ALfA-Newsletter vom 12.03.2004

News

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Schwedin stirbt nach Abtreibung: Mifegyne tötete Kind und Mutter

Stockholm (ALfA). Eine 18-jährige Schwedin ist nach einer Abtreibung mit dem Präparat Mifegyne verblutet. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP (12. März). Wie die Behörden in Stockholm erklärt hätten, sei die Frau in der siebten Woche schwanger gewesen. Das Mittel habe sie in der korrekten Dosierung in einem Krankenhaus in Westschweden eingenommen. Man habe sie vor ihrer Entlassung vorschriftsgemäß ärztlich beobachtet. Sechs Tage danach sei sie tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden.

Wie AFP weiter berichtet, ist dies offenbar der erste durch das Abtreibungsmittel Mifegyne verursachte Todesfall einer Frau in Schweden. Allerdings habe es schon ähnliche Fälle in den USA und in Großbritannien gegeben. Mifegyne bewirkt, dass sich das ungeborene Kind aus der Gebärmutterschleimhaut löst und stirbt. Diese Methode wird von ihren Befürwortern als schonender für eine Frau bewertet als eine operative vorgeburtliche Kindstötung.

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Abtreibungszahlen veröffentlicht: Steigende Zahlen bei Minderjährigen

Wiesbaden (ALfA). Im Jahr 2003 wurden dem Statistische Bundesamt in Wiesbaden rund 128.000 Abtreibungen gemeldet. Wie die Wiesbadener Behörde in einer Pressemitteilung (9. März) erklärt, ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr damit um 2.400 Fälle oder 1,8 Prozent gesunken.

Nahezu die Hälfte der Frauen (49 Prozent) war zum Zeitpunkt der vorgeburtlichen Kindstötung ledig, 45 Prozent waren verheiratet. 40 Prozent der Schwangeren hatten vor der Abtreibung noch kein Kind bekommen. Knapp drei Viertel (71 Prozent) aller Abtreibungen wurden bei Frauen zwischen 18 und 34 Jahren vorgenommen. Laut Statistischem Bundesamt waren 16 Prozent der Frauen zwischen 35 und 39 Jahren, rund 7 Prozent 40 Jahre und älter. 6 Prozent der Frauen, bei denen eine vorgeburtliche Kindstötung vorgenommen wurde, waren minderjährig. Wie die Tageszeitung "Die Welt" (Ausgabe vom 11. März) berichtet, verzeichnen die Statistiker damit gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg der gemeldeten Abtreibungen bei den unter 18-Jährigen um 2,7 Prozent auf insgesamt 7.645 Fälle. Die Zahl der Abtreibungen bei den unter 15-Jährigen sei von 1996 bis 2002 um fast 70 Prozent gestiegen, bei den 15- bis 18-Jährigen habe der Anstieg etwa ein Drittel betragen.

In weniger als 3 Prozent der Fälle wurden medizinische beziehungsweise kriminologische Indikationen als Begründung für die Abtreibung angegeben, so das Statistische Bundesamt weiter. Demnach sind über 97 Prozent der gemeldeten vorgeburtlichen Kindstötungen nach der Beratungsregelung vorgenommen worden. Mit 81 Prozent wurden die weitaus meisten Abtreibungen per Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt.

Nach Angaben der Statistiker erfolgten die Abtreibungen vorwiegend ambulant (93 Prozent), davon rund ein Sechstel ambulant in Krankenhäusern und der Rest in gynäkologischen Praxen. Fünf Prozent der Frauen ließen die vorgeburtliche Kindstötung in einem Bundesland durchführen, in dem sie nicht wohnten.

(mehr dazu: www.destatis.de; www.welt.de)

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"Größter Menschenrechtsskandal": Politiker reagieren auf Zahlen

Meschede (ALfA). Anlässlich der Veröffentlichung der Abtreibungszahlen durch das Statistische Bundesamt haben die Christdemokraten für das Leben (CDL) einen besseren Schutz für die ungebornen Kinder gefordert. In einer Pressemitteilung (11. März) erklärt der Bundesgeschäftführer der CDL, Manfred Libner: "Fast 130.000 offiziell getötete ungeborene Kinder im vergangenen Jahr, das ist nach wie vor der größte Menschenrechtsskandal in Deutschland." Die Summe der offiziell gemeldeten Abtreibungen entspreche der Einwohnerzahl Würzburgs oder Potsdams. Dabei sei die hohe Dunkelziffer noch gar nicht berücksichtigt worden.

Ein Alarmsignal sei besonders die Zunahme der durchgeführten Abtreibungen bei Minderjährigen in der vergangenen fünf Jahren. Offensichtlich komme der Staat nicht seinem Auftrag nach, den Schutz des menschlichen Lebens jungen Menschen zu vermitteln und ein Leben mit Kind zu ermöglichen. Libner betonte in der Mitteilung an die Presse, der Staat mache sich zu einem schlechten Anwalt des ungeborenen Lebens, wenn der größte Teil der offiziell gemeldeten Abtreibungen staatlich finanziert werde.

"Wenn die verantwortlichen Politiker schon kein ethisches Problem in der Tötung von ungeborenen Kindern erkennen, dann sollten sie wenigstens Konsequenzen aus dem Umstand ziehen, dass die Zukunft unserer sozialen Sicherungssysteme wesentlich von der erfolgreichen Beseitigung chronischen Kindermangels abhängt", so Libner. Das sei aber nur durch die Förderung von Familien mit Kindern zu erreichen. "Die Finanzierung der Abtreibung durch öffentliche Kassen verschärft dagegen die demographische Schieflage und beschleunigt die seit dreißig Jahren eingeschlagene Fehlentwicklung in Deutschland."

Weiter kritisiert Libner, dass im Zusammenhang mit vorgeburtlichen Kindstötungen zu wenig über die Gefahren und Risiken, insbesondere die psychischen Folgeerscheinungen für Frauen (Post-Abortion-Syndrom) aufgeklärt werde.

Unterdessen hat auch der kirchenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hermann Kues, einen effektiveren Schutz der ungeborenen Kinder gefordert. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 11. März) unter Berufung auf einen Artikel in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Ausgabe vom 11. März). Kues habe die Bundesregierung aufgefordert, sich angesichts der "unerträglich hohen Zahl von Abtreibungen" stärker um das Thema Frauen und Familie zu kümmern, zitiert das Blatt den Politiker. Rot-Grün setze sich nicht genug gegen das kinderfeindliche Klima in der Gesellschaft ein. Dies führe dazu, dass nicht nur viel zu viele Minderjährige Abtreibungen vornähmen, sondern auch verheiratete Frauen, die schon mehrere Kinder hätten.

Wie das "Ärzteblatt" weiter berichtet, hat Kues eine fraktionsübergreifende Initiative zur Vermeidung von Spätabtreibungen angekündigt. Falls nicht bis Ende März ein entsprechender Antrag zustande komme, wollten Abgeordnete wie die Grünen-Politikerin Christa Nickels, Maria Böhmer (CDU) und er selbst einen Vorstoß unternehmen.

(mehr dazu: www.cdl-online.de; www.aerzteblatt.de)

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"Schwangerschaft ist keine Krankheit": "Bitte nicht stören" warnt vor PND-Auslese

Frankfurt (ALfA). Vor zu vielen Untersuchungen in der Schwangerschaft haben die Veranstalter der Aktion "Bitte nicht stören" gewarnt. Das meldet die "Deutsche Presse Agentur" (dpa) (9. März). "Frauen geraten dadurch in eine Spirale der Angst", zitiert die dpa die Frankfurter Koordinatorin Thea Vogler, die am dortigen Frauen-Gesundheitszentrum arbeitet. Statt der Freude an der Schwangerschaft stehe die Furcht vor einer möglichen Behinderung des Kindes im Vordergrund.

Inzwischen würden fast 80 Prozent aller Schwangeren als Risikopatientinnen gesehen. "Schwangerschaft wird zu einer Krankheit", kritisierte Vogel. Gelte eine Frau als Risikopatientin, warteten bis zu 100 Untersuchungen auf sie, um eine mögliche Behinderung des Kindes zu entdecken. "Diese Untersuchungen sind in erster Linie ein Mittel zur Auslese", zitiert die dpa Vogel. Werde eine Fehlbildung entdeckt, würden die meisten Frauen eine Abtreibung vornehmen lassen.

Dennoch lehnt die Geburtsvorbereiterin Thea Vogel laut der "Deutschen Presse Agentur" Pränataldiagnostik (PND) nicht vollständig ab. "Ich finde Vorsorge sehr sinnvoll und wichtig", so Vogel. Zum Beispiel ließe sich durch eine Ultraschalluntersuchung klären, ob eine Unterversorgung des Kindes vorliege. Dann sei es lebenswichtig für das Kind, es früher auf die Welt zu bringen.

Die bundesweite Kampagne "Bitte nicht stören" wird von der "Aktion Mensch" unterstützt.

(mehr dazu: www.1000fragen.de)

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Eizell-Experiment I: Tiefgekühlte Eierstöcke erhalten Fruchtbarkeit

New York (ALfA). Amerikanischen Forschern ist es gelungen, aus gefrorenem und wieder aufgetautem Eierstockgewebe lebende Eizellen zu erzeugen. Das berichten "Die Welt" (Ausgabe vom 10. März), die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 11. März), "Der Spiegel" (Online-Ausgabe vom 10. März) sowie das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 9. März). Wissenschaftler um Kutluk Oktay von der Cornell-Universität in New York hätten Eierstockgewebe einer krebskranken Frau bei minus 196 Grad eingefroren und sechs Jahre später erfolgreich wieder eingepflanzt, indem der Frau fünfzehn fingernagellange Streifen des Gewebes unter die Bauchhaut implantiert worden seien. Das Gewebe habe nach der Verpflanzung seine Funktion wieder aufgenommen.

In einem Zeitraum von acht Monaten haben die Forscher der Frau dann 20 Eizellen entnommen, so die Zeitungen weiter. Bei zwei der Eizellen sei eine künstliche Befruchtung gelungen. Einer der Embryonen sei der Frau in die Gebärmutter implantiert worden, allerdings bald darauf gestorben. Aufgrund der generell niedrigen Erfolgsrate bei künstlichen Befruchtungen werteten laut der Zeitungen die Wissenschaftler ihr Experiment aber als Erfolg. Ziel sei es, Frauen bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches zu helfen, denen durch Chemotherapie, Bestrahlung oder Krankheiten Unfruchtbarkeit drohe.

(mehr dazu: www.welt.de; www.faz.net; www.spiegel.de; www.aerzteblatt.de)

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Eizell-Experiment II: Eizellen erneuern sich ständig

Boston (ALfA). In den Eierstöcken von ausgewachsenen Mäusen haben amerikanische Forscher Stammzellen gefunden, aus denen der Vorrat an reifen Eizellen kontinuierlich aufgefrischt wird. Das berichten "Die Welt", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Die Presse" (Ausgaben vom 11. März) sowie die "Berliner Zeitung" (Ausgabe vom 12. März). Die Mediziner um Joshua Johnson von der Harvard-Universität in Boston hätten die Eizellen von neugeborenen Weibchen unterschiedlicher Mäusestämme gezählt und hätten einen Vorrat von durchschnittlich 2.500 bis 5.000 gesunden Eizellen gefunden. Es sei bald danach ein Absterben von bis zu 1.700 Eizellen pro Eierstock zu beobachten gewesen, ohne dass sich die Gesamtzahl aller Eizellen verringerte. Das bedeutet, dass neue Eizellen gebildet worden seien, so die Forscher. Bei ihrem Experiment hätten sie Keimzellen entdeckt, die im Begriff waren, sich in Eizellen zu verwandeln. Nachdem die Wissenschaftler alle Eizellen in den Eierstöcken abgetötet hätten, seien täglich 77 neue Eizellen pro Eierstock gebildet worden. Es sei allerdings noch nicht bewiesen, dass sich diese Erkenntnisse von der Maus auf den Menschen übertragen ließen, so die Forscher weiter.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass weibliche Säugetiere bereits mit einer festgelegten Anzahl von Eizellen zur Welt kämen. Gängige Lehrmeinung sei es gewesen, dass die Menopause dann einsetze, wenn der Vorrat an Eizellen aufgebraucht sei. Die Forschungsergebnisse der Bostoner Wissenschaftler könnten laut der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" der Beweis dafür sein, dass die Menopause nicht das unwiderrufliche Aufbrauchen eines Vorrats bedeutet, sondern das eventuell aufhaltbare Schwächer-Werden der Ei-Stammzellen.

(mehr dazu: www.welt.de; www.faz.net; www.diepresse.com; www.berlinonline.de)

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Gedankliche Tiefflüge in Überdosis: Gantens Plädoyer für das Klonen

Frankfurt (ALfA). Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charite und Mitglied im Nationalen Ethikrat, hat eine Freigabe des sogenannten therapeutischen Klonens gefordert. In einem Artikel für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 9. März) nennt er es ein "vorschnelles Verdikt", dass das südkoreanische Klonexperiment (vgl. ALfA-Newsletter 12. Februar) von hochrangigen Forschungsvertretern als "Irrweg" bezeichnet worden sei. In der Forschung könne man von einem Weg, den man gerade erst zaghaft beschritten habe, kaum wissen, wohin er führe. Niemand könne jetzt schon Heilungserfolge garantieren. Aber genauso wenig könne gegenwärtig ein Misserfolg verlässlich vorhergesagt werden.

Drei Gründe für die Ablehnung des therapeutischen Klonens würden häufig genannt. Erstens müssten bei einer therapeutischen Anwendung für jeden Patienten eigene embryonale Stammzellen neu hergestellt werden. "Natürlich ist es ein Nachteil, so wie es ein Nachteil des Fliegens ist, dass das Flugzeug vom Boden abheben muss", so Ganten. Dieses Risiko werde man aber in Kauf nehmen, wenn so eine Heilung schwerer Leiden möglich sei. Als zweiter Nachteil werde auf die Notwendigkeit der Eizellspende verwiesen. "Trotz verbreiteter Skepsis gegenüber der Forschung werden sich immer genug Menschen finden, die überzeugt sind, dass es Forschung wert ist, Risiken auf sich zu nehmen", so Ganten. Drittens würde argumentiert, dass die Techniken des Forschungsklonens auch für das reproduktive Klonen missbraucht werden könnten. "Ein Missbrauch der Methode ist absolut nicht auszuschließen. Jedoch kann der Missbrauch den richtigen Gebrauch nicht desavourieren, und er taugt schon gar nicht als Argument, um Grundlagenforschung zu behindern", schreibt Ganten in der FAZ. Nach seiner Auffassung genügt es, das Einpflanzen eines geklonten Embryos in die Gebärmutter strafrechtlich zu verbieten und zu verfolgen. Das Rechtssystem basiere nicht darauf, Straftaten von vorneherein unmöglich zu machen, "denn das würde zum Beispiel bedeuten, Medikamente, die bei Überdosis schädlich sind, zu verbieten", folgert Ganten.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Australien hat erstes "Designer-Baby": Nabelschnurblut für Therapie benötigt

Sydney (ALfA). In Australien ist zur Heilung der Gen-Krankheit eines vierjährigen Kindes gezielt ein Bruder gezeugt worden. Das berichten die "Rheinische Post" (Online-Ausgabe vom 8. März), die "Berliner Morgenpost" und die "Salzburger Nachrichten" (Ausgaben vom 9. März) unter Berufung auf einen Bericht der australischen Zeitung "Telegraph" (8. März). Mit Hilfe gentechnischer Diagnose-Methoden hätten australische Spezialisten einen von mehreren künstlich befruchteten Embryonen ausgewählt, der dann der Mutter eingesetzt worden sei. Mit den Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur solle der vierjährige Bruder, der an einem als Hyper-IgM-Syndrom bekannten Immundefekt leidet, therapiert werden. Theoretisch wäre es auch möglich gewesen, diese Immunkrankheit mit Stammzellen aus dem Knochenmark zu heilen, so die Zeitungen weiter. Da sich aber kein geeigneter Spender gefunden habe, hätten die Ärzte sich entschlossen, erstmals in Australien ein "Designer-Baby" zu kreieren.

Der Präsident des australischen Ärzteverbandes, Bill Glasson, sagte laut den Zeitungen, der Fall habe in Australien durchaus ethische Fragen aufgeworfen. Wenn aber durch ein "Designer-Baby" ein krankes Kind gerettet werden könne, halte er dieses Vorgehen für vertretbar.

(mehr dazu: www.rp-online.de; http://morgenpost.berlin1.de; www.salzburg.com)

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"Mangelhaft", "unangemessen": Harte Experten-Kritik an mutmaßlicher Todes-Ärztin

Hannover (ALfA). Der unter Totschlagsverdacht stehenden Ärztin Mechthild Bach aus Langenhagen bei Hannover werden in einem Gutachten der Staatsanwaltschaft schwerste Behandlungsfehler vorgeworfen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Online-Ausgabe vom 8. März). Der Bochumer Schmerzspezialist Michael Zenz habe in seinem Gutachten kritisiert, dass die beschuldigte Ärztin "nicht einmal die einfachste Grundlagen der Tumor-Schmerztherapie" beherrsche, zitiert "Der Spiegel" Zenz. Bachs Therapie sei "völlig unkontrolliert" gewesen, die Therapie "ausgesprochen mangelhaft" und die Dosierungen von Morphium und Valium "völlig unangemessen". Deshalb könne man auch nicht von Sterbehilfe sprechen.

Nach Ansicht des Schmerzspezialisten hätten neun von elf gestorbenen Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit überlebt. Bach habe vor Beginn ihres mutmaßlich zum Tode führenden Schmerzprogramms die Art und Schwere der Schmerzen nicht ausreichend überprüft. Dem Gutachten zufolge hat die Ärztin Morphium und Valium um das bis zu 30fache überdosiert. Mindestens sieben von elf Patienten hätten kein Morphium bekommen dürfen, mindestens vier von sechs kein Valium.

Unterdessen hat das Amtsgericht Hannover den vor drei Wochen erlassenen Haftbefehl gegen die Ärztin wieder aufgehoben. Das meldet die "Netzeitung" (Ausgabe vom 11. März). Die Staatsanwaltschaft habe erklärt, Mechthild Bach, gegen die wegen achtfachen Totschlags ermittelt wird, sei weiter dringend tatverdächtig, acht Patienten grundlos eine tödliche Mixtur aus Morphium und Valium gespritzt zu haben (vgl. ALfA-Newsletter vom 20. Februar). Bei einer Verurteilung drohe ihr lebenslange Haft. Wie die "Netzeitung" weiter berichtet, sind während Bachs Zeit auf der Krebsstation der Paracelsus-Klinik weitaus mehr Patienten gestorben. Bisher seien elf Fälle begutachtet worden, was zu den acht Anklagepunkten geführt habe. Zurzeit würden 15 weitere Gutachten erstellt.

(mehr dazu: www.spiegel.de; www.netzeitung.de)

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Keine "Körperwelten" mehr in Deutschland? "Gewinn für die Wüde der Toten"

Stuttgart (ALfA). Die Leichenschau des Plastinators Gunther von Hagens wird vorläufig nicht mehr in Deutschland zu sehen sein. Das meldet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Online-Ausgabe vom 10. März). Grund dafür sei ein Rechtstreit vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart. Im März 2003 hatte laut dem "Spiegel" die Stadt Stuttgart Auflagen zu einer damaligen Ausstellung verfügt, die auch für alle künftigen Schauen in Deutschland gelten sollten. Bis zu einem Urteil könnten nach Angaben von Hagens noch zwei bis drei Jahre vergehen. Deshalb werde er seine Objekte nun im Ausland zeigen. Derzeit verhandele er mit mehreren Städten in den USA. Auch in der Türkei, in Spanien und in Italien habe man Interesse an der Ausstellung "Körperwelten" gezeigt.

Die Deutsche Hospiz Stiftung hat von Hagens Entschluss begrüßt. In einer Mitteilung an die Presse (11. März) spricht Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung von einem "Erfolg auf der ganzen Linie" und einem "Gewinn für die Würde der Verstorbenen". Aus welchen Gründen auch immer von Hagens in Deutschland nicht mehr ausstelle, die Hauptsache sei, "dass uns so ein Sezier-Spektakel zukünftig erspart bleibt", so Brysch. Die Bundesregierung fordert er auf, einen solchen "würdelosen Umgang" mit verstorbenen Menschen in Zukunft zu verhindern.

Die Patientenschutzorganisation hatte sich wiederholt für eine Schließung der Ausstellung stark gemacht. Unter anderem hatte sie mit Leichenwagen, Kranz und Kerzen vor der "Körperwelten"-Ausstellung in Frankfurt demonstriert.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Heidelberg mitgeteilt, ihre Ermittlungen gegen Gunther von Hagens wegen des angeblichen Bezugs von Leichnamen unbekannter Herkunft aus China und Kirgisien eingestellt zu haben. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 10. März) sowie das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 9. März). Da von Hagens die Leichen den Berichten zufolge mit Einwilligung von staatlichen Stellen bezogen habe, sei ihm kein strafbares Verhalten vorzuwerfen. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft lehnte es auch ab, gegen den Plastinator wegen "beschimpfenden Unfugs" im Sinne einer Störung der Totenruhe zu ermitteln, so die Blätter weiter. Unter "beschimpfendem Unfug" sei nur ein Verhalten gegenüber Toten zu verstehen, "das durch ein besonderes Maß an Pietätlosigkeit und Roheit gekennzeichnet ist und mit dem der Täter bewusst seine Verachtung oder Missachtung zum Ausdruck bringt", zitiert die FAZ eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Von Hagens berufe sich aber darauf, dass er auch von wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen geleitet werde.

(mehr dazu: www.spiegel.de; www.hospize.de; www.faz.net; www.aerzteblatt.de)


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