ALfA-Newsletter vom 13.06.2003

News

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In kleinen Schritten für das Leben: USA wollen "Partial birth abortion" verbieten

Washington (ALfA). Das amerikanische Abgeordnetenhaus hat einen Gesetzentwurf zum Verbot einer bestimmten Praxis von Spätabtreibungen verabschiedet. Das berichtet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 7. Juni). Seit der Legalisierung des Abtreibungsrechts durch das Oberste amerikanische Gericht im Jahr 1973 sei dies die erste größere gesetzliche Einschränkung. Mit dem Votum sei die republikanische Zweidrittel-Mehrheit im Repräsentantenhaus einer ähnlichen Entscheidung des ebenfalls von Republikanern dominierten Senats vom März gefolgt (vgl. ALfA-Newsletter vom 14. März).

Schon in wenigen Wochen könnte das Gesetz nach Angleichung der Entwürfe von Präsident George Bush unterzeichnet werden. Bush habe bereits seine Zustimmung signalisiert. Damit könnte nach einer mehr als achtjährigen parlamentarischen Auseinandersetzung die Praxis der "Partial birth abortion" (Teil-Geburts-Abtreibung) unterbunden werden, so die Zeitung. Dabei werde das Kind getötet, wenn sein Kopf bei der Geburt schon ausgetreten ist. Nach einem gezielten Schnitt werde das Gehirn abgesaugt, bevor das Kind vollständig geboren sei. Abtreibungsbefürworter haben laut der "Tagespost" bereits vorab eine Verfassungsbeschwerde gegen das neue Gesetz angekündigt. Das Oberste Gericht gelte in dieser Frage als gespalten.

In der Vergangenheit war ein Verbot von Spätabtreibungen an der ablehnenden Haltung Präsident Clintons gescheitert. Die Bush-Regierung plant seit ihrem Amtsantritt ein generelles Verbot von Abtreibungen nach der 22. Schwangerschaftswoche, sofern nicht das Leben der Mutter gefährdet ist.

(mehr dazu: www.die-tagespost.com)

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Lachen mit Kant: Der Philosoph Volker Gerhardt hat es nicht so gemeint

Berlin (ALfA). Der Berliner Philosoph Volker Gerhardt, Mitglied des Nationalen Ethikrates, fühlt sich missverstanden, nachdem er in die öffentliche Kritik geraten war, weil er Präsident Bush als "Dumpfbacke aus Texas" bezeichnet hatte (vgl. ALfA-Newsletter vom 3. Mai). Das meldet die "Frankfurter Rundschau" (Ausgabe vom 6. Juni). Gerhardt habe betont, sein Ziel sei es gewesen, "diese dümmliche Arroganz gegenüber der Nation, der wir Deutschen mehr verpflichtet sind als jeder anderen, ironisch zu überzeichnen".

Der stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Hubert Hüppe, hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder aufgefordert, Gerhardt wegen der "öffentlichen Beschimpfung" Bushs aus dem Ethikrat abzuberufen.

(mehr dazu: www.fr-aktuell.de)

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Bevölkerungsimplosion: CDL fordert Nachdenken auch über Abtreibung

Meschede (ALfA). Die Politik muss umfangreicher und konsequenter auf die demographische Entwicklung reagieren. Das fordert die Pressesprecherin der Christdemokraten für das Leben (CDL), Astrid Mannes, anlässlich der jüngsten Berechnungen der demographischen Entwicklung durch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in einer Mitteilung an die Presse. Dem dramatischen Geburtenrückgang müsse mit einer familienfreundlicheren Politik begegnet werden. Diese dürfe sich nicht in Ganztagsbetreuung und Kindergartenplätzen erschöpfen. Frankreich habe vorgemacht, dass eine positive Geburtenentwicklung möglich sei, so die CDL-Pressesprecherin.

In diesem Zusammenhang müsste auch über eines der Hauptübel der negativen Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, die Abtreibung, nachgedacht werden. Jährlich würden in Deutschland Kinder in einer zahlenmäßigen Größenordnung einer Stadt wie Potsdam abgetrieben. Damit werde nicht nur jedes einzelne dieser Kinder um sein Leben gebracht, sondern die gesamte Gesellschaft um ihre Zukunft und Bestandsfähigkeit. Besonders erschreckend und traurig, so Mannes weiter, seien die hohen Abtreibungszahlen vor dem Hintergrund, dass viele Paare in Deutschland ungewollt kinderlos seien und kein Kind adoptieren könnten, da zu wenige Kinder zur Adoption freigegeben würden. Mannes forderte die Bundesregierung auf, die Abtreibungsfrage neu zu regeln und ungeborenen Kindern über Adoptionen ihr Lebensrecht zukommen zu lassen.

(mehr dazu: www.cdl-online.de)

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Mit der Lizenz zur ungeschlechtlichen Vermehrung: HEFA stattet Forscher aus

London (ALfA). Die britische Stammzell-Behörde "Human Fertilisation and Embryology Authority" (HFEA) hat die erste Lizenz zur Jungfernzeugung eines menschlichen Embryos erteilt. Das melden die "Deutsche Presseagentur" (dpa) (10. Juni) sowie die "Netzeitung" (Ausgabe vom 11. Juni). Die schottischen Erschaffer des Klonschafs Dolly, ein Forscherteam um Ian Wilmut, hätten die Erlaubnis erhalten, am Roslin Institute in Edinburgh menschliche Eizellen so zu stimulieren, dass sich auch ohne Befruchtung durch Spermien Embryonen bildeten. Danach sollten Stammzellen entnommen und an ihnen die Wirkung neuer Medikamente getestet werden, so die dpa.

Bei der Jungfernzeugung (griech.: Parthenogenese) verwenden Forscher spezielle kalziumhaltige Lösungen, um die Eizelle zur Teilung anzuregen. Nachdem sich der Embryo zuerst scheinbar normal entwickelt, stoppt - wahrscheinlich aufgrund des fehlenden männlichen Erbgutanteils - die Entwicklung, bevor sich die Organe bilden können.

(mehr dazu. www.netzeitung.de)

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Da lacht die Börse: Geron erhält Stammzell-Patent

Menlo Park (ALfA). Der kalifornischen Biotechnikfirma Geron ist von der amerikanischen Patentbehörde ein wichtiges Patent zur Nutzung embryonaler Stammzellen des Menschen zugesprochen worden. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 13. Juni). Dabei gehe es um ein Verfahren, das die Abtrennung der differenzierenden und damit therapeutisch nutzbaren von den unbrauchbaren Zellen ermögliche.

1998 seien Wissenschaftler von Geron an der erstmaligen Kultivierung solcher Zellen beteiligt gewesen. Daraufhin hätte die Firma die Forschung zur therapeutischen Anwendung der Stammzellen vorangetrieben. Nachdem die Regierung interveniert und Präsident Bush einen Erlass verordnet hätte, der die Nutzung solcher Zelllinien stark einschränke, sei Geron zusehends in Schwierigkeiten geraten. Knapp die Hälfte seiner Mitarbeiter habe das Unternehmen entlassen müssen. Ob es nach Erhalten des Patents die Forschung und klinische Erprobung nun weiter vorantreiben werde, sei unklar. Der Aktienkurs sei jedenfalls schlagartig um fünfzehn Prozent gestiegen.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Bündnis gegen Biopiraten: BÄK, Misereor und Greenpeace gegen Stoff-Patente

Berlin (ALfA). Mit der "Erklärung von Berlin" haben die Bundesärztekammer (BÄK), die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das katholische Hilfswerk Misereor gemeinsam an die Bundesregierung appelliert, Patente auf Leben zu verbieten. Das geht aus einer gemeinschaftlich verfassten Pressemitteilung hervor (6. Juni). Nach Auffassung der drei Organisationen muss sich die Regierung endlich für die Neuordnung des Patentrechtes auf europäischer Ebene einsetzen. Im Wesentlichen stütze sich die "Erklärung von Berlin" auf die Voten der Bundestag-Enquete-Kommissionen für Bio-Ethik und für Globalisierung. Die Enquete-Kommissionen fordern, Patente auf Pflanzen, Saatgut, Tiere und Gene zu verbieten und lediglich einzelne technische Verfahren zu Patenten zuzulassen.

Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace, fordert die Bundesregierung auf, "die Beschlüsse von Bundesrat, Europarat, Europäischem Parlament und den Enquete-Kommissionen des Bundestages nicht länger zu missachten." Diese hätten sich längst übereinstimmend gegen Gen-Patente ausgesprochen. Bernd Nilles von Misereor betont die globalen Auswirkungen des Patentrechts: "Die Patentrichtlinie findet keine Antwort auf die fortdauernde Biopiraterie - die unrechtmäßige Aneignung genetischer Ressourcen. Patente auf Pflanzen, Tiere, ihre Teile und Gene schränken den Zugang der Menschen - insbesondere der Bauern - zu Ressourcen wie Saatgut ein und stellen damit eine Gefahr für die Welternährung dar."

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Außergewöhnlich: ZdK-Mitglied Nickels fordert vom Vatikan mehr Einflussnahme

Rom (ALfA). Die Grünen-Politikerin Christa-Nickels, religionspolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag und Mitglied der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", hat den Vatikan aufgefordert, bei der Diskussion um die Gentechnik nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln. Das meldet "Radio Vatikan" (12. Juni). Der Kirchenstaat müsse seinen Einfluss in Brüssel geltend machen, um eine Aufweichung der Gesetzeslage zu verhindern, so Nickels. Es bedürfe jetzt einer gemeinsamen Anstrengung aller Kräfte, die der Gentechnik kritisch gegenüberstünden. Die Bundestagsabgeordnete hält sich zurzeit zu Gesprächen im Vatikan auf.

(mehr dazu: www.vaticanradio.org)

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Zu Risiken und Nebenwirkungen: BÄK für Arztvorbehalt bei Gentests

Berlin (ALfA). Für einen Arztvorbehalt bei Gentests hat sich die Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin ausgesprochen. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Ausgabe vom 11. Juni). "Dem Patienten muss gerade auf dem sensiblen Gebiet der genetischen Information die größtmögliche Sicherheit gegeben werden", habe der Präsident der BÄK, Jörg-Dietrich Hoppe, die Forderung begründet. Nach der kürzlich veröffentlichten Richtlinie der Bundesärztekammer zur prädiktiven genetischen Diagnostik sollten Gentests ausschließlich von entsprechend qualifizierten Ärzten vorgenommen werden.

"Tests mit dem Ziel der prädiktiven genetischen Diagnostik am Menschen dürfen nur unter ärztlicher Verantwortung durchgeführt werden. Insbesondere obliegen dem Arzt die Veranlassung, die Interpretation und die Übermittlung der Befundergebnisse", heiße es in der Richtlinie. Die genetische Diagnostik setze ein besonderes Vertrauensverhältnis voraus und müsse deshalb dem Arzt vorbehalten bleiben. Patienten könnten auf die Schweigepflicht ebenso wie auf die Sachkenntnis des Arztes vertrauen.

Die prädiktive genetische Diagnostik erlaubt eine Vorhersage darüber, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingte Erkrankungen auftreten.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Wo gibt es noch Organe? DSO bemängelt Meldepraxis von Krankenhäusern

Neu-Isenburg (ALfA). Fast die Hälfte der Krankhäuser in Deutschland meldet mögliche Spenderorgane nicht an die zuständigen Stellen. Das berichtet die "Deutsche Presseagentur" (6. Juni) unter Berufung auf Aussagen der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Die DSO koordiniert seit 2000 die Organspende in Deutschland.

In den meisten Kliniken herrsche wachsende Personalknappheit und ein immer stärkerer Zeitdruck, so Dietmar Mauer, Geschäftsführender Arzt der DSO-Region Mitte in einem dpa-Gespräch. Die Organspende gelte in einigen Kliniken noch immer als "lästige Zusatzaufgabe". Um die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen, müsse sich das Gesundheitswesen "zunächst an die eigene Nase fassen", zitiert dpa Mauer. "Wir müssen die Kliniken dazu bringen, mehr Organe zu melden."

Derzeit würden bundesweit mehr als 11.500 Patienten auf Spenderorgane warten. Zur Verfügung stünden nur halb so viele, wie benötigt würden. Laut DSO würden täglich 11 lebensrettende Transplantationen durchgeführt, während drei Menschen stürben, weil sie keine Spenderorgane erhielten.

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Mangelhaft, setzen: Expertin aus Norwegen kritisiert Palliative-Care in Deutschland

Dortmund (ALfA). Bettina Sandgathe-Husebö, Chefärztin der größten geriatrischen Einrichtung Norwegens, hat die Begleitung von Sterbenden in deutschen Pflegeheimen als mangelhaft bezeichnet. Das berichtet die Deutsche Hospiz Stiftung in einer Mitteilung an die Presse (12. Juni). Nur wenn radikal auf ein umfassendes Konzept zur Begleitung Schwerstkranker und Sterbender in den Heimen umgestellt werde, ließen sich die äußerst unbefriedigenden Zustände grundlegend verändern.

Unter Palliative-Care sei zu verstehen: die umfassende psychosoziale, pflegerische, medizinische und seelsorgliche Begleitung Schwerstkranker und Sterbender. Notwendig dazu seien finanzielle Anreize, denn ohne ein qualifiziertes und motiviertes Personal blieben die guten Ideen im Ansatz stecken, so Sandgathe-Husebö. "Auch in Deutschland gibt es Altenpflegerinnen und -pfleger sowie Krankenschwestern, die hoch motiviert und engagiert sind. Tatsächlich macht sie aber das System, welches abrechnungstechnisch nur starre Abläufe zulässt, mürbe."

Die Ärztin habe festgestellt, dass sich in Norwegen eine eigene medizinische Versorgung für Altenheime bewährt habe. Die Situation in Deutschland, bei der der Hausarzt seine Patienten auch nach dem Umzug ins Heim betreut, halte sie langfristig für nicht tragfähig: In Zukunft würden immer mehr Menschen in Altenheimen betreut werden müssen. Ohne eigene, spezialisierte Ärzte in den Heimen sei das nicht zu schaffen.

(mehr dazu: www.hospize.de)


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