ALfA-Newsletter vom 11.07.2003

News

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EU-Kommission hat sich entschieden: Embryonen-Tötungen sollen finanziert werden

Brüssel (ALfA). Die EU-Kommission will die Forschung an embryonalen Stammzellen mit einer Milliardensumme fördern. Das berichten unter anderem die "Süddeutsche Zeitung", "Die Welt", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sowie die "Financial Times Deutschland" (Ausgaben vom 10. Juli). Wie die EU-Kommission am 9. Juli beschlossen hat, sollen Forschungsvorhaben aus Steuergeldern der EU-Mitgliedstaaten finanziert werden können, bei denen nicht mehr benötigte Embryonen aus künstlichen Befruchtungen, die vor dem 27. Juni 2002 eingefroren wurden, zu Forschungszwecken zerstört werden, um aus ihnen Stammzellen zu gewinnen.

Diese Regelung soll nach Willen der Kommission an einige Auflagen gebunden werden. So ist eine Genehmigung nur möglich, wenn es keine Alternative zur Gewinnung von Stammzellen gibt. Außerdem müsse eine Erlaubnis der Eltern des Embryos eingeholt werden. Nach Schätzungen in Brüssel befinden sich derzeit hunderttausende von Embryonen eingefroren in den Labors von Medizinern und Wissenschaftlern.

Anders als die deutsche Stichtagregelung bezieht sich der Kommissionsvorschlag auf Embryonen, nicht auf Stammzellen bereits getöteter Embryonen. Der Vorschlag der EU-Kommission ermöglicht es also, die vor dem 27. Juni 2002 eingefrorenen Embryonen auch heute noch zu Forschungszwecken zu töten. In Deutschland darf nur an Stammzelllinien geforscht werden, die schon vor dem 1. Januar 2002 existiert haben.

Die 15 EU-Mitgliedsstaaten sind in der Frage der Embryonenforschung gespalten. In fünf Ländern dürfen Stammzellen aus Embryonen gewonnen werden, die nach einer künstlichen Befruchtung nicht mehr benötigt werden. Das Verfahren erlauben Finnland, Griechenland, Großbritannien, die Niederlande und Schweden. Sechs Länder verbieten diese Forschung mit überzähligen Embryonen ausdrücklich: Außer Deutschland sind das Österreich, Dänemark, Frankreich, Irland und Spanien. In Belgien, Italien, Luxemburg und Portugal gibt es noch keine spezifischen Vorschriften zur Embryonen- und Stammzellforschung, die parlamentarische Diskussion ist allerdings in vollem Gang.

Der Vorschlag von Forschungskommissar Busquin, der auch in der Kommission lange und heftig diskutiert wurde, wird als nächstes dem Parlament vorgelegt, das allerdings in dieser Entscheidung nur beratend tätig ist. Das letzte Wort haben die EU-Regierungen, die bis zum Jahresende entscheiden sollen.

(mehr dazu: www.sueddeutsche.de; www.welt.de; www.faz.net; www.ftd.de)

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Reaktionen: "Inakzeptabel", "verheerend", "skandalös", "ein guter Tag für Europa"

Brüssel (ALfA). Die Entscheidung der EU-Kommission zur Forschung an embryonalen Stammzellen ist in Deutschland auf breite Kritik gestoßen. Das berichtet unter anderen "Die Welt" (Ausgabe vom 11. Juli). Die Bundesregierung will laut der Zeitungsmeldung die beschlossene Regelung im EU-Ministerrat noch kippen. Es sei beispiellos, dass die Kommission Projekte unterstützten wolle, die gegen das geltende Recht in einzelnen EU-Staaten verstoße, gibt das Blatt Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, wieder. Deutschland werde gemeinsam mit Österreich seine Position vorbringen. Potentielle Verbündete seien auch Italien, Spanien, Portugal und Irland.

Die bayerische Staatsregierung will nach Angaben der "Welt" mit einer Bundesratsinitiative gegen die Brüsseler Bestrebungen vorgehen. Gesundheitsminister Eberhard Sinner (CSU) halte die Förderung der verbrauchenden Embryonenforschung für "ethisch nicht vertretbar". Bei Embryonen handele es sich um menschliches Leben. "Jede Tötung oder die Bereitstellung für Forschungszwecke widersprechen allen ethischen Grundsätzen", zitiert das Blatt den Politiker. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Maria Böhmer, habe den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Stichtag als "nicht akzeptabel" bezeichnet. "Ein Stichtag zur Herstellung von Embryonen steht im Widerspruch zu der entscheidenden Forderung Deutschlands, keine verbrauchende Embryonenforschung zu fördern." Tausende Embryonen seien schon vor dem vorgeschlagenen Stichtag produziert worden. Allein in Frankreich lagerten 70.000 bis 80.000 Embryonen in den Kühlhäusern. "Weit mehr dürften es in Belgien und Großbritannien sein. Diese wären alle für die Tötung freigegeben", zitiert das Blatt Böhmer. Gleichzeitig habe der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Bosbach davor gewarnt, das deutsche Gesetz zu lockern. Notfalls müsse Deutschland Konflikte mit der EU in Kauf nehmen.

Der Vorsitzende der Enquetekommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Rene Röspel (SPD), hätte es laut der "Welt" für die beste Lösung gehalten, die Regelung der Stammzellforschung den einzelnen Mitgliedstaaten zu überlassen. Wenn allerdings eine Stichtagsregelung eingeführt werde, sollte sie sich nicht wie von der EU-Kommission beschlossen auf die vorhandenen Embryonen, sondern wie in Deutschland auf die bereits existierenden Zelllinien beziehen.

Der CDU-Politiker und stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission, Hubert Hüppe, bezeichnete in einer Mitteilung an die Presse die Entscheidung der EU-Kommission als ein "verheerendes Signal". Die Kommission verkenne, dass ihr in diesem sensiblen Bereich der Bioethik, der Strafrecht und Verfassungsgrundsätze von Mitgliedstaaten berühre, keine Richtlinienkompetenz zustehe. Der Beschluss sei nicht hinnehmbar. "Die Kommissionsentscheidung belastet das Zusammenwachsen Europas und schürt Befürchtungen, dass auch in Zukunft Einigung nur auf dem niedrigsten ethischen Niveau stattfinden könnte", so der CDU-Politiker.

"Dieser Vorschlag der EU-Kommission darf so nicht angenommen werden", fordert auch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bioethik der größten Fraktion im Europäischen Parlament, der CDU-Politiker Peter Liese. Einen Stichtag für Embryonen festzulegen, sei eine "Täuschung" und kein Zugeständnis an die Kritiker der Forschung an embryonalen Stammzellen. "Jedes Beispiel hinkt, aber man kann die Position der EU-Kommission damit vergleichen, dass man entscheidet, Menschen, die vor einem bestimmten Stichtag geboren wurden zum Zwecke der Gewinnung von Organen zu töten, Menschen, die nach diesem Stichtag geboren wurden, jedoch nicht."

Auch die Bundesärztekammer hat die Pläne der EU-Kommission scharf kritisiert. Das meldet die "Deutsche Presseagentur" (dpa) (9. Juli). Die Absicht, die Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen finanziell zu fördern, sei skandalös. "Hier werden die ethischen Bedenken gegen eine Forschung, die menschliches Leben verbraucht, völlig ignoriert", habe die Ärztekammer erklärt. Auch würden "leichtfertig unrealistische Heilsversprechungen" mit der embryonalen Stammzellforschung verbunden. Gegenüber der "Katholischen Nachrichtenagentur" (KNA) sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Otmar Kloiber, das einzige, was mit dem Thema embryonale Stammzellen erfolgreich behandelt worden sei, seien die Börsenkurse der beteiligten Firmen.

Zufrieden mit der Entscheidung der EU-Kommission hat sich dagegen die CDU-Politikerin Katherina Reiche gezeigt. "Heute ist ein guter Tag für die Forschung in Europa", teilte sie der Presse mit. Mit dieser Entscheidung sei den europäischen Forschern der Rücken gestärkt und die Chancen im Kampf gegen schwerwiegende Krankheiten erhöht worden. "Es ist ein Gebot des Lebensschutzes und der Menschenwürde, die medizinische Forschung nach Kräften zu unterstützen", so Reiche. In Deutschland müsse akzeptiert werden, dass in Europa unterschiedliche rechtliche, ethisch moralische und religiöse Auffassungen im Umgang mit Embryonen existierten. Ethik müsse immer offen sein für das Neue, Fremde und Selbstkritische.

Auch der CDU-Europapolitiker Peter Hintze begrüßte die Entscheidung als "richtig und klug". Zugleich forderte er eine Aufhebung des deutschen Stammzellgesetzes, das mit seiner festen Stichtagsregelung ethisch und verfassungsrechtlich "zumindest problematisch" sei. Im Deutschlandfunk nannte es Hintze ein Gebot der Menschenwürde, befruchtete Eizellen, die nicht zur Fortpflanzung genutzt würden, zur Stammzellforschung freizugeben.

(mehr dazu: www.welt.de)

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Abtreibung light: "Pille danach" in Deutschland bald rezeptfrei?

Berlin (ALfA). Laut Empfehlung des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht kann die "Pille danach" rezeptfrei verkauft werden. Das berichtet "die tageszeitung" (Ausgabe vom 8.7.2003). Dies entspräche der Praxis in vielen EU-Ländern. Der empfohlene Wechsel in die Verschreibungsfreiheit gründe vor allem auf der Annahme, dass die jüngste Generation der "Pille danach" medizinisch praktisch unbedenklich sei. "Der Hormonhaushalt wird nur kurzfristig geringfügig beeinflusst", zitiert das Blatt Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm).

Damit die Empfehlung umgesetzt werde, bedürfe es einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die vom Bundesrat gebilligt werden müsse, so die taz. In den meisten Fällen schlössen sich die Beamten den Experten an. Der Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums, Christoph Spindler, habe allerdings gefordert, dass "noch eine Reihe von Fragen geklärt" werden müssten, etwa, ob Frauen das Präparat ohne ärztliche Beratung sicher benutzen könnten. "Hier spielt auch der Aspekt Lebensschutz eine Rolle", zitiert die taz Spindler. Pro Familia teile diese Bedenken nicht und "würde die Freigabe sehr begrüßen", so die Sprecherin Regine Wlassistausch. "Mit Lebensschutz hat die "Pille danach" schon deshalb nichts zu tun, weil es sich bei ihrer Verwendung nicht um eine Abtreibung handelt."

Das Präparat soll zwölf bis 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden und verhindert die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter.

(mehr dazu: www.taz.de)

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"Norbert! mir graut s vor dir": Forscher stellen menschliche Chimären her

Madrid (ALfA). Amerikanische Wissenschaftler haben menschliche Embryonen geschaffen, die halb weiblich und halb männlich sind. Das berichten "Die Welt" (Ausgabe vom 4. Juli) und die britische Tageszeitung "The Guardian" (Ausgabe vom 3. Juli). Die auf der Konferenz der europäischen Gesellschaft für menschliche Fortpflanzung und Embryologie (ESHRE) in Madrid vorgestellte Studie sei von einem Forscherteam um Norbert Gleicher am Center of Human Reproduction in Chicago und New York durchgeführt worden.

Im Rahmen des Projektes hätten die Wissenschaftler 21 drei Tage alten weiblichen Embryonen bis zu je drei männliche Zellen männlicher Embryonen injektiert. 12 dieser Chimären hätten sich normal entwickelt. Dabei sei festgestellt worden, dass sich die männlichen Zellen über den gesamten Embryo verteilten. Anhand des Y-Chromosoms hätte man sie leicht unterscheiden können. Nach sechs Tagen seien die Embryonen getötet worden, so die Zeitungen. Norbert Gleicher habe erklärt, man hätte mit dieser Arbeit das Prinzip der Zelltransplantation überprüfen wollen - mit einem positiven Ergebnis. Denn mit Hilfe dieser Technik könnten Paare in Zukunft gesunde Kinder bekommen, obwohl sie vielleicht ein Risiko für eine Erbkrankheit besäßen, die durch ein Gen verursacht werde. Gesunde Zellen sollten dann die Funktion krankhaft veränderter Zellen in einem Embryo übernehmen. Noch sei die Methode aber nicht reif für die klinische Anwendung, so der Forscher.

(mehr dazu: www.welt.de; www.guradian.co.uk)

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Die Gnade des früh Geborenen: Watson hätte kranken Sohn abtreiben lassen

New York (ALfA). Der Nobelpreisträger und Entdecker der DNA, James Watson, hätte seinen an Epilepsie leidenden Sohn abtreiben lassen, wenn damals bei der vorgeburtlichen Diagnostik die Krankheit hätte festgestellt werden können. Das berichtet die australische Tageszeitung "The Age" (Ausgabe vom 6. Juli). "Jedes Mal, wenn man verhindern kann, dass ein krankes Kind geboren wird, ist das für alle gut", zitiert die Zeitung Watson.

Auch wenn festgestellt werden könnte, dass das ungeborene Kind etwa eine genetische Veranlagung zur Homosexualität habe, wäre eine Abtreibung akzeptabel. "Wenn die Eltern das wollen, sollten wir sie lassen. Meine Frau möchte wirklich Enkelkinder", so der Nobelpreisträger.

(mehr dazu: www.theage.com.au)

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"Sieg für das Leben": Nordirische Abtreibungsgesetzgebung von Gericht bestätigt

Belfast (ALfA). In Nordirland bleiben Abtreibungen auch weiterhin bis auf Ausnahmefälle illegal. Das melden das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 9. Juli) sowie "BBC News" (Online-Ausgabe vom 7. Juli). Wie der High Court in Belfast entschieden habe, verstößen Abtreibungen gegen die Gesetze Nordirlands und blieben damit weiterhin nur in Ausnahmefällen erlaubt. Eine Patientin habe nur dann das Recht, ihre Schwangerschaft abzubrechen, wenn ihr eigenes Leben oder ihre psychische Gesundheit durch die Geburt gefährdet seien, heiße es im Richterspruch, so das "Deutsche Ärzteblatt".

Damit bleibe Abtreibung de facto illegal. Abtreibungsgegner hätten das Urteil begrüßt. "Das ist ein Sieg für das ungeborene Leben", zitieren die Zeitungen Liam Gibson von der Aktionsgemeinschaft "Society for the Protection of the Unborn Child" in Belfast. Laut der Blätter sei die nordirische Ärzteschaft beim Thema Abtreibung gespalten. Berufsverbände würden seit Jahren auf den "Abtreibungstourismus" von Nordirland nach Großbritannien hinweisen. Zwischen 1997 und 2002 seien rund 8.000 Frauen für eine vorgeburtliche Kindstötung von Nordirland ins Nachbarland gereist.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de; www.news.bbc.co.uk)

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"Das Wunder von Arkansas": Mann nach 19 Jahren aus dem Koma erwacht

Stone Country (ALfA). Nach 19 Jahren ist ein 39-jähriger Mann in Stone Country (US-Staat Arkansas) aus dem Koma erwacht und spricht wieder. Das melden die "Berliner Morgenpost" (Ausgabe vom 11. Juli) sowie die "Stuttgarter Nachrichten" (Ausgabe vom 10. Juli). Terry Wallis habe seit einem Autounfall im Juli 1984 querschnittsgelähmt und ohne Bewusstsein in einem Pflegeheim gelegen. Dort habe er seine Mutter nun plötzlich mit dem Wort "Mom" begrüßt, wie Heimdirektorin Alesha Badgley erklärt habe. "Dann kam "Pepsi" und dann "Milch". Und jetzt kann er alles sagen."

Sowohl Ehefrau und Tochter als auch die Eltern hätten sich die ganze Zeit über um den Komapatienten gekümmert. Immer wieder hätten sie ihn zu Festen und Ausflügen nach Hause geholt. Für den behandelnden Arzt James Zini könnte diese intensive Betreuung der Familie eine Erklärung für "das Wunder von Arkansas" sein, so die Zeitungen. "Man hat ihm das Gefühl gegeben, dass er dazugehört, dass man ihn nicht abgeschrieben hat", zitiert die "Berliner Morgenpost" Zini. Vielleicht sei das auch der Grund gewesen, warum sich sein Zustand während des Komas nicht verschlechtert habe. "Dieser Fall ist wirklich erstaunlich, ein echtes Wunder", so der Arzt.

(mehr dazu: www.berliner-morgenpost.de; www.stuttgarter-nachrichten.de)


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