ALfA-Newsletter vom 10.09.2004

News

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Mehr Abtreibungen, weniger Geburten: Statistisches Bundesamt gibt Zahlen bekannt

Wiesbaden (ALfA). Der Geburtenrückgang in Deutschland ist dramatischer als bisher angenommen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bundesverband Lebensrecht (BVL) (8. September) hervor. Danach sind laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden die vorläufigen Geburtenzahlen von Januar bis Mai 2004 (283.213) um 92.450 (-24,61 Prozent) gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (375.663) zurückgegangen. Die Zahl der gemeldeten Abtreibungen ist im 1. Halbjahr dagegen nur um 15 Abtreibungen (-0,023 Prozent) von 66.417 (Januar bis Juni 2003) auf 66.402 (Januar bis Juni 2004) gesunken. "Die Zahlen belegen, welch dramatisches Ausmaß die demographische Entwicklung in Deutschland nimmt", erklärte die Vorsitzende des Bundesverband Lebensrecht, Claudia Kaminski. "Und sie verdeutlichen einmal mehr, dass es keinen Grund zum Jubel über ohnehin nur leicht sinkende absolute Abtreibungszahlen gibt. In Wahrheit wird in Deutschland immer häufiger abgetrieben."

Unterdessen hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die absoluten Abtreibungszahlen im zweiten Quartal 2004 sogar gestiegen sind. Das melden die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 8. September), "Die Welt" und das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgaben vom 7. September). Von April bis Juni 2004 wurden laut Statistischem Bundesamt 32.600 vorgeburtliche Kindstötungen gemeldet. Das sind 400 (+ 1,3 Prozent) mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Knapp drei Viertel (71 Prozent) der Frauen, die eine Abtreibung durchführen ließen, waren zwischen 18 und 35 Jahre alt, rund 6 Prozent waren minderjährig sowie 7 Prozent 40 Jahre und älter. Etwa die Hälfte der Frauen war zum Zeitpunkt der Abtreibung ledig. 98 Prozent der gemeldeten vorgeburtlichen Kindstötungen wurden nach der Beratungsregelung, nur zwei Prozent aufgrund einer medizinischen oder kriminologischen Indikation, vorgenommen. Der Anteil der Abtreibungen mit dem Präparat Mifegyne stieg von 6 Prozent im zweiten Quartal 2003 auf 7 Prozent.

(mehr dazu: www.bv-lebensrecht.de; www.faz.net; www.welt.de, www.aerzteblatt.de)

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Mit Unterstützung der EU? Abtreibungslobby will durchstarten

London (ALfA). Auf einem Treffen der Initiative "Countdown 2015", das vergangene Woche in London stattgefunden hat, haben die Teilnehmer ein weltweites Recht auf Abtreibung gefordert. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (7. September). Der Generaldirektor der International Planned Parenthood Federation (IPPF), Steven Sinding, habe auf dem Treffen erklärt, die Abtreibungsbestimmungen der Internationalen Bevölkerungskonferenz seien nicht weit genug gegangen. "Wir glauben, es ist an der Zeit, nach vorne zu gehen, um die globale Bewegung zu stärken, die es jeder Frau garantiert, überall Zugang zu einer sicheren Abtreibung zu bekommen, wenn sie diese braucht", zitiert "kath.net" Sinding.

Wie der katholische Nachrichtendienst weiter berichtet, haben die Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der es heißt, man wünsche sich eine Welt, "in der Frauen und Mädchen Zugang zu sicherer und legaler Abtreibung haben können." Die Vorsitzende der Europäischen Kommission für menschliche und soziale Entwicklung, Lieve Fransen, habe sich über die Erklärung erfreut gezeigt und angekündigt, diese Empfehlung an den europäischen Ministerrat weiterzuleiten.

(mehr dazu: www.kath.net)

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Klare Worte: Bischof nennt Abtreibung das größte Verbrechen der Geschichte

Madrid (ALfA). Der spanische Bischof Jose Gea Escolano von der Diözese Mondonedo-Ferrol hat die jüngsten Gesetzentwürfe der spanischen Regierung, nach denen vorgeburtliche Kindstötungen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten legalisiert werden sollen, harsch kritisiert. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (9. September). Escolano habe Abtreibung als das "das größte Verbrechen, das je in der Geschichte begangen wurde" bezeichnet. "Wir sprechen über Morde, Konzentrationslager, Gulags, aber tatsächlich werden Tausende und Abertausende von Kindern in den Bäuchen ihrer Mütter geopfert", zitiert "kath.net" den Bischof. "Das ist so absurd, dass es mit keinem Genozid in der Geschichte verglichen werden kann", so der Bischof laut katholischem Nachrichtendienst.

(mehr dazu: www.kath.net)

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Clement fordert: "Stammzellforschung in Deutschland unbegrenzt zulassen"

Berlin (ALfA). Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat gefordert, die Stammzellforschung in Deutschland ohne Einschränkungen zu erlauben. Das berichten "Die Zeit", die "Wirtschaftswoche" (Online-Ausgaben vom 9. September) und "Reuters" (9. September). "Es geht aber, und das sage ich ganz persönlich, auch beispielsweise darum, dass wir die Stammzellforschung in Deutschland unbegrenzt zulassen müssen, aus meiner Sicht", zitiert "Reuters" den Bundeswirtschaftsminister. Man werde Forschung in der Bio- und Gentechnologie nur haben, wenn man in Deutschland auch die Chance zur Anwendung der Ergebnisse lasse. "Die Bremsen müssen auch weg, wo es in Deutschland um Forschung, Entwicklung und auch um die Anwendung der Ergebnisse der Forschung in Deutschland geht", so Clement laut der Zeitungen.

Wie "Reuters" weiter berichtet, hat ein Sprecher des Bundesforschungsministeriums unterdessen erklärt, im Stammzellbereich werde derzeit erst Grundlagenforschung betrieben, für die die geltenden gesetzlichen Regelungen ausreichend seien. Erst wenn die Forschung sich mit der Anwendung für konkrete Krankheitstherapien beschäftige, könne über die gesetzlichen Grundlagen debattiert werden.

Laut der "Zeit" unterstrich Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung, Entwicklung, Innovation beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), dass für die Industrie "embryonale Stammzellen derzeit noch kein Thema" seien. "Wir denken, dass wir zunächst das Potenzial von adulten Stammzellen erforschen sollen", zitiert "Die Zeit" Throm.

Auch CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel, Sprecher der CDU/CSU-Fraktion in der Enquetekommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", hat eine stärkere Förderung der "viel versprechenden und ethisch unproblematischen Forschung mit adulten Stammzellen" gefordert. In einer Mitteilung an die Presse (10. September) erklärte er, es sei "unverständlich, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nun Bundeskanzler Schröder das Wort redet und eine unbegrenzte Zulassung der embryonalen Stammzellforschung fordert." Erst vor kurzem habe die Bundesregierung in ihrem Stammzellbericht bestätigt, dass sich das Stammzellgesetz bewährt hat. "Der gefundene Kompromiss zur embryonalen Stammzellforschung sollte nicht in Frage gestellt werden", so Rachel weiter. Die rechtlichen Bedingungen, unter denen in Deutschland geforscht werden kann, seien ausreichend. "Es gibt keinen Grund für eine Liberalisierung der Forschung in diesem Bereich."

(mehr dazu: www.reuters.de; www.zeit.de; www.wiwo.de)

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Her mit den frischen Embryonen: Hescheler droht mit Abwanderung

Köln (ALfA). Der Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler hat vehement eine Lockerung des deutschen Embryonenschutzgesetzes gefordert. Das meldet das ZDF (6. September). "Wir brauchen dringend neue humane embryonale Stammzelllinien, die wir aber auf Grund der deutschen Gesetzlage nicht über therapeutisches Klonen gewinnen dürfen. Und neue Zellen aus dem Ausland dürfen wir ebenfalls nicht importieren", zitiert der Fernsehsender auf seinen Internetseiten den Stammzellforscher.

Wie das ZDF weiter berichtet, prognostizierte Hescheler, dass die deutsche embryonale Stammzellforschung mittelfristig nicht überlebensfähig sei, wenn nicht das Importverbot von embryonalen Stammzellen gelockert oder das Klonverbot zu Forschungszwecken aufgehoben werde. "In der Stammzellforschung waren wir vor 15 Jahren top, wir waren die ersten weltweit und hätten das auch bleiben können. Unseren Vorsprung haben wir immer weiter verloren, wir wurden überholt von den USA, Isräl, England und Schweden", zitiert das ZDF den Stammzellforscher. Viele Forscher seien bereits abgewandert. Auch er denke darüber nach, ins Ausland zu gehen. "Ich habe Angebote aus verschiedenen Ländern und bin auch gefragt worden, ob ich im englischen Newcastle im Zentrum für Therapeutisches Klonen arbeiten will - und ich werde es mir überlegen", so der Kölner Wissenschaftler laut dem ZDF.

Hescheler habe betont, dass die Bundesregierung keine Zeit verlieren dürfe. "Ich muss die Weichen stellen, in der Wissenschaft wird langfristig geplant. Es steckt auch viel Geld in der Forschung, und viele Wissenschaftler-Karrieren hängen von ihr ab", zitiert das ZDF Hescheler.

(mehr dazu: www.zdf.de)

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Katholische Ärzte: Euthanasie erschüttert Gesellschaft in Grundfesten

Rom (ALfA). Der Internationale Verband von Katholischen Ärztlichen Genossenschaften (FIAMC - Federation Internationale des Associations Medicales) hat die niederländische Euthanasie-Praxis scharf gegeißelt. Das berichtet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (7. September). Die Ärzte hätten in einer Stellungnahme vor allem die dem Universitätskrankenhaus Groningen erteilte Genehmigung kritisiert, der zufolge auch bei Kindern unter zwölf Jahren Euthanasie angewendet werden darf. Dies sei ein weiterer Schritt in Richtung einer Gesellschaft, in der das Leben nicht respektiert wird, so die Ärzte. Diese Genehmigung erschüttere "unser gesellschaftliches Zusammenleben erneut in den Grundfesten."

Weiter heißt es laut "kath.net" in der Erklärung: "Während man offiziell darum bemüht ist, dem "unerträglichen Leid" ein Ende zu setzen, gestattet man in Wirklichkeit die Tötung eines Menschen ohne dessen Einwilligung." Dies geschehe in einer Gesellschaft wie der holländischen, in der Euthanasie an Erwachsenen legal durchgeführt werde und dies sogar an Patienten, die an Depressionen leiden und wo es bereits, wie offizielle Studien zeigen, illegale von praktischen Ärzten durchgeführte Fälle von Euthanasie gebe, die toleriert würden. "Diese Entscheidung sieht in Situationen, in denen die moderne Palliativmedizin angewendet werden könnte, eine Todeslösung vor", zitiert "kath.net" aus der Erklärung.

Auch wecke diese Entscheidung bei den Ärzten "den Verdacht auf ein finanzielles Interesse der staatlichen Behörden, da sie die "Bürde" einer langfristigen und teuren Versorgung unter Klinikbedingungen verringert, gegenüber der jede Verlängerung der Lebenszeit bedeutungslos erscheint", zitiert "kath.net" die Ärzte. Besonders besorgniserregend sei, dass die Entscheidung "landesweit der Anwendung des "Gnadentods" bei geistig behinderten Menschen Tür und Tor öffnet, die dann ohne deren Einwilligung auf der Basis einer externen Beurteilung ihrer Lebensqualität beseitigt werden."

In ihrer Stellungnahme fordert die FIAMC laut "kath.net" die "dem hippokratischen Eid verpflichteten Mediziner auf, ihre moralische Verpflichtung zu erkennen, sich dieser Tendenz entgegenzustellen, die Schritt für Schritt erlaubt, dass die staatlichen Behörden Entscheidungen darüber treffen können, welches Leben es wert ist, gelebt zu werden."

(mehr dazu: www.kath.net)

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Deutsche Hospiz Stiftung kritisiert: Propaganda-Film für Euthanasie bei Filmfestival

Venedig (ALfA). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat den im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig gezeigten Film "Mar adentro" als unrealistische Propaganda für Euthanasie kritisiert. Das melden die "Kölnische Rundschau" sowie "Der Standard" (Ausgaben vom 10. September). Laut der Stiftung geht die filmische Darstellung eines glänzend versorgten Gelähmten mit Todeswunsch an der Realität vorbei.

In "Mar adentro" erzählt der aus Chile stammende Regisseur Alejandro Amenabar die Geschichte eines spanischen Seemannes, der seit 30 Jahren querschnittsgelähmt ist. Vom Hals abwärts gelähmt, träumt der Todessehnsüchtige von der Vergangenheit. Schließlich stirbt er qualvoll, nachdem er Gift genommen hat.

Wie die Zeitungen weiter berichten, hat Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung, betont: "Wer so gut versorgt wird, wie der Seemann Ramon in dem Film, will nicht sterben." Euthanasie forderten Menschen ein, die keine professionelle umfassende Begleitung bekommen. "Warum plädiert kein Film für eine bessere Begleitung und Versorgung für Schwerstkranke und Sterbende? Ist das nicht dramatisch genug und zu normal?", zitieren die Zeitungen Brysch.

(mehr dazu: www.rundschau-online.de; http://derstandard.at)


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