ALfA-Newsletter vom 12.10.2003

News

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Das geklonte Papier: Verhandlung über Anti-Klon-Konvention der VN erneut vor Aus

New York (ALfA). Die Chancen, dass sich der Rechtsausschuss der Vereinten Nationen am 20. Oktober auf einen Entwurf für eine internationale Konvention einige, in der das Klonen von Menschen weltweit geächtet wird, stehen schlecht. Diese Ansicht vertritt neben anderen die katholische Zeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 12.10.) Wie bei den vorausgegangenen Verhandlungen, die im Herbst 2002 ergebnislos abgebrochen wurden, seien die Mitgliedsstaaten auch dieses Mal wieder in zwei Lager gespalten. Während die Mehrzahl der Staaten, die sich zu der Frage bislang geäußert hätten, ein umfassendes Klonverbot anstrebe, wolle eine Minderheit lediglich das Klonen von Menschen zum Zwecke der Fortpflanzung ächten. Die Bundesrepublik Deutschland spiele dabei eine besonders unrühmliche Rolle, so das Blatt.

Laut der "Süddeutschen Zeitung" (Ausgabe vom 08.10.) sei die neue Taktik der Deutschen, "in Wahrheit ganz die alte"; festgehalten in einem einseitigen "Non-Paper", einem informellen Dokuments. Kern des "Non-Papers" sei wie schon im Herbst 2002 eine Trennung der Klonierungsverfahren nach ihrem Zweck. Und das obwohl der Bundestag im Februar mit überwältigender Mehrheit festgestellt habe, dass "jede künstliche Erzeugung menschlicher Embryonen durch Klonen mit der universell geltenden Menschenwürde" unvereinbar sei. Dennoch hätten Deutsche und Franzosen abermals vorgeschlagen, nur das Klonen von Menschen zu ächten. Alle übrigen Formen des Klonens sollten dem Papier zufolge national geregelt werden.

Laut der "Tagespost" waren die deutschen Diplomaten "so unvorsichtig" zwei Versionen in Umlauf zu bringen. Während die in Deutschland zirkulierende Version des "non-papers" im letzten Satz noch auf einen angeblich angehängten Entwurf für eine Resolution verwiesen werde, fehle in der in New York verteilten Version nicht nur der Resolutionstext, sondern auch der Hinweis darauf.

Nach Informationen der "Süddeutsche Zeitung" legten am 02. Oktober dafür Belgien, China und ein gutes Dutzend weiterer Staaten einen eigenen Resolutionstext vor, der sich an den entscheidenden Stellen wie eine Kopie des deutsch-französischen, rein informell gedachten "Non-Papers" lese: Mit Ausnahme des Klonens ganzer Menschen solle es den Staaten überlassen werden, ob sie das Klonen verbieten, ein Moratorium verhängen oder die Problematik auf andere Weise gesetzlich regeln wollen. Eine Lösung, die so die "Süddeutsche Zeitung", ganz nach dem Geschmack der chinesischen Regierung sein dürfte.

Wie das Blatt vermutet, seien Franzosen und Deutsche "in letzter Sekunde davor zurück geschreckt, erneut als Initiatoren eines Antrags in Erscheinung zu treten, der den Willen beider Parlamente massiv verletzt hätte". Stattdessen segle das deutsch-französische "Non-Paper" nun unter belgischer Flagge. Wörtlich schreibt die Zeitung: "Man hofft wohl, damit der Pflicht zur klaren Positionierung entronnen zu sein. Doch alles Taktieren hilft nichts: Am 20. Oktober werden die Beratungen bei der UN fortgesetzt, und bereits am 16. Oktober wird der Bundestag über das Klon-Verbot und die deutsche Verhandlungslinie debattieren. Man darf gespannt sein, ob sich Außenminister und Staatsministerin dann zu ihrem Belgiertum bekennen."

(mehr dazu: www.sueddeutsche.de, www.die-tagespost.de)

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Begleitung statt Beseitigung: Zypries will an Verbot aktiver Sterbehilfe festhalten

Hamburg (ALfA). Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat sich strikt gegen eine Legalisierung aktiver Sterbehilfe nach niederländischem Vorbild ausgesprochen. Das berichtet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 6. Oktober). In einem Gastbeitrag der "Bild am Sonntag" habe die Politikerin festgehalten: "Die aktive Sterbehilfe ist nach deutschem Recht strafbar und daran soll sich auch nichts ändern."

Die Diskussion solle sich stattdessen auf die Sterbebegleitung und eine effektive Schmerztherapie fokussieren. Daher müsse die Politik die Gründung von Sterbehospizen fördern, gibt das "Deutsche Ärzteblatt" die Forderung der Ministerin wieder. Zugleich habe Zypries angekündigt, eine Rechtsgrundlage für Patientenverfügungen zu schaffen, so dass jeder persönlich für sich lebensverlängernde Maßnahmen unterbinden könne. "Jeder sollte deshalb selbst darüber entscheiden, ob für ihn im Notfall lebensverlängernde Maßnahmen eingeleitet werden sollen oder nicht", zitiert das Blatt Zypries. Von ihr sei eine Expertenkommission eingesetzt worden, damit diese die Rechtssicherheit solcher Fälle prüfe.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Trotz Befürchtung von Missbrauch: Spaniens Ärzte mehrheitlich für Euthanasie

Madrid (ALfA). In Spanien befürworten laut einer Studie sechs von zehn Ärzten Euthanasie. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP (6. Oktober) unter Berufung auf einen Bericht der spanischen Tageszeitung "El Pais". Danach hätten sich knapp sechzig Prozent der Befragten für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, die es Ärzten ermögliche, auf Wunsch der Kranken Sterbehilfe anzuwenden.

Knapp die Hälfte der Befürworter (41,5 Prozent) wolle die aktive Sterbehilfe auf Todkranke im Endstadium beschränkt sehen. Dagegen würde beinahe ein Fünftel der Befürworter (18,4 Prozent) Euthanasie unabhängig davon erlauben, ob es sich um eine tödliche oder um eine unheilbar chronische, schwere Erkrankung handele. Dem Bericht zufolge, so das "Ärzteblatt" weiter, gingen die befragten Ärzte von einem großen gesellschaftlichen Zuspruch für eine solche Gesetzesänderung aus. Allerdings sei sich eine Mehrheit auch der möglichen Probleme bewusst: 57 Prozent befürchteten Missbrauch, etwa 59 Prozent sähen die Patientenrechte bedroht.

(mehr dazu: www.elpais.es)

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Schlappe für embryonale Stammzellforschung: "Report Mainz" deckt Irrtümer auf

Köln (ALfA). Zellersatzstrategien mit embryonalen Stammzellen bergen zumindest im Tierversuch ein 100-prozentiges Tumorrisiko. Das geht aus einem Bericht des TV-Magazins "Report Mainz" (6. Oktober) hervor. Wissenschaftler vom Kölner Max-Planck-Institut hätten ein Experiment gestartet, in dem untersucht werden sollte, ob embryonale Stammzellen einen Hirninfarkt heilen könnten. Im Tiermodell seien bei Mäusen künstliche Schlaganfälle erzeugt worden, die anschließend mit Zellen aus Mauseembryonen therapiert worden seien.

Das Ergebnis sei ein Schock gewesen, hieß es bei "Report Mainz". Sämtliche behandelte Mäuse seien innerhalb weniger Tage an Krebs erkrankt. Zuvor hätte man den gleichen Versuch bei Ratten unternommen. Ihnen seien nach einem Schlaganfall Zellen aus Mauseembryos implantiert worden. Das Ergebnis sei überzeugend gewesen, die Stammzellen hätten sich zu Nervenzellen und Gliazellen differenziert.

Aus diesen beiden Beobachtungen lasse sich die Schlussfolgerung ziehen, dass erfolgreiche Stammzellverpflanzungen von einer Spezies auf die andere nicht aussagekräftig seien. "Und das bedeutet, dass die Sicherheit von humanen embryonalen Stammzellen im präklinischen Tierversuch nicht mit Sicherheit bewiesen werden kann," so Professor Konstantin Hossmann vom Max-Planck-Institut Köln im "Report Mainz". Die Forschungsergebnisse von Oliver Brüstle und Otmar Wiestler in Bonn, die das therapeutische Potenzial menschlicher embryonaler Stammzellen im Tierversuch nachzuweisen versuchen, wären demnach nicht aussagefähig.

Zweifel an den Ergebnissen der Kölner Studie äußerte Otmar Wiestler, Stammzellforscher an der Universität Bonn: "Ich glaube, eine wesentlicher Grund dabei ist wahrscheinlich der, dass die Kölner Gruppe bei weitem nicht so viel Mühe aufgewendet hat, diese Zellen nicht nur in ein ausgereiftes Stadium zu bringen, sondern auch aufzureinigen." Diesen Affront widerlegte man in Köln umgehend. "Ich finde es schon etwas verwunderlich, denn wir haben uns selbstverständlich bemüht, nach den neuesten Protokollen die Zellen so gut aufzureinigen, wie es möglich ist", sagte Konstantin Hossmann "Report Mainz".

Die Kölner Studie könnte auch gravierende Folgen für die anstehende Entscheidung haben, ob die Europäische Union die Forschung an embryonalen Stammzellen finanziell fördert. Die Grünen-Politikerin Hiltrud Breyer, Mitglied des Europäischen Parlaments, bezeichnete die Studie als "erschreckend" und "alarmierend". "Diese Ergebnisse dürfen nicht totgeschwiegen oder schöngeredet werden. Im Gegenteil, ich finde, die Forschungsförderung muss ausgesetzt werden, wir dürfen nicht Sackgassentechnologie fördern", sagte Breyer in der Fernsehsendung.

(mehr dazu: www.swr.de)

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Wir screenen uns zu Tode: Netzwerk fordert Ende von selektiver Pränataldiagnostik

Düsseldorf (ALfA). Das "Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik" hat sich dafür ausgesprochen, dass alle selektiven Untersuchungen aus der allgemeinen Schwangerenvorsorge herausgenommen werden. Das teilte der Zusammenschluss aus 89 Institutionen und Gruppen in einer Mitteilung an die Presse mit. Zur Zeit werde sowohl in der Fach- als auch in der Laienpresse das so genannte Ersttrimester- oder Frühscreening in der Schwangerschaft propagiert. Es umfasse eine gezielte Ultraschalluntersuchung mit Messung der Nackentransparenz des Ungeborenen sowie Untersuchungen des Blutes der Frau auf bestimmte Hormonwerte, heißt es in der Pressemitteilung. Auf diese Weise solle bereits in der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche die statistische Wahrscheinlichkeit chromosomaler und organischer Fehlbildungen errechnet werden. Als Ergebnis erhalte die Frau eine "Risikoabschätzung", wie hoch in ihrem individuellen Fall die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Ungeborene eine solche Fehlbildung hat. Das Screening solle allen Schwangeren als selbst zu zahlende Leistung angeboten werden. Entsprechend wird es als eine besonders gute Vorsorge, die die Kassen den Frauen aus Kostengründen vorenthalten, beworben und empfohlen.

Das Netzwerk lehnt die Etablierung eines Frühscreenings entschieden ab. Erstens sei die Zielsetzung des Frühscreenings ausschließlich selektiv. Dabei werde nicht das Ziel des selektiven Abbruchs in Frage gestellt, es soll nur der Zeitpunkt vorverlegt werden. Screenings in der Gesundheitsversorgung würden im allgemeinen mit den sich ergebenden therapeutischen Möglichkeiten gerechtfertigt. "Im Fall der Früherkennung einer Erkrankung gibt es keine Maßnahmen, die zu einem besseren Versorgungsergebnis führen könnten, die einzige Handlungsmöglichkeit sind weitere, invasive Untersuchungen zur Überprüfung des Befundes und ggf. der Abbruch der Schwangerschaft. Der Begriff "Screening" wird missbraucht, um das Ziel der Selektion positiv zu ummanteln," so das Netzwerk.

Zweitens konfrontiere es Paare zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft mit einem technischen. distanzierenden Umgang mit Schwangerschaft. "Das Ersttrimester-Screening widerspricht unserem Verständnis von einer frauenbezogenen und psychosomatisch orientierten Schwangerenvorsorge", heißt es in der Pressemitteilung. Daneben erfüllten die propagierten Untersuchungen nicht die wissenschaftlichen und ethischen Anforderungen und Qualitätsstandards, die an ein Screening zu stellen sind.

Darüber hinaus habe die Einführung des Ersttrimester-Screenings nicht die schwangeren Frauen und deren Gesundheit im Blick, sondern verfolge vor allem ökonomische Interessen. "Verkaufsstrategien in der Schwangerschaft, die sich die Angst vor Behinderung zunutze machen, halten wir für einen Skandal," heißt es in der Pressemitteilung. Profitieren würden nicht die Frauen, die den Test zudem privat bezahlen sollen, sondern eine Vielzahl von beruflichen Gruppierungen aus den Bereichen Labormedizin, Datenverarbeitung, Geräteherstellung, Softwarevertrieb, Zertifizierung und Fortbildung, Werbung sowie die zertifizierten Ärzte, die den Test als IGeL-Leistung anbieten dürfen. Dabei gehe es um viel Geld. Bei der gewünschten flächendeckenden Versorgung aller schwangeren Frauen stünden ca. 700.000 Kundinnen pro Jahr zur Verfügung. Die Koppelung von Marktinteressen mit Appellen und Ängsten vor Behinderung in der Schwangerschaft sei unverantwortlich.

Aus ethischen und gesellschaftspolitischen Überzeugungen verfolge das Netzwerk das Ziel, dass alle selektiven Untersuchungen aus der allgemeinen Schwangerenvorsorge herausgenommen würden. Schwangere müssten ihre Schwangerschaft "guter Hoffnung" erleben können, ohne dass ihnen Diagnosen aufgedrängt würden.

(mehr dazu: www.netzwerk-praenataldiagnostik.de)


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