geplante Vertagung des Klonverbots um zwei Jahre ablehnen", zitiert das Blatt einen hochrangigen Diplomaten Costa Ricas. Das Land steht an der Spitze einer Gruppe von über 60 Ländern, die sowohl das reproduktive als auch das Forschungsklonen international verbieten will.

Damit steht vor allem Deutschland unter Druck, so das Blatt weiter. Am 6. November hatte sich Deutschland im Rechtsausschuss der Vereinten Nationen für eine Vertagung der Verhandlungen um zwei Jahre ausgesprochen, obwohl der Bundestag die Bundesregierung mit einer breiten Mehrheit aufgefordert hatte, sich für ein schnelles und umfassendes Klonverbot einzusetzen (vgl. ALfA-Newsletter vom 7. November). Die Entscheidung bei den Vereinten Nationen war mit 80 zu 79 sehr knapp ausgefallen. Eine Änderung im Abstimmungsverhalten der Bundesregierung könnte also jetzt die Aufnahme der Verhandlungen ermöglichen.

Die Befürwortung einer Vertagung war auf heftige Kritik gestoßen. Erst am vergangenen Wochenende hatte der Grünen-Parteitag in Dresden seine Enttäuschung über das Scheitern der Klonverbots-Verhandlungen ausgedrückt, so die "Financial Times Deutschland" weiter. Die Partei habe einen verstärkten Einsatz der Bundesregierung für ein solches Verbot gefordert. Das Abstimmungsverhalten der Bundesregierung werde deshalb am Montag mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. "Die Bundesregierung soll sich für einen schnellstmöglichen Beginn der Verhandlungen über eine Klonkonvention einsetzen", zitiert das Blatt den stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, Reinhard Loske. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe habe ein Einlenken der Regierung gefordert. "Die Bundesregierung hat jetzt die Chance, ihren Fehler vom November wieder gut zu machen. Deutschland sollte ernsthaften Verhandlungen nicht mehr im Wege stehen", so Hüppe. Wenn dabei im ersten Anlauf nicht alle Staaten mitmachen würden, müsse wie beim Atomwaffensperrvertrag und bei der Anti-Folterkonvention Druck auf die Abweichler ausgeübt werden.

(mehr dazu: www.ftd.de)

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Abtreibungszahlen wieder gestiegen: BVL spricht von "unerträglichem Ausmaß"

Wiesbaden (ALfA). Im dritten Quartal 2003 wurden dem Statistischen Bundesamt rund 31.400 Abtreibungen in Deutschland gemeldet und damit 200 (+ 0,5 Prozent) mehr als im dritten Quartal 2002 (31.200). Das teilte das Statistische Bundesamt der Presse mit (3. Dezember). Nahezu die Hälfte der Frauen (49 Prozent) sei zum Zeitpunkt der vorgeburtlichen Kindstötung ledig gewesen; verheiratet waren laut der Wiesbadener Behörde 45 Prozent. Etwa drei Viertel (71 Prozent) der Frauen, bei denen eine Abtreibung durchgeführt worden sei, seien zwischen 18 und 35Jahren alt, rund sechs Prozent seien minderjährig, sieben Prozent seien 40 Jahre oder älter gewesen. 40 Prozent der Schwangeren hatten vor der vorgeburtlichen Kindstötung noch keine Lebendgeburt, so das Statistische Bundesamt.

97 Prozent der gemeldeten Abtreibungen seien nach der Beratungsregelung vorgenommen worden. In drei Prozent der vorgeburtlichen Kindstötungen sei die medizinische beziehungsweise kriminologische Indikation als Begründung angegeben worden. Laut der Wiesbadener Behörde sind 81 Prozent der Abtreibungen mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt worden. 93 Prozent der ungeborenen Kinder seien ambulant getötet worden. Vier Prozent der Frauen hätten die Abtreibung in einem Bundesland vornehmen lassen, in dem sie nicht gewohnt hätten.

Unterdessen hat die Vorsitzende des Bundesverband Lebensrecht (BVL) Claudia Kaminski, in einer Mitteilung in die Presse (4. Dezember) erklärt, der vom Statistischen Bundesamt bekannt gegebene leichte Anstieg der gemeldeten Abtreibungen für das dritte Quartal 2003 um 0,5 Prozent (200) auf 31.400 gegenüber dem Vergleichszeitraum in 2002 könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Abtreibungsgeschehen in Deutschland längst ein "unerträgliches Ausmaß" erreicht habe.

Jährlich würden in Deutschland rund 135.000 gemeldete vorgeburtliche Kindstötungen vorgenommen. "Die Lebensrechtsbewegung geht von einer Dunkelziffer aus, die noch einmal so hoch ist", so Kaminski. Davon unabhängig sei der tatsächliche Anstieg der gemeldeten Abtreibungen viel höher, als die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen suggerierten. "Setzt man die absoluten Zahlen der gemeldeten Abtreibungen in Relation zu den Frauen im gebärfähigen Alter, deren Anzahl stetig zurückgeht, so zeigt sich, dass tendenziell mehr abgetrieben wird", erläutert Kaminski. Hierzu werde der BVL in Kürze Zahlen vorlegen.

Erschwerend komme hinzu, dass der Staat die "straffreien", aber nichtsdestoweniger "rechtswidrigen" Abtreibungen über die Länderhaushalte mit Steuermitteln subventioniert; allein im vergangenen Jahr mit rund 40 Millionen Euro. "Das vom Gesetzgeber mit der Reform des 218 verfolgte Ziel ? weniger statt mehr Abtreibungen ? wurde nie erreicht", so die BVL-Vorsitzende. Für diesen Fall habe das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber 1993 die Pflicht zur Nachbesserung auferlegt. Der BVL fordere die Parlamentarier auf, sich dieser Pflicht nicht länger zu entziehen.

(mehr dazu: www.destatis.de; www.bv-lebensrecht.de)

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Wirtschaftsminister Riehl: Abtreibung als "ethische Bankrotterklärung"

Wiesbaden (ALfA). Der hessische Wirtschaftsminister Alois Riehl hat eine "Kultur des Lebens" in Deutschland gefordert. In einem Gastbeitrag für das "Wiesbadener Tagblatt" (Ausgabe vom 29. November) schreibt er, mit einer solchen Kultur seien die hohen Abtreibungszahlen unvereinbar. Statistisch erfasst würden jährlich 130.000 Abtreibungen: "Das heißt: Jedes siebte Kind wird in Deutschland getötet." Wer darin keine "ethische Bankrotterklärung unserer Wohlstandsgesellschaft" erkennen wolle, den solle zumindest der "demographische Irrsinn" aufschrecken, so Riehl.

In Deutschland seien im Jahr 2002 nur noch 720.000 Kinder geboren worden. Vor vierzig Jahren habe es noch doppelt so viele Geburten gegeben. "Ohne genügend Nachwuchs sind die Zukunftsaussichten nicht nur für den Sozialstaat düster, sondern für Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt", schreibt Riehl. Die hohe Kinderlosigkeit ist seiner Einschätzung nach in erster Linie Ergebnis mentaler Einstellungen. Ehe und Familie würden weniger wert geschätzt als Lebensstile, die Erfolg im Beruf und Ungebundenheit im Privatleben verhießen. Deutschland brauche einen Mentalitätswechsel pro Ehe, Familie und Kinder.

(mehr dazu: www.wiesbadener-tagblatt.de)

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PID ist "lebensbedrohlich": Malteser Hilfsdienst kämpft gegen Diskriminierung

Köln (ALfA). Der Malteser Hilfsdienst hat auf die sinkende Akzeptanz gegenüber ungeborenen Kindern mit Behinderungen aufmerksam gemacht. Das meldet die "Tagesschau" (3. Dezember). "Es ist erschreckend, dass sich ein Klima breit macht, in dem das Austragen potenziell behinderter Kinder beinahe als Verstoss gegen "gute Sitten" und als "unverantwortliches Handeln" gebrandmarkt wird", zitiert die "Tagesschau" den Präsidenten der Organisation, Johannes Freiherr Heereman.

Es reiche nicht, dass Politik und Gesellschaft sich bestätigen, welche Fortschritte mit sozialpolitischen Massnahmen zur Gleichstellung Behinderter gemacht worden seien, heisst es in einer Pressemitteilung (2. Dezember) des Malteser Hilfsdienstes anlässlich des Internationalen Tages der Behinderten. "Wir erfüllen damit nur Selbstverständliches", so Heereman. Aus der Politik kämen Signale, die Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen und auch die Gesellschaft beunruhigen müssten. "Was nutzt ein Recht auf bevorzugt vergebene Arbeitsplätze, wenn die "positive Eugenik" der Präimplantationsdiagnostik (PID) oder aber Spätabtreibungen wegen "Unzumutbarkeit" eines potentiell behinderten Kindes den Menschen mit Behinderung die Möglichkeit auf Leben schon vor ihrer Geburt absprechen? Das ist Diskriminierung im frühest möglichen Stadium!", so der Präsident der Malteser. Weit wichtiger als alle gesetzgeberischen Aktionen seien Impulse aus der Politik, die den Eltern behinderter Kinder und den Menschen mit Behinderung den Rechtfertigungsdruck für das Dasein und Anderssein nähmen. Dieser Bewusstseinswandel sei aber nur möglich, wenn für die Politik die Unantastbarkeit des Menschenwürde und das uneingeschränkte Lebensrecht außer Frage stünden. Heereman: "Die Empfehlung des Nationalen Ethikrates, PID in Deutschland zu genehmigen und die jüngst von der Bundesjustizministerin Brigitte Zypries entfachte Diskussion über die Einschränkung des Lebensrechts für Embryonen sind "lebensbedrohlich"!"

Menschen mit Behinderung bereicherten die Gesellschaft. Sie relativierten die Maßstäbe des "sinnvollen und nichtsinnvollen" Lebens in der Gemeinschaft. "Wir Malteser werden uns gegen jede Relativierung der Menschenwürde stellen und immer für Menschen mit Behinderung da sein", sagte Heereman.

(mehr dazu: www.tagesschau.de; www.malteser.de)

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Aufruhr in Frankreich: "Fahrlässige Abtreibung" als neues Delikt

Paris (ALfA). Das neue Delikt der "fahrlässigen Abtreibung" hat in Frankreich eine heftige Debatte ausgelöst. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 28. November). Am 27. November habe die Pariser Nationalversammlung eine Neuregelung verabschiedet, nach der eine fahrlässige vorgeburtliche Kindstötung mit einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro geahndet werde. Laut dem "Ärzteblatt" will die konservative Regierungspartei UMP damit vor allem Schuldige von Unfällen bestrafen, bei denen Schwangere ihre ungeborenen Kinder verlieren. Die Opposition sehe dagegen die Recht der Frauen beschnitten, da durch die Neuregelung indirekt dem ungeborenen Kind ein eigener rechtlicher Status zugestanden werde.

Politiker der Linksparteien warfen der regierenden UMP von Premierminister Jean-Pierre Raffarin vor, sie wolle die 1975 eingeführte liberale Abtreibungsgesetzgebung mit der Neuregelung aushöhlen. So sehe die sozialistische Abgeordnete Catherine Genisson "das Recht der Frauen beeinträchtigt, über die Mutterschaft zu bestimmen", zitiert das Blatt die Politikerin. Ihr Fraktionskollege Jean-Yves Bouillonnec kritisiere, dass das ungeborene Kind einen neuen juristischen Status erhalte. Daraus könnten in Zukunft Rückschlüsse auf das Abtreibungsrecht gezogen werden. Hunderte Abtreibungsbefürworter hätten vor der Pariser Börse demonstriert.

Als höchstes französisches Strafgericht hatte das Pariser Kassationsgericht vor zwei Jahren festgelegt, dass ein Ungeborenes nicht als Person betrachtet werden könne, so dass der fahrlässig verursachte Tod nicht als Totschlag zu beurteilen sei. Ursprünglich hätte das Delikt "fahrlässige Abtreibung" in einem Gesetz zur Verkehrssicherheit verankert werden sollen. Dagegen habe sich jedoch die zweite Parlamentskammer, der Pariser Senat, gesperrt. Inzwischen sei der neue Straftatbestand Teil eines Gesetzespaket von Justizminister Dominique Perben zur Schwerkriminalität. Außer auf Verkehrsteilnehmer soll das Delikt unter anderem auch auf Ärzte und medizinisches Personal anwendbar sein, so das "Ärzteblatt". Im Januar solle der Pariser Senat erneut darüber beraten.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Spätabtreibung wegen Hasenscharte? Britisches Gericht ordnet Untersuchung an

London (ALfA). Ein hohes britisches Gericht hat eine polizeiliche Untersuchung einer Spätabtreibung wegen angeblicher "schwerer Behinderung" angeordnet. Das melden die katholische Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 4. Dezember) und die "Ärztezeitung" (Online-Ausgabe vom 4. Dezember). Damit habe der High Court in London der Klage der anglikanischen Pfarrerin Joana Jepson stattgegeben, die zuvor erklärt hätte, als Grund für die Abtreibung in der 24. Woche sei ein Hasenscharte angegeben worden. Die selbst mit einer Hasenscharte geborene Pfarrerin habe den Fall bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Diese hätte den Vorgang aber nach Beratungen mit einem Gynäkologen nicht weiter verfolgt.

Laut der Zeitungen erlauben die derzeitigen Abtreibungsbestimmungen in Großbritannien eine Abtreibung nach der 24. Schwangerschaftswoche, sollte das ungeborene Kind eine "schwere Behinderung" aufweisen. Allerdings lasse der Gesetzgeber offen, was unter einer "schweren Behinderung" zu verstehen sei. Joana Jepson wolle nun erreichen, dass der Gesetzgeber den Begriff "schwere Behinderung" genauer definiert.

Britische Ärzte beobachten den Streit mit großem Interesse, so die "Ärztezeitung". Den Ärzten aus der Grafschaft Herefordshire, die die Abtreibung vorgenommen hätten, drohe unter Umständen eine Gefängnisstrafe. Der Berufsverband der Gynäkologen, Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, habe das Durchführen dieser Spätabtreibung ausdrücklich unterstützt.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de; www.aerztezeitung.de)

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Kampf um Abtreibung auf den Färoerinseln: Politiker will Zahl von 50 auf 10 senken

Torshavn (ALfA). Auf den Färöerinseln ist ein politischer Streit um eine strengere Anwendung des alten dänischen Abtreibungsgesetzes ausgebrochen. Das berichten der "Kurier" sowie die "Tiroler Tageszeitung" (Ausgaben vom 1. Dezember). Das 1956 entstandene Gesetz erlaube eine Abtreibung nur nach einer Vergewaltigung, oder wenn die Frau Gefahr läuft, bei der Geburt zu sterben. Lokalen Medienberichten zufolge habe der "Gesundheitsminister" in der Regionalregierung, der Zentrumspolitiker Bill Justinussen, eine strenge Einhaltung des Verbots eingefordert. Jährlich würden auf den 46.000 Einwohner zählenden Inseln 50 vorgeburtliche Kindstötungen vorgenommen. Dies zeuge davon, dass viel zu viele Frauen die Ausnahmeregelungen in Anspruch nähmen, so Justinussen. Er wolle diese Zahl auf zehn senken. Nachdruck habe der Politiker seiner Forderung verliehen, als er die Gemeindebehörden der Inseln in einem Rundbrief dazu aufforderte, Abtreibungsanträge zukünftig strenger zu prüfen. In vielen Gemeinden herrsche nun Empörung, da der Brief als inakzeptabler Eingriff in die kommunalen Entscheidungsbefugnisse gewertet werde.

Scharfe Kritik kam von der linken Opposition, so die Zeitungen weiter. Justinussens Aktion sei ein "fundamentalistischer Angriff auf das Recht der färöischen Frauen auf Schwangerschaftsabbruch", zitieren die Zeitungen den Gesundheitssprecher Kamal Qureshi. Er habe angekündigt, den dänischen Gesundheitsminister Lars Loekke Rasmussen in den Streit einzuschalten. Auch der republikanische Politiker Thorbjörn Jakobsen, einer der zwei färöischen Abgeordneten im Parlament in Kopenhagen, habe es für problematisch bezeichnet, "dass wir so eine fundamentalistische Partei in der Landesregierung haben."

(mehr dazu: www.kurier.de; http://news.tirol.com)

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Erzbischof Dyba posthum geehrt: Preisgeld geht an ALfA und "Mütter in Not"

Berlin (ALfA). Die Internationale Stiftung Humanum hat dem im Jahr 2000 verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba (Fulda) posthum den Augustin-Bea-Preis verliehen. Das meldet die katholische Zeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 29. November). Begründet habe der Präsident der Stiftung, der in Trier lehrende Professor für Christliche Sozialwissenschaft Wolfgang Ockenfels, die Ehrung damit, dass "sich dieser Bischof wie kein anderer für die Würde und das Recht des menschlichen Lebens, des geborenen wie des ungeborenen, eingesetzt hat." Sein "freimütig offenes Wort" sei keiner political correctness, sondern stets der Wahrheit verpflichtet gewesen, gibt "Die Tagespost" Ockenfels wieder.

Die Schwester des verstorbenen Bischofs, Barbara Dyba-Roth, habe den mit 25.000 Euro dotierten Preis entgegengenommen und ihn an zwei Institutionen weitergeleitet: an die "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA) sowie an die Fuldaer Initiative "Mütter in Not", die Dyba selber gegründet hatte, als er 1993 mit seinem Bistum aus dem staatlichen Beratungssystem ausstieg. Wie das Blatt weiter berichtet, bat der Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe (CDU) in seiner Laudatio, das Werk des prophetischen Erzbischofs fortzuführen. Auch heute erfordere der Lebensschutz "nicht zuletzt auf europäischer Ebene" Klarheit in der Sprache und die Schärfung des Rechtsbewusstseins.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)


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