ALfA-Newsletter vom 13.02.2004

News

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Der Mensch als Ersatzteillager: Stammzellen aus geklonten Menschen gewonnen

Seattle (ALfA). Südkoreanische Wissenschaftler haben erstmals menschliche Embryonen geklont und daraus Stammmzellen gewonnen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgabe vom 13.02.) Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt, hätten die Forscher ihre Arbeit auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Seattle vorgestellt. Für das Experiment hätten die Forscher um die Koreaner Woo Suk Hwang und Shin Yong Moon sowie den Amerikaner Jose Cibelli 16 Frauen zur Eizellspende überredet. Durch die Verabreichung hoher Hormondosen gewannen sie so insgesamt 242 Eizellen. Anschließend entfernten sie aus den Eizellen die Zellkerne, in welchen die gesamte Erbeinformation gespeichert ist, und pflanzten in die leeren Eizellenhüllen die Zellkerne von Körperzellen ein, die ebenfalls den Spenderinnen entnommen wurden. Aus den derart manipulierten Eizellen entwickelten sich nach Abschluss des Kerntransfers in 30 Fällen menschliche Embryonen, die von den Forschern, wie es heißt, dann "in einem frühren Stadium" getötet wurden, um ihnen embryonale Stammzellen entnehmen zu können. Diese seien hiernach kultiviert worden und ließen sich, nach Angaben der Forscher nun in jeden belieben Zelltyp verwandeln.

Mit dem sogenannten therapeutischen Klonen wollen Forscher Ersatzgewebe züchten, um Menschen, die an Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes oder Parkinson leiden zu heilen.

(mehr dazu: www.sueddeutsche.de; www.faz.net)

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Heftige Kritik an Forschern und Regierung: Reaktionen aus Politik und Gesellschaft

Berlin (ALfA). Politiker von CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen sowie die Lebensrechtsgruppen reagierten mit Bestürzung und Besorgnis auf die Nachricht vom Experiment des koreanischen Forscherteams. In zahlreichen Wortmeldungen wurde auch erneut Kritik an der Bundesregierung laut, die sich entgegen dem Beschluss des Deutschen Bundestages bei den Verhandlungen für internationales Klonverbot nicht für ein totales Klonverbot eingesetzt hatte.

So erklärte die Bundesvorsitzende der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA), Claudia Kaminski die Forschungsergebnisse seien "ein ungeheurer moralischer GAU". "Die Züchtung von Menschen als Rohstofflieferanten ist in der Geschichte der Menschheit ein bislang einmaliger Vorgang, mit dem der Gipfel der Inhumanität erklommen wurde." Menschen zu klonen, um sie anschließend zu töten, weil man ihre Stammzellen wolle, lasse sich durch nichts rechtfertigen. Die Forschungsergebnisse zeigten einmal mehr, "wie falsch es von der Bundesregierung war, sich entgegen dem eindeutigen Beschluss des Deutschen Bundestags auf internationaler Ebene nicht für ein umfassendes Klonverbot einzusetzen", so Kaminski. Die ALfA fordere die Bundesregierung daher auf, "diesen Fehler umgehend zu korrigieren und für die weltweite Ächtung jeglichen Klonens von Menschen einzutreten".

Ähnlich äußerte sich auch die Bundesvorsitzende der "Christdemokraten für das Leben" (CDL), Mechthild Löhr. Nur wer davon ausgehe, dass ein Mensch erst später, z.B. nach der Nidation wirklich menschlich würde, könne den jetzt sichtbaren Weg zur verbrauchenden Embryonenforschung mit ungebremstem und blindem Fortschrittsoptimismus begrüßen. In seiner Dimension sei dieser technische Durchbruch "wohl nur mit der Bedeutung der Verschmelzung von Atomkernen vergleichbar", sagte Löhr. Sollte sich die jetzt entwickelte Technik als ausbaufähig erweisen, hätten künftig nicht nur Kranke, sondern auch jeder gesunde Mensch die theoretische und faktische Möglichkeit, sich klonen zu lassen. "Da in vielen Ländern die Biotechnologie faktisch ausschließlich marktwirtschaftlichen und keinerlei ethischen oder rechtlichen Grenzen unterliegt, wäre es geradezu naiv und fahrlässig, anzunehmen, dass sich die Forscher ausschließlich auf das gegenüber dem reproduktiven Klonen technisch identische Verfahren des sogenannten therapeutischen Klonens freiwillig beschränken werden. Den Gesetzen des Marktes folgend werden Forscher das produzieren, was sie können und wofür sie bezahlt werden."

Dorothea Dehn, Vorsitzende der Lebensrechtsorganisation KALEB erklärte, die "Züchtung von Menschen zur Schaffung von Organ-Ersatzteillagern ist verwerflich und durch nichts zu rechtfertigen." Frauen würden durch solche Experimente zu Eizell- und damit zu Rohstofflieferanten degradiert.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Maria Böhmer (CDU) sagte: "Embryonen dürfen nicht zum Zwecke der Forschung hergestellt und getötet werden. Bereits seit 1991 ist in Deutschland Klonen verboten und steht unter Strafe. Dies kommt auch im Bundestagsbeschluss zu einem internationalen Klonverbot zum Ausdruck, in dem eine weltweite Ächtung des Klonens gefordert wird." Dieser Beschluss sei kein "Schönwetterbeschluss". Er behalte "trotz oder gerade wegen" der jüngsten Forschungsergebnisse "seine Gültigkeit". Böhmer kritisierte, "durch das Blockadeverhalten der Bundesregierung wurde eine internationale Resolution verhindert, die sowohl das sogenannte therapeutische als auch das reproduktive Klonen geächtet hätte."

Der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Reinhard Loske, kritisierte, das Experiment zeige, "dass diese Technologie Frauen zu Rohstofflagern für die Forschung macht". Sollte das Klonen jemals aus dem Forschungs- in das Therapiestadium gelangen, wären Millionen von Eizellen erforderlich. Das Versprechen der Klonbefürworter, das "Eizellproblem" in Zukunft durch die Produktion künstlicher Eizellen zu lösen, sei trügerisch.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese erklärte in Brüssel: "Wenn dieses Experiment in vielen Labors auf der ganzen Welt wiederholt wird, wird es Hunderttausende von geklonten Embryos geben. Da das Einpflanzen in die Gebärmutter eine einfache Prozedur ist, werden sich viele Scharlatane finden, die damit geklonte Babys zur Welt bringen. Die Heilung von Patienten ist dagegen sehr unwahrscheinlich." Er sei davon überzeugt, "dass das geklonte Baby sehr viel früher zur Welt kommt, als der erste Patient durch das sogenannte therapeutische Klonen geheilt wird", so Liese.

Dagegen forderte die Vorsitzende des Forschungsausschusses des Deutschen Bundestags, Ulrike Flach (FDP), in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Ausgabe vom 13.02.2004): "Wenn sich das therapeutische Klonen als machbar erweist, sollten wir es in Deutschland erlauben".

(mehr dazu: www.alfa-ev.de; www.cdl-online.de; www.faz.net;)

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Wissenschaft gespalten: Reaktionen aus Forschung und Verbänden

Berlin (ALfA). Die Wissenschaftler reagierten erwartungsgemäß gespalten auf die Ergebnisse des koranischen Forscherteams. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Ausgabe vom 13.02.), zufolge sprach Robert Lanza von der Firma ACT, die mit ihren eigenen Klonexperimenten gescheitert war, von einem "medizinischen Meilenstein", der vergleichbar mit der Entwicklung von Antibiotika und Impfstoffen sei. In einem Interview mit der gleichen Zeitung bezeichnet der deutschstämmige Molekularbiologe Rudolf Jaenisch, das Experiment als "ein außerordentliches wichtiges Ergebnis". Das Verfahren sei zwar noch nicht optimiert. "Aber es ist der erste Schritt, der zeigt, dass therapeutisches Klonen im Prinzip beim Menschen funktionieren wird."

Dagegen appellierte der Präsident der Bundesärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe, den "Machbarkeitswahn zu stoppen und schnellstmöglich zu einem internationalen Klonverbot zu kommen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Embryonen als Rohstofflieferanten gezüchtet werden. Wenn wir menschliches Leben in die Beliebigkeit kommerzieller Verwertung stellen, dann wird uns keine Ethik der Welt mehr retten", warnte Hoppe.

Hoppe forderte, deshalb müsse die "Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken oder gar zu industriellen Verwertung" weltweit geächtet werden. "Die Forscher dürfen sich nicht zu Herren über Leben und Tod menschlicher Embryonen machen. Menschliches Leben, auch im frühesten Stadium - ob durch Befruchtung oder Klonierung entstanden -, darf niemals zur Disposition gestellt werden."

Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Ernst-Ludwig Winnacker, bekundete in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 13.02.) er halte das therapeutische Klonen für einen "Irrweg". Daran ändere auch die Arbeit der koreanischen Arbeitsgruppe nichts.

Auf Kritik stieß dass Experiment der Forscher auch in den USA. Der Nationale Ethikrat der USA forderte nach der Mitteilung der südkoreanischen Forscher umgehend ein bundesgesetzliches Verbot jeglichen Klonens. Das Zeitalter des menschlichen Klonens sei offensichtlich erreicht, "heute geklonte Blastozysten für die Forschung, morgen geklonte Blastozysten für die Produktion von Babys", zitiert die "New York Times" (Ausgabe vom 12.02.) den Vorsitzenden des von Präsident George W. Bush eingesetzten Gremiums, Leon Kass. Laut dem Medizinethiker halte die Mehrheit des Ethikrats einen strikten Bann oder ein Moratorium gegen jegliches Klonen menschlicher Embryonen für den einzigen Weg, um diese Entwicklung zu verhindern.

(mehr dazu: www.faz.net; www.nytimes.com)

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Erfolg für Mc Corvey: US-Gericht eröffnet Chance auf Revision von Roe vs. Wade

New Orleans (ALfA). In den USA hat ein Berufungsgericht eingewilligt, mündliche Argumente anzuhören, die Norma McCorveys Versuch bekräftigen sollen, das Urteil "Roe vs. Wade" des Obersten Gerichtshofs anzufechten. Das berichtet das Katholische Internetportal "kath.net" unter Berufung auf "LifeNews.com". 1973 wurde McCorvey unter dem Decknamen "Jane Roe" als Figur benutzt, um Abtreibungen in den Vereinigten Staaten zu legalisieren.

Laut "kath.net" hört das Berufungsgericht in weniger als zehn Prozent der Fälle mündliche Argumente an. McCorveys Hauptverteidiger Allan Parker bezeichnete die Entscheidung als "einen ziemlichen Durchbruch". Die Chancen stünden gut, bis zum Obersten Gerichtshof zu gelangen. Es sei eine "historische Gelegenheit, Roe vs. Wade rückgängig zu machen", wird Parker zitiert.

McCorveys Anwälte hatten gegen den Entschluss eines texanischen Bundesrichters Berufung eingelegt, das Verfahren wegen Verjährung nicht wieder aufzunehmen. "Der Bundesrichter in Dallas lehnte den Antrag McCorveys bereits nach zwei Tagen ab, ohne sich ernsthaft mit 5.347 Seiten beeidigten Erklärungen von über eintausend durch Abtreibung geschädigte Frauen zu beschäftigen", kritisierte Parker. Anfang März wird das Berufungsgericht entscheiden, ob der Antrag behandelt, abgelehnt oder nochmals im Bezirksgericht geprüft wird.

McCorvey hat eine radikale Wende vollzogen. Nach jahrelanger Tätigkeit in Abtreibungskliniken ist sie heute als Botschafterin in Sachen Lebensschutz unterwegs.

(mehr dazu: www.kath.net)

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Abtreibung als guter Zweck: Serien-Darstellerin unterstützt Planned Parenthood

(ALfA). Kristen Davis, eine der Hauptdarstellerinnen der ebenso populären wie umstrittenen TV-Serie "Sex and the City" unterstützt die weltweit größte Abtreibungsorganisation "Planned Parenthood". Das berichtet der katholische Nachrichtendienst "kath.net". Danach spendete Davis Teile des für einen guten Zweck gedachten Erlöses, aus der Versteigerung von Kleidungsstücken, die Darstellerinnen in der Serie tragen, an "Planned Parenthood". Davis, die Darstellerin der sensiblen Charlotte, ließ durch ihre Pressesprecherin Marla Weinstein verlauten: "Ich finde, dass Frauen das Recht haben sollen, selber zu entscheiden, was mit ihrem Körper geschieht."

(mehr dazu: www.kath.net)

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Menschenwürde kreative vermitteln: Jugend für das Leben wählte neuen Vorstand

Regensburg (ALfA). Die Jugendorganisation der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V., Jugend für das Leben (JfdL), hat im Rahmen ihres diesjährigen Deutschlandtreffens, dass vom 06.-08. Februar in Regensburg stattfand, einen neuen Vorstand gewählt.

Zur Sprecherin der JfdL wählten die Mitglieder einstimmig die 20jährige Johanna Wagner. Johanna Wagner übernahm das Amt von Bernhard Speth (25, Medizinstudent), der sein Amt nach dreijähriger Amtszeit zur Verfügung gestellt hatte. Als Stellvertreter wurden Maria Grundberger 23, Hebamme aus Giessen) und Tobias-B. Ottmar (18, Schüler aus Darmstadt) gewählt. Zusammen mit den sechs weiteren Vorstandsmitgliedern wolle man die JfdL vorantreiben und bekannter machen, so Wagner.

"Jugendliche scheinen sich heutzutage oft nicht den möglichen Konsequenzen des Geschlechtsverkehrs bewusst zu sein", meinte Wagner. Dies machten die ansteigenden Schwangerschaften und Abtreibungen von minderjährigen Mädchen deutlich. "Als Jugendorganisation der ALfA sehen wir es als unseren Auftrag an, die Würde des ungeborenen Lebens auf kreative Weise zu vermitteln."

Neben den Vorstandswahlen standen auch Seminare über die rechtliche Entwicklung der Abtreibung, Fortpflanzungsmedizin und Schuleinsätze auf dem Programm. Eine "Culture of Life Party" sorgte für den Höhepunkt des Wochenendes. Für weitere Informationen kann die die Homepage www.jugendfuerdasleben.de zu Rate gezogen werden.

(mehr dazu: www.jugendfuerdasleben.de)

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