ALfA-Newsletter vom 17.09.2004

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"Enttäuschend": Nationaler Ethikrat gibt Votum zum Klonen ab

Berlin (ALfA). Der Nationale Ethikrat hat sich gegen eine Zulassung des Forschungsklonens zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Das berichten unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Die Welt", "Die Tagespost" (Ausgaben vom 14. September), die "Ärzte Zeitung" (Online-Ausgabe vom 14. September) sowie der "Spiegel" (Online-Ausgabe vom 13. September). Trotz unterschiedlicher Positionen innerhalb des Gremiums werde diese Empfehlung von allen 25 Mitgliedern getragen, so der Vorsitzende des Ethikrats, Spiros Simitis. In dem 70seitigen Dokument plädieren zwölf Mitglieder des Gremiums für eine generelle Zulassung des Forschungsklonens. Dass sie dennoch dem Moratorium zugestimmt haben, begründet Wissenschafts-Soziologe Wolfgang van den Däle, Mitglied im Nationalen Ethikrat, laut der "Welt" damit, dass sie in der "moralisch hoch aufgeladenen deutschen Debatte" ein Friedenszeichen setzen wollten. Nun solle mehr Ruhe für eine sachliche Auseinandersetzung gefunden werden. Sollten sich allerdings bei der internationalen Forschung beachtliche Heilerfolge für kranke Menschen zeigen, müssten auch die deutschen Gen-Techniker einstiegen, so van den Däle.

Für die generelle Beibehaltung des Klonverbots plädieren fünf Mitglieder des Ethikrates in ihrem Gruppen-Votum, "weil dabei Embryos vernichtet werden, die eigens zur Forschung hergestellt werden", zitiert "Die Welt" den Moraltheologen Eberhard Schockenhoff. Fünf weitere Mitglieder sprechen sich dafür aus, das Verbot "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" nicht aufzuheben. Begründet werde dies mit unsicheren Erfolgsprognosen bei einem zugleich moralisch fragwürdigem hohen Verbrauch von Eizellen. Drei Mitglieder des von Kanzler Schröder eingesetzten Ethikrates konnten sich keiner Position anschließen.

Einstimmig haben sich die Mitglieder dagegen für ein Verbot des reproduktiven Klonens ausgesprochen.

Die Entscheidung des Nationalen Ethikrates ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nannte das Votum einen angemessenen Vorschlag. Wie die "Rheinische Post" (Online-Ausgabe vom 14. September) berichtet, hat die Politikerin betont, dass die Debatte um die Zulässigkeit des Klonens keineswegs beendet sei, sondern parallel zur Entwicklung der Forschung geführt werden müsse. "Wenn wir irgendwann vor der Frage stehen", die Technik für die Heilung von Krankheiten zu nutzen, müsse die Diskussion erneut geführt werden, so Bulmahn laut der "Rheinischen Post".

Auf Kritik stieß das Votum dagegen bei mehreren Unionspolitikern. Der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquetekommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Thomas Rachel, erklärte gegenüber der Presse (13. September), der Ethikrat relativiere die Bedeutung des Klonverbotes. Seine Empfehlung enthalte einen Türöffner für das Klonen von Forschungszwecken. "Die ethische Bewertung des Forschungsklonens kann nicht von der Entwicklung der Gesellschaft abhängig sein", so Rachel. Es gehe um den Schutz des Embryos. "Seine Menschenwürde und sein Recht auf Leben werden von uns nicht nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt, sondern auch in Zukunft zu achten sein." Unterstützung bekam Rachel von seinem Parteifreund Hubert Hüppe. "Wer den durch Klonen erzeugten Embryo als Grundrechtsträger erkennt, kann nicht nur "gegenwärtig" das Verbot des Forschungsklonens befürworten. Schließlich ist die Menschenwürde nicht zeitlich limitiert", so Hüppe in einer Mitteilung an die Presse (13. September).

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Maria Böhmer forderte in einer Pressemitteilung (13. September) dazu auf, "die durch unklare Aussagen des Ethikrates erzeugte Konfusion und die rückwärts gewandte, unproduktive Diskussion zu beenden und sich auf neue Wege medizinisch attraktiver und ethisch unbedenklicher Forschung an adulten Stammzellen, Stammzellen aus Nabelschnurblut und Fruchtwasser zu konzentrieren."

Auch Befürworter des Forschungsklonens kritisierten das Votum des Ethikrats. Der CDU-Abgeordnete Peter Hintze sagte laut der "Rheinischen Post", es sei enttäuschend, dass der Ethikrat sich "diesem wichtigen Thema so defensiv geäußert hat". Es wäre richtig, sich diesem menschenfreundlichen und zukunftsweisenden Forschungsbereich stärker zuzuwenden. Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Forschungsausschusses im Bundestag, Ulrike Flach (FDP). Sie sei enttäuscht, dass die Mehrheitsmeinung nicht in Form einer echten Empfehlung an die Politik formuliert worden sei, so die FAZ. Sie zeigte sich allerdings laut der "Rheinischen Post" zuversichtlich, dass das Forschungsklonen in Deutschland bald erlaubt werde. "Ich glaube, dass wir doch kurz vor dem Durchbruch sind", zitiert das Blatt Flach.

(mehr dazu: www.faz.net; www.welt.de; www.die-tagespost.de; www.aerztezeitung.de; www.spiegel.de; www.rp-online.de)

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Unbegrenzte Stammzellforschung: Clement heizt Debatte an

Berlin (ALfA). Nach dem Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), die Stammzellforschung in Deutschland unbegrenzt zuzulassen, ist unter den Bundestagsabgeordneten die Debatte neu entfacht. Das berichtet "Die Welt" (Ausgabe vom 11. September). Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Arbeit, Rainer Wend, habe den Vorstoß Clements begrüßt. "Wir müssen moderne Technologien wie die Bio- und Gentechnologie und die Stammzellforschung in Deutschland stärker nutzen, weil die Zukunft ganz eindeutig in diesen Technologien liegt", zitiert "Die Welt" den SPD-Politiker. Er habe angeregt, die Debatte über die ethische Problematik der embryonalen Stammzellforschung neu zu überdenken. Sie sei bislang "zu einseitig" geführt worden. "Wir können uns nicht auf den Standpunkt stellen, dass wir die Risiken zunächst den Forschern im Ausland überlassen und nur dann deren Ergebnisse nutzen, wenn etwas dabei herausgekommen ist. Das ist nicht sonderlich moralisch", so Wend laut der "Welt".

Wie das Blatt weiter berichtet, erhielt Clement auch Unterstützung von der Forschungsexpertin der CDU, Katherina Reiche. "Ich schlage vor, dass wir die in Deutschland überzähligen Embryonen für die Forschung freigeben", zitiert die Zeitung Reiche. Dagegen habe die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Maria Böhmer die Forderung nach einer Lockerung der Stammzellregelung zurückgewiesen.

Auch die Liberalen hätten den Vorstoß des Bundeswirtschaftsministers begrüßt, so die Zeitung weiter. FDP-Chef Guido Westerwelle habe erklärt, nur mit Hilfe der Gentechnik könnten viele schreckliche Krankheiten besser bekämpft werden. Er habe angekündigt, die FDP werde durch Anträge im Bundestag "Herrn Clement die Gelegenheit geben, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen", zitiert "Die Welt" Westerwelle.

Clement hatte in der Haushaltsdebatte des Bundestages gesagt, es sei nötig, "dass wir die Stammzellforschung in Deutschland unbegrenzt zulassen müssen". Er betonte, man werde Forschung in der Bio- und Gentechnologie nur dann haben, wenn man in Deutschland auch die Chance zur Anwendung der Ergebnisse lasse. "Die Bremsen müssen auch weg, wo es in Deutschland um Forschung, Entwicklung und auch um die Anwendung der Ergebnisse der Forschung in Deutschland geht", so Clement (vgl. ALfA-Newsletter vom 10. September).

(mehr dazu: www.welt.de)

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Erfolgsrate erhöhen: DGGG fordert Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Hamburg (ALfA). Deutsche Frauenärzte haben sich für eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes ausgesprochen. Das berichten das "Hamburger Abendblatt" (Ausgabe vom 15. September) sowie die "Ärzte Zeitung" (Online-Ausgabe vom 16. September). Auf dem 55. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in Hamburg habe der DGGG-Präsident Klaus Diedrich erklärt: "Es kann nicht sein, dass in Deutschland Patienten suboptimal versorgt werden, weil ein veraltetes Gesetz den Einsatz neuer Techniken verhindert", zitiert das "Hamburger Abendblatt" Diedrich. Mit Hilfe der in Deutschland verbotenen Präimplantationsdiagnostik (PID) könnten bei künstlichen Befruchtungen Mehrlingsschwangerschaften reduziert und die Erfolgsraten erhöht werden.

Wie die Zeitungen weiter berichten, erklärte Diedrich: "Wir können mit einem Blick durch das Mikroskop erkennen, wie sich der frühe Embryo entwickelt, ob er sich regelmäßig und gleichmäßig teilt. Wenn wir nur einen einzigen, ausgewählten Embryo in die Gebärmutter einsetzen würden, würden wir den Frauen viele Belastungen ersparen." Er plädiere auch dafür, bei bestimmten Erkrankungen der Eltern die genetische Untersuchung des Embryos zuzulassen.

In Deutschland dürfen bei einer künstlichen Befruchtung maximal drei Eizellen befruchtet werden, die dann alle in die Gebärmutter übertragen werden müssen.

Daneben forderte Diedrich laut "Hamburger Abendblatt" auch, dass die embryonale Stammzellforschung in einem liberaleren Gesetz neu geregelt werden solle.

(mehr dazu: www.abendblatt.de; www.aerztezeitung.de)

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Abtreibungsschiff das Einlaufen untersagt: EU fordert Rechtfertigung von Portugal

Straßburg (ALfA). Die EU-Kommission verlangt von Portugal Auskunft über das Anlegeverbot für das niederländische Abtreibungsschiff "Borndiep" der Organisation "Women on Waves". Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 16. September). Die EU-Umweltkommissarin Margot Wallström hat laut dem "Ärzteblatt" vor dem Europaparlament in Straßburg erklärt: "Wir wollen wissen, was die präzisen Motive für diese Entscheidung waren". Die EU-Staaten müssten einer Richtlinie zufolge begründen, warum sie Angehörigen aus anderen Mitgliedsländern den Zugang zu ihrem Territorium verweigern, so die schwedische Politikerin. Zulässige Gründe seien Gefahren für die öffentliche Ordnung, die Sicherheit und die Volksgesundheit.

Das portugiesische Verteidigungsministerium hatte Ende August dem Abtreibungsschiff das Einlaufen untersagt. Portugals Ministerpräsident Pedro Santana Lopez hatte betont, ein Anlegeverbot sei nötig, um das in Portugal geltende Verbot von Abtreibungen zu sichern (vgl. ALfA-Newsletter vom 3. September). In Portugal sind Abtreibungen nur bei schweren gesundheitlichen Risiken für die Mutter, bei Missbildungen des ungeborenen Kindes oder nach Vergewaltigung legal. Die Organisation "Women on Waves" hatte geplant, in Portugal anzulegen, schwangere Frauen aufzunehmen und ihnen dann außerhalb des portugiesischen Hoheitsgebietes in internationalen Gewässern Abtreibungspillen zu verabreichen.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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"Die trauen sich wieder mehr!": Abtreibungsbefürworter werden nervös

Wien (ALfA). Österreichische Abtreibungsbefürworter haben beklagt, dass ein verstärkter Zulauf bei Abtreibungsgegnern zu beobachten sei. In einer Mitteilung an die Presse (10. September) erklärte Christian Fiala, ärztlicher Leiter des Gynmed Ambulatoriums, einer Wiener Abtreibungsklinik, dies sei wohl darauf zurückzuführen, dass es nach dreißig Jahren Fristenregelung in Österreich eine Generation von Menschen gebe, "die keine Erinnerung mehr an die furchtbaren Folgen der Illegalität des Schwangerschaftsabbruchs haben." Auch SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer konstatierte einen Aufwind bei den Abtreibungsgegnern. Sie führt das auf den "Rückenwind" zurück, den Abtreibungsgegner durch Grußbotschaften von ÖVP-Spitzenpolitikern wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel oder den Nationalratsabgeordneten Liechtenstein erhalten. "Die trauen sich wieder mehr!", heißt es in der Pressemitteilung.

Anlass für die Presseaussendung war ein Kongress der "Internationalen Vereinigung von Fachkräften und Verbänden zu Schwangerschaftsabbruch und Kontrazeption" (FIAPAC), der unter dem Titel "Gemeinsam die Gesundheit von Frauen verbessern" am 10. und 11. September in Wien stattfand.

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Sterbehilfe wird salonfähig: Belgien legt Zahlen vor

Brüssel (ALfA). Erstmals seit der Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Belgien im September 2002 hat eine staatliche Kommission Zahlen vorgelegt. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 16. September) unter Berufung auf einen Bericht der Zeitung "La Libre". Demnach wurden bis Ende 2003 rund 260 Fälle von aktiver Sterbehilfe gezählt. Auffällig sei das Nord-Süd-Gefälle, so das "Deutsche Ärzteblatt". 80 Prozent der Fälle entfielen auf den niederländischsprachigen Norden, 20 Prozent auf den französischsprachigen Süden.

Laut dem "Ärzteblatt" ist das belgische Gesetz zur aktiven Sterbehilfe zusammen mit dem niederländischen das liberalste Europas. Danach könne jeder Patient, der einem "dauernden und unerträglichen Leiden" ausgesetzt ist, von seinem Arzt aktive Sterbehilfe verlangen. Das gelte im Unterschied zu den Niederlanden selbst bei psychischen Erkrankungen.

Unterdessen hat die Deutsche Hospiz Stiftung mit Bestürzung auf die erstmalige Veröffentlichung einer Euthanasie-Studie aus Belgien reagiert. In einer Mitteilung an die Presse (16. September) erklärte Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung: "Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Anstatt auf eine gute Versorgung der Patienten am Lebensende zu setzen, werden Schwerstkranke mittels Giftspritze entsorgt." Besonders besorgniserregend sei, dass auf den niederländischsprachigen Teil des Landes 80 Prozent der Fälle entfallen. "Das bestätigt, dass dort, wo Euthanasie salonfähig ist, die Zahl der Tötungen steigt", so Brysch. Mit Selbstbestimmung habe dies nichts zu tun, denn sonst wäre die Verteilung in ganz Belgien gleich. Ebenso sei über die Dunkelziffer, die in den Niederlanden bei über 50 Prozent liege, nichts bekannt. "Es ist entsetzlich anzunehmen, dass das System Euthanasie fehlerfrei funktioniert. Denn sonst wären auch Missbrauchsfälle bekannt geworden", so Brysch.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de; www.hospize.de)

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Einladung der "Jugend für das Leben": Ehemaliger Abtreibungsarzt berichtet

Linz (ALfA). Der österreichische Verein "Jugend für das Leben" lädt ein zu einer Vortragsreihe zum Thema Abtreibung. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (16. September). Als Referenten seien Stojan Adasevic, ehemaliger Abtreibungsarzt, sowie Charlotte Fuhrmann, die vor 40 Jahren abgetrieben hat, eingeladen.

Stojan Adasevic hat laut "kath.net" als Gynäkologe in Belgrad über 40.000 ungeborene Kinder während seiner Laufbahn abgetrieben. Nach einem radikalen Gesinnungswandel engagiere er sich nun im Lebensschutz und habe seitdem in mehr als 280 Vorträgen, 80 Fernsehshows und zahlreichen Rundfunkauftritten gesprochen.

Wie "kath.net" weiter berichtet, finden die Vorträge in Salzburg (17. September um 19 Uhr im Saal der Salzburger Nachrichten, Karolingerstrasse 40, 5020 Salzburg), Graz (18. September um 20 Uhr im Saal der Pfarre St. Leonhard, 8010 Graz) und Wien (19. September um 18.30 Uhr im Churhaus der Dompfarre - Stephaniesaal, Stephansplatz 3, 1010 Wien) statt.

(mehr dazu: www.kath.net)


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