ALfA-Newsletter vom 09.05.2003

News

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Ethik und Recht: ALfA begrüßt Arbeitsprogramm der neuen Enquetekommission

Berlin (ALfA). Die neue Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" hat sich am 5. Mai konstituiert. Das berichten unter anderen die "Welt" (Ausgabe vom 5. Mai), die "Frankfurter Rundschau" (Ausgabe vom 6. Mai), die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgabe vom 6. Mai) sowie das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 5. Mai). Die Kommission ist ein Beratergremium für den Bundestag und hat die Aufgabe, komplexe wissenschaftliche und moralische Sachverhalte so aufzuarbeiten, dass die Abgeordneten möglichst verantwortungsvolle Entscheidungen treffen können.

Anders als die Vorgängerkommission führt die Kommission diesmal die Bezeichnung "Ethik" vor dem Wort "Recht". Auch der Arbeitsauftrag ist anders gewichtet. Ging es in der vergangenen Legislaturperiode vor allem um die Reproduktionsmedizin, so sind die laut dem Einsetzungsbeschluss jetzt anstehenden Fragen nicht alle in gleichem Masse ethisch umstritten, wenn etwa die "medizinischen Perspektiven der Nanobiotechnologie" oder die Möglichkeiten der "Pflanzengenomik zur Produktion pharmazeutischer Wirkstoffe und deren Auswirkungen auf den Menschen" diskutiert werden. Brisant dagegen dürfte die Debatte um das Thema Sterbehilfe werden.

Laut dem "Deutschen Ärzteblatt" begrüßte die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, Claudia Kaminski, die Neuauflage des Expertengremiums, um den Gesetzgeber vor biopolitischen Entscheidungen zu beraten. Es sei wichtig, dass im Arbeitsprogramm Themen wie Organtransplantation, Lebendspende oder Euthanasie eine besondere Bedeutung zukomme. Kaminski forderte, auch bereits behandelte Themen müssten notfalls eine Rolle spielen, falls etwa die FDP einen Antrag auf Zulassung der in Deutschland verbotenen Präimplantationsdiagnostik einbrächte, so das "Deutsche Ärzteblatt".

(mehr dazu: www.welt.de; www.fr-aktuell.de; www.sueddeutsche.de; www.aerzteblatt.de)

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Röspel für "reinen Wein": "Die leidfreie Gesellschaft ist ein Trugbild"

Berlin (ALfA). Der Vorsitzende der neuen Enquete-Kommission des Bundestags, René Röspel, hat vor überzogenen Erwartungen an die Gentechnik gewarnt. In einem Interview mit den "Stuttgarter Nachrichten" (Ausgabe vom 5. Mai) sagte der SPD-Abgeordnete: "Wir werden nicht in der Lage sein, eine Gesellschaft ohne Leid zu erreichen." 95 Prozent aller Behinderungen entstünden erst nach der Geburt, etwa durch Unfall oder Krankheit. "Selbst wenn man alle gentechnischen Chancen nutzen würde, wäre dagegen letztlich nichts auszurichten. Die leidfreie Gesellschaft ist ein Trugbild", so Röspel.

In dem Interview wiederholte der Enquete-Vorsitzende seine Forderung, dass die Forschung an embryonalen Stammzellen in Deutschland unterbunden werden müsse. Aus ethischen wie aus wissenschaftlichen Gründen halte er es für richtig, sich ausschließlich auf die Forschung an adulten Stammzellen zu konzentrieren.

(mehr dazu: www.stuttgarter-nachrichten.de)

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Kein Klinikmüll: Bayern will auch die Opfer von Abtreibungen beisetzen lassen

München (ALfA). In Bayern sollen vom nächsten Jahr an alle Fehlgeburten und abgetriebenen Föten und Embryonen auf Friedhöfen beigesetzt werden. Das berichtet das "Handelsblatt" (Online-Ausgabe vom 5. Mai). Wie die CSU-Landtagsfraktion mitgeteilt habe, solle die bisher in vielen Fällen übliche Entsorgung mit dem Klinikmüll durch eine Änderung des Bayerischen Bestattungsgesetzes unmöglich gemacht werden.

Die bisherige Regelung werde der Würde des menschlichen Lebens nicht gerecht, so die stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende Ingrid Fickler. Wenn Fehlgeburten und Föten mit dem Klinikmüll entsorgt würden, sei nicht einmal auszuschließen, dass sie mit den Abfällen zum Bau von Lärmschutzwänden gebraucht würden. Wenn die Eltern nach einer Fehlgeburt oder Abtreibung keine Bestattung wünschten, solle eine Beisetzung auf einem anonymen Gräberfeld die Regel werden.

(mehr dazu: www.handelsblatt.com)

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Wo ist da der Markt? Spermien aus Stammzellen gezüchtet

Tokio (ALfA). Japanische Forscher haben Spermien aus embryonalen Stammzellen von Mäusen gezüchtet. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" (Ausgabe vom 10. Mai). Ein Team um Toshiaki Noce vom Mitsubishi-Kasei-Institut in Tokio habe aus embryonalen Stammzellen Vorstufen von Keimzellen gewonnen und diese ins Hodengewebe von Mäusen gepflanzt, so das Magazin. Diese Zellen seien innerhalb von drei Monaten zu normal aussehenden Spermien herangereift. Jetzt sei zu untersuchen, ob mit den aus Stammzellen gewonnenen Spermien und Eizellen gesunde Mäusejunge gezeugt werden könnten.

Erst vergangene Woche hatte der deutsche Forscher Hans Schöler an der University of Pennsylvania mitgeteilt, dass es ihm gelungen sei, embryonale Maus-Stammzellen in Eizellen umzuwandeln (vgl. ALfA-Newsletter vom 2. Mai). Gelängen beide Verfahren auch beim Menschen, hätte das weitreichende Folgen für die Fortpflanzungsmedizin: Nicht nur Männer und Frauen, die keine Keimzellen bilden, könnten Nachwuchs im Reagenzglas zeugen. Auch schwule Paare oder sogar ein einzelner Mann könnten mithilfe einer Leihmutter Kinder haben.

(mehr dazu: www.newscientist.com)

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Babies auf Eis: In USA 400.00 Menschen eingefroren

Washington (ALfA). In den USA sind einer Studie zufolge bislang fast 400.000 menschliche Embryonen eingefroren worden, die meisten von ihnen zu Fortpflanzungszwecken. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP (8. Mai). In beinahe 90 Prozent der Fälle würden die Embryonen aufbewahrt, damit ihre Eltern später noch ein weiteres Kind bekommen könnten oder um nach einer möglichen Fehlgeburt erneut einen Embryo in die Gebärmutter der Frau einsetzen zu können, heißt es laut AFP in einer am Donnerstag veröffentlichen Studie der im US-Bundesstaat Alabama ansässigen Gesellschaft für Unterstützte Reproduktionstechnik (SART). Nur vier Prozent der Embryonen würden demnach für kinderlose Paare gestiftet oder zu Forschungszwecken freigegeben.

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ALfA: Familien stärken ist Prävention gegen die "Kultur des Todes"

Königswinter (ALfA). Die ALfA wird sich neben den Lebensschutz-Themen wie Abtreibung, Euthanasie und den immer relevanter werdenden Fragen auf dem Gebiet der Biomedizin künftig stärker als bislang auch der Familienpolitik widmen. Das meldet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 8.Mai) unter Berufung auf eine Erklärung der ALfA-Bundesvorsitzenden Dr. med. Claudia Kaminski anlässlich der Bundesdelegiertenversammlung. Hintergrund für diese thematische Erweiterung der Arbeit der ALfA sei die Tatsache, dass in intakten Familien die Bereitschaft besonders hoch sei, auch ungewollte Schwangerschaften sowie Kinder mit Behinderungen anzunehmen. Aus Sicht der ALA stelle die Stärkung von Familien daher auch eine besondere Form der Prävention gegen die weitere Ausbreitung der "Kultur des Todes" dar.

Auf der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung der ALfA (2. - 4. Mai) warnte die Eichstätter Psychologin und Heilpädagogin Consuelo Gräfin Ballestrem davor, das klassische Familienmodell für überholt zu halten. Frauen und Männer kämen dort zu voller Entfaltung, wo sie wirklich Mütter und Väter würden. Auch unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten könne die Bewertung von Familien nicht hoch genug angesetzt werden. Zwar hab man die Familien so lange schlecht geredet, dass es kein Wunder sei, dass der Sozialstaat in die Krise geraten sei, doch gebe es längst einen Trend in die entgegengesetzte Richtung. So setze sich etwa unter Personalchefs immer mehr die Einsicht durch, dass Kinder keine "Karrierekiller", sondern vielmehr "Jobturbos" seien.

Der Mainzer Volkswirt Clemens Christmann hatte zuvor einen Abbau der Benachteiligungen von Familien in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie bei der Besteuerung von Familieneinkommen gefordert.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de; www.alfa-ev.de)

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"Beratungsschutzkonzept" nicht verfassungskonform: JVL tagt in Würzburg

Würzburg (ALfA). Bei einer Tagung der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V. in Würzburg ist erneut darauf hingewiesen worden, dass das geltende Abtreibungsstrafrecht nicht mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen ist. Das berichtet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 6. Mai). Der Bonner Staatsrechtslehrer Christian Hillgruber habe betont, der Rechtsstaat müsse das, was er als "rechtswidrig, aber nicht strafbar" bezeichne, auch deutlich als Unrecht kennzeichnen. Das Bundesverfassungsgericht habe 1993 das Lebensrecht des Ungeborenen nicht abgeschafft, denn wenn es dies auch fehlerhaft unter die von ihm selbst erkannten Maßstäbe subsumiert habe, so folge daraus nicht, dass diese Maßstäbe ungültig seien. Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Verfassungsrechts und der diesem nicht gerecht werdenden Gesetzgebung und Rechtspraxis müsse offen angesprochen werden, um den eingeforderten Schutzanspruch auch durchsetzen zu können.

Ebenso wie das "Beratungsschutzkonzept" ist nach Ansicht der Experten auch die Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs zur Haftung für das (behindert geborene oder nicht erwünschte) "Kind als Schaden" nicht konform mit dem Grundgesetz. Ralph Weber, Zivilrechtsprofessor in Rostock, zeigte den Zusammenhang zur Pränataldiagnostik auf, die in einer "Spirale des Schreckens" zur Aussonderung behinderten Lebens führe. Die bisherige Rechtssprechung zwinge die Ärzte geradezu, bei ungünstigem Befund der PND zur Abtreibung zu raten, um die Existenzbedrohung durch hohe Unterhaltslasten abzuwenden. Die Würzburger Oberbürgermeister Pia Beckmann kritisierte, die Rechtssprechung grenze Behinderte aus und führe zu einem enormen psychischen Druck auf die Mutter.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de; www.juristen-vereinigung-lebensrecht.de)

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"Selektion beginnt im Kopf": CDL-Tagung zum Status des Embryos

Meschede (ALfA). Neun renommierte Experten und Wissenschaftler aus Medizin, Philosophie, Biologie, Politik, Theologie und den Rechtswissenschaften in Berlin im Rahmen des Symposiums "Der Status des Embryos" referiert, veranstaltet von den Christdemokraten für das Leben (CDL). Einig waren sich die Vortragenden, dass die Menschenwürde und der Schutz des menschlichen Lebens auch für den Embryo gelte und Richtschnur in der biopolitischen Diskussion bleiben müsse.

Dr. Manfred Lütz (Bonn) nahm den Gesundheitswahn als neue ideologische Verengung in den Blick. Die derzeitigen Entwicklungen im Bereich Klonen und PID seien besorgniserregend. Man könne klare Parallelen zur Euthanasie ziehen, so der Chefarzt und Psychotherapeut. Der Philosoph Prof. Dr. Schweidler aus Bochum stellte die Entstehung des Rechtsbegriffes "Menschenwürde" dar und leitete daraus ab, dass der Wert des Menschen in allen seinen Phasen nicht gegen andere Güter abgewogen werden dürfe. Die Menschenwürde stand ebenfalls bei dem Vortrag des Freiburger Moraltheologen Prof. Dr. Schockenhoff, Mitglied des Nationalen Ethikrates, im Mittelpunkt. Nach Schockenhoffs Definition verpflichtet die Achtung der Würde des Menschen den Staat, die Hilflosen zu schützen. Eigens aus den U.S.A. angereist, berichtete Prof. Nigel M. de S. Cameron über die U.S.-amerikanische Klondebatte. In den USA verfolge man aufmerksam und kritisch die Aktivitäten in der Bundesregierung, das Klonen zu Forschungszwecken zuzulassen. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender der Ärztevereinigung Marburger Bund, beleuchtete das Dilemma, in dem sich die Ärzte durch die Embryonenforschung befinden. Eindeutig fiel sein Plädoyer gegen PID aus, die sowohl ethisch als auch medizinisch große Probleme aufwerfe. Abschließend warnte der CDU-Landesvorsitzende von Thüringen, Dieter Althaus, mit eindeutigen und klaren Worten vor den negativen ethischen Konsequenzen der Zulassung von sog. "therapeutischem Klonen" und PID: "Die Selektion beginnt im Kopf" formulierte er und verlangte, dass es niemals erlaubt werden dürfe, "'lebenswertes' gegen ,lebensunwertes' Leben aufzurechnen."

(mehr dazu: www.cdl-online.de)


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