ALfA-Newsletter vom 18.06.2004

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Noch immer auf hohem Niveau: Abtreibungszahlen leicht zurückgegangen

Wiesbaden (ALfA). Im ersten Quartal 2004 wurden in Deutschland rund 33.800 vorgeburtliche Kindstötungen gemeldet. Das geht aus einer Pressemitteilung (14. Juni) des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. Gegenüber dem ersten Quartal 2003 sind das etwa 400 (minus 1,3 Prozent) Abtreibungen weniger. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, war die Hälfte der Frauen zum Zeitpunkt der Abtreibung ledig, verheiratet waren 44 Prozent. Knapp drei Viertel (71 Prozent) der Frauen waren zwischen 18 und 35 Jahre alt, rund 6 Prozent waren minderjährig, etwa 7 Prozent 40 Jahre und älter. 41 Prozent der Schwangeren hatten laut Statistischem Bundesamt vor der Abtreibung noch kein Kind lebend zur Welt gebracht.

In nur 2 Prozent der Fälle waren medizinische oder kriminologische Indikationen die Begründung für die vorgeburtliche Kindstötung. 98 Prozent der gemeldeten Abtreibungen wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Die meisten vorgeburtlichen Kindstötungen wurden mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt. Wie die Wiesbadener Behörde weiter mitteilt, ist im ersten Quartal 2004 der Anteil der Abtreibungen mit dem Mittel Mifegyne auf 7 Prozent (2.200 Abtreibungen) gestiegen. Damit hat die Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 Prozent zugenommen.

Zu 96 Prozent erfolgten die Abtreibungen ambulant, davon knapp ein Fünftel ambulant in Krankenhäusern und der Rest in gynäkologischen Praxen. 5 Prozent der Frauen ließen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die vorgeburtliche Kindstötung in einem Bundesland vornehmen, in dem sie nicht wohnten.

Anlässlich der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes hat die Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) die hohen Abtreibungszahlen in Deutschland kritisiert. In einer Mitteilung an die Presse (15. Juni) erklärte die Bundesvorsitzende der ALfA, Dr. med. Claudia Kaminski, der leichte Rückgang der gemeldeten Abtreibungen könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der Abtreibung um "ein gravierendes Problem handelt". Der Rückgang um 1,3 Prozent sei nicht auf eine vermehrte Akzeptanz des Lebensrechts ungeborener Kinder zurückzuführen, sondern erkläre sich durch den Rückgang der Zahl von Frauen im gebärfähigen Alter. "Diese sank allein zwischen 1996 und 2001 von 17,10 auf 16,78 Millionen", so Kaminski.

Mit mehr als 130.000 gemeldeten vorgeburtlichen Kindstötungen pro Jahr werde in Deutschland Jahr für Jahr quasi eine Stadt in der Größe von Potsdam entvölkert, so Kaminski weiter. "Geht man wie die ALfA davon aus, dass die Dunkelziffer noch einmal so hoch ist, handelt es sich bereits um zwei Städte dieser Größenordnung." Seit 1974 seien in Deutschland laut Statistischem Bundesamt mehr als 4 Millionen Kinder (Hellziffer) durch Abtreibung ums Leben gekommen. "Das entspricht einer Entvölkerung deutscher Metropolen wie Berlin und Köln", erklärte die ALfA-Bundesvorsitzende. Trotzdem sehe die Bundesregierung keinen Handlungsbedarf. Ihre Antwort auf die Kleine Anfrage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion lasse "jegliches Problembewusstsein" vermissen. Damit nicht genug, propagiere die Regierung jetzt auch noch die rezeptfreie Abgabe der frühabtreibenden "Pille danach", "offenbar mit dem Hintergedanken, dass diese Abtreibungen von keiner Statistik erfasst werden", so Kaminski.

(mehr dazu: www.destatis.de; www.alfa-ev.de)

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"Desinteresse der Regierung": Büchner über Abtreibungsgesetzgebung

Köln (ALfA). Der Vorsitzende der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e. V. (JVL), Bernward Büchner, hat die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Union bezüglich der deutschen Abtreibungspraxis scharf kritisiert. In einem in der katholischen Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 15. Juni) veröffentlichten Beitrag schreibt er, die Antwort "offenbart das Desinteresse der Regierung wie des Parlaments, die Auswirkungen der Gesetzesnovelle von 1995 genauer zur Kenntnis zu nehmen." Der geltende Paragraph 218 werde als "gesellschaftlicher Kompromiss" verstanden, an den fast niemand zu rühren wage. Dabei habe das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber eine Beobachtungspflicht auferlegt, um zu überprüfen, ob das Gesetz die tatsächliche Schutzwirkung tatsächlich entfalte. Dies müsse "in geeigneter Weise" geschehen, "etwa durch periodisch zu erstattende Berichte der Regierung". Solche Berichte seien nie vorgelegt worden, so der frühere Vorsitzende Richter am Verwaltungsgericht Freiburg.

Büchner bemängelt, dass die Zahlen der Statistik zur Praxis der Abtreibung "undeutlich" seien, teilweise würden überhaupt keine Statistiken erhoben. So seien selbst Statistiken vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, welche die Verfassungsrichter als "unerlässlich" bezeichnet hätten, nämlich über die relativen Quoten, die sich aus dem Verhältnis der Abtreibungszahl zur Gesamtbevölkerung, zur Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter, zur Zahl der Schwangerschaften oder der Lebend- und Totgeburten insgesamt errechneten. Damit nicht genug: "Keine Statistik gibt es ferner beispielsweise zu den vorgeburtlichen Tötungen, bei denen eine pränatal diagnostizierte Behinderung oder Schädigung des Kindes ursächlich für die Stellung einer medizinischen Indikation war", so Büchner. Darüber hinaus würde weder die Zahl der Abtreibungen erhoben, für die die gesetzlichen Krankenkassen Leistungen gewährten, noch die Höhe der Aufwendungen für "beratene" Abtreibungen.

Büchner erläutert weiter, dass die Bundesregierung als einzige Begründung für den angeblich fehlenden Handlungsbedarf die absolute Zahl der gemeldeten Abtreibungen nennt, die sich seit 1996 kaum verändert hat. Dabei lasse sie das hohe Meldedefizit von Abtreibungen, das laut Manfred Spieker bei 55 Prozent liegt, außer acht. Auch ignoriere sie die unbestreitbare Zunahme der relativen Abtreibungshäufigkeit.

Weiter behaupte die Bundesregierung "an der Realität vorbei", dass eine mögliche Behinderung des ungeborenen Kindes nicht für eine Abtreibung ausschlaggebend sei. "Bezüglich der Praxis der Spätabtreibungen zeigt sich die Regierung uninformiert und an der Gewinnung von Erkenntnissen nicht interessiert", kritisierte der JVL-Vorsitzende. Auch das Problem des Post-Abortion-Syndroms existiere offenbar für die Regierung nicht, obwohl zahlreiche Frauen unter den psychischen Spätfolgen einer Abtreibung schwer litten und ihre Erfahrungen auch dokumentiert hätten.

Der Erfolg eines "Beratungskonzepts" stehe und falle mit dem erhofften Schutzkonzept der vorgesehenen Beratung. "Deshalb muss sich die Beobachtungspflicht selbstverständlich vor allem auf die Effektivität der Beratung beziehen", so Büchner. Die Bundesregierung beschränke sich in ihrer Antwort darauf, auf die Zuständigkeit der Länder zu verweisen und die bundesgesetzliche Regelung zu Inhalt und Aufgabe der Beratung wiederzugeben. Das Bundesverfassungsgericht habe es dagegen für erforderlich gehalten, dass die Beratungsstellen in Rechenschaftsberichten regelmäßig die in ihrer Beratung gesammelten Erfahrungen niederlegen. Im geltenden Schwangerschaftskonfliktgesetz sei allerdings nur die Möglichkeit vorgesehen, "dass sich die zuständige Landesbehörde die jährlich von den Beratungsstellen zu erstellenden Erfahrungsberichte zum Zweck der Überprüfung vorlegen lässt, ob die Voraussetzungen der Anerkennung noch vorliegen", so der JVL-Vorsitzende weiter.

Büchner fordert den Bundestag auf, "alle ihm zur Verfügung stehenden Erkenntnismöglichkeiten zu nutzen, um sich von der Effektivität der gesetzlichen Beratung ein vollständiges und zuverlässiges Bild zu verschaffen."

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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"Erhebliche Unterschiede für fast jedes Gen": IvF gefährlicher als bislang vermutet?

Hamburg (ALfA). Genetiker und Reproduktionsmediziner befürchten, dass die künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibes, die sogenannte In-vitro-Fertilisation (IvF), beim Menschen ähnliche Schäden verursachen könnte wie das Klonen bei Tieren. Das berichten "Die Zeit" (Ausgabe vom 8. Juni) sowie die "Rheinische Post" (Online-Ausgabe vom 8. Juni). Dabei handele es sich um Erbschäden wie Unter- oder Übergewicht, seltene Entwicklungsstörungen oder Krebs. Die Schädigungen träten oft erst später auf.

"Mehrere innerhalb kürzester Zeit publizierte Beobachtungen lassen es möglich erscheinen, dass spezifische angeborene Syndrome nach IvF vermehrt auftreten", zitieren die Zeitungen aus einem Artikel des "Journals für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie". Die beobachteten Fehlbildungen seien "möglicherweise nur die Spitze des Eisberges". Beispielsweise sei ein vermehrtes Auftreten des Bewith-Wiedeman-Syndroms beobachtet worden, das mit Riesenwuchs, vergrößerten Organen und erhöhter Tumoranfälligkeit einhergeht. Wie die Zeitungen berichten, tritt ein ähnliches Phänomen bei geklonten Tieren auf.

Als Grund für das gehäufte Auftreten von Schädigungen nach einer künstlichen Befruchtung vermuten Mediziner, dass bei der künstlichen Befruchtung durch die veränderte Umgebung die heikle Steuerung der Gene falsch laufe. Der Tiermediziner Heiner Niemann vom Institut für Tierzucht in Mariensee bei Hannover habe möglichst identische Rinder-Embryonen miteinander verglichen, die bei einer künstlichen Befruchtung und auf natürliche Weise entstanden seien. "Dabei haben wir erhebliche Unterschiede für fast jedes gemessene Gen festgestellt", zitieren die Zeitungen Niemann.

(mehr dazu: www.zeit.de; www.rp-online.de)

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Künstliche Befruchtung auf dem Prüfstand: Erfolgsrate nimmt ab 35 deutlich ab

Paris (ALfA). Nach dem 35. Lebensjahr der Frau nimmt die Erfolgsrate von künstlichen Befruchtungen (IvF) deutlich ab. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 17. Juni) unter Berufung auf einen Artikel im Fachmagazin "Human Reproduction". Dort stelle Henri Leridon vom "Institut national d Etudes demographiques" (INED) in Paris-Cedex die Ergebnisse eines Computermodells vor, in dem er die Chancen von Frauen, auf natürliche Weise oder per künstlicher Befruchtung schwanger zu werden, in Abhängigkeit vom Lebensalter berechne.

Wie das "Ärzteblatt" weiter berichtet, zeigt das Computermodell, dass im Alter von 30 Jahren 75 Prozent aller Frauen im ersten Jahr auf natürlichem Weg schwanger werden, im Alter von 35 Jahren sind es noch 66 Prozent und bei Vierzigjährigen nur 44 Prozent.

Für die anderen Frauen brächten auch die Bemühungen von Reproduktionsmedizinern nicht immer den gewünschten Erfolg. Die Erfolgsrate der Reproduktionsmedizin nehme mit dem Alter der Frau ab. So betrage die Erfolgsrate, das heißt das Eintreten einer Schwangerschaft, im ersten IvF-Versuch bei Dreißigjährigen noch dreißig Prozent, im Alter von 40 Jahren läge sie nur noch bei 17 Prozent.

Zusammengefasst rechnet Leridon laut dem "Ärzteblatt" vor: Von 100 Frauen, die im Alter von dreißig Jahren ein Kind planen, würden 91 innerhalb von vier Jahren schwanger. Weiteren drei Frauen gelänge das in den folgenden zwei Jahren nach einer künstlichen Befruchtung, sechs Frauen blieben kinderlos. Im Alter von vierzig Jahren dagegen würden von den 100 Frauen nur noch 57 innerhalb der ersten beiden Jahre auf natürlichem Weg und sieben Frauen nach einer künstlichen Befruchtung schwanger. 36 Frauen blieben laut dieser Berechnungen kinderlos.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Bald britisches Menschenklonen? Feministisches Netzwerk ReproKult wehrt sich

London (ALfA). In Großbritannien berät die zuständige Regierungsbehörde (HFEA) über den ersten offiziellen Antrag zum Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken. Das berichten die "Neue Zürcher Zeitung", "Der Standard" (Online-Ausgaben vom 16. Juni) sowie "Yahoo!Nachrichten" (16. Juni). Wissenschaftler der Universität Newcastle wollten Embryonen klonen und aus ihnen Stammzellen entnehmen, die bei der Behandlung von Diabetes eingesetzt werden sollen. Geplant sei, die menschlichen Embryonen mit der gleichen Technik zu klonen, die auch schon beim Klonschaf "Dolly" angewandt worden sei. Allerdings solle sich der menschliche Embryo nicht vollständig entwickeln, sondern im Alter von 14 Tagen durch eine Stammzellentnahme getötet werden. Wie die Wissenschaftler erklärt hätten, würde sich eine Anwendungsmöglichkeit frühestens in fünf bis zehn Jahren ergeben. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, wäre das laut "Yahoo!Nachrichten" der erste offizielle Klonversuch in Europa.

Wie die Zeitungen weiter berichten, ist in Großbritannien das Forschungsklonen bereits seit dem Jahr 2001 erlaubt, allerdings ist die Zustimmung der HFEA erforderlich. Bislang sei noch keine solche Genehmigung erteilt worden. Auch der "Dolly"-Schöpfer Ian Wilmut vom Roslin-Institut hat angekündigt, einen Antrag zum Klonen menschlicher Embryonen zu stellen (vgl. ALfA-Newsletter vom 23. April).

Unterdessen hat das feministische Netzwerk "ReproKult - Frauen Forum Fortpflanzungsmedizin" an die HFEA eine Stellungnahme geschickt, in der ReproKult die britische Behörde bittet, von der Lizensierung dieses Projektes abzusehen. Das erklärte das Netzwerk gegenüber der Presse (7. Juni). ReproKult wende sich gegen die Erlaubnis des Forschungsklonens, weil damit unter anderem einer Kommerzialisierung reproduktiver Substanzen sowie ihrer Nutzung für die Interessen Dritter Vorschub geleistet werde. "Vor allem Frauen werden so zu Rohstoff-Lieferantinnen für die biomedizinische Forschung degradiert und dabei großen Gesundheitsrisiken ausgesetzt", so ReproKult. Die große Anzahl der benötigten Eizellen und Embryonen mache mittelfristig eine Limitierung auf sogenannte überzählige Eizellen und Embryonen undenkbar. Zudem würden Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen und deren überzählige Eizellen verwendet werden sollen, einem großen sozialen Druck ausgesetzt, diese auch zu "spenden", heißt es in der Pressemitteilung. Vor allem in Zeiten großer sozialer Ungleichheiten könnten sich vor allem ärmere Frauen genötigt fühlen, ihre Eizellen zu spenden - etwa im Gegenzug für eine verbilligte künstliche Befruchtung, was in Großbritannien bereits möglich ist und praktiziert wird. "Die Lizensierung des britischen Projektes würde einen Türöffner darstellen, der auf andere Länder Deregulierungsdruck üben könnte", so ReproKult.

(mehr dazu: www.nzz.ch; www.derstandard.at; www.yahoo.de; www.reprokult.de)

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Neue Debatte über embryonale Stammzellen: US-Senatoren schreiben an Bush

Washington (ALfA). 58 amerikanische Senatoren haben in einem offenen Brief an US-Präsident George W. Bush eine neue Debatte über das Pro und Contra der embryonalen Stammzellforschung gefordert. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 14. Juni). Aktueller Anlass für die neu entbrannte Diskussion sei der Tod des früheren Präsidenten Ronald Reagan, der an Alzheimer litt. Zu den Unterzeichnern gehören laut "Deutschem Ärzteblatt" auch 14 Republikanern. Nancy Reagan, Witwe des ehemaligen Präsidenten, hat sich ebenfalls öffentlich für eine Gesetzesänderung ausgesprochen.

Bush hatte im Jahr 2001 Forschungsprojekten an embryonalen Stammzellen enge Grenzen gesetzt, indem er verfügt hatte, dass öffentliche Gelder nur für Arbeiten eingesetzt werden dürfen, die ausschließlich mit den zu diesem Zeitpunkt schon bestehenden embryonalen Stammzelllinien experimentieren. Laut dem "Ärzteblatt" zeichnet sich allerdings nun ein Sinneswandel in der Öffentlichkeit, innerhalb der Ärzteschaft und auch bei den Politikern ab.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Fürsorgepflicht: Palliativmediziner fordert Beratungspflicht zur Patientenverfügung

Bonn (ALfA). Eberhard Klaschik, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und Chefarzt am Malteser-Krankenhaus Bonn, hat eine Beratungspflicht zur Patientenverfügung gefordert. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Ausgabe vom 14. Juni) sagte Klaschik, grundsätzlich begrüße er Patientenverfügungen, da sie in Grenzsituationen sehr hilfreich sein könnten. Sie könnten allerdings auch hinderlich sein, weil sie schwierig zu interpretieren seien. "Es gibt keine Frage, dass Menschen sich eine sinnvolle Chance zum Leben verbauen können, wenn sie frühzeitig Dinge festlegen oder ausschließen." Das müssten auch Patienten wissen, die eine Verfügung schreiben. "Deshalb müsste eigentlich eine Pflicht zur ausführlichen Beratung bestehen, die die Tragweite deutlich macht", so Klaschik. Als besonders problematisch beurteilt der Palliativmediziner mündliche Vereinbarungen: "Es gibt zahllose Beispiele, wie mündliche Äußerungen durch Hörensagen und Weitergabe verändert werden."

Klaschik zeigte sich besorgt darüber, "dass gegenwärtig der Patientenwille auf eine Art und Weise gestärkt wird, die das ärztliche Ethos, etwa die Fürsorgepflicht, wie etwas Schädliches aussehen lässt." Es sei zu befürchten, dass "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet" werde. "Wenn der Patientenwille absolut gesetzt wird, hat das schwere Auswirkungen auf das Arztbild", so Klaschik. Es gebe eine Tendenz, nach der der Arzt zum Vollstrecker bestimmter Wünsche werde. Ein kommunikatives Arzt-Patienten-Verhältnis drohe dann zu verschwinden.

Zum Vorschlag der Arbeitsgruppe des Bundesjustizministeriums "Patientenautonomie am Lebensende", im Strafgesetzbuch die sogenannte indirekte Sterbehilfe straffrei zu stellen, sagte Klaschik gegenüber der "Welt": "Dies sehe ich sehr kritisch." Bisher habe als passive Sterbehilfe gegolten, einen Menschen sterben zu lassen, bei dem der Sterbeprozess unwiderruflich eingesetzt habe. "Dieser neue Vorstoß umfasst jedoch eine völlig neue Definition von passiver Sterbehilfe, die ich so nicht mittragen kann."

(mehr dazu: www.welt.de)

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Schluss mit Körperwelten: Deutsche Behörden "noch nicht reif"

Frankfurt (ALfA). Rund acht Jahre nach ihrem Start wird die "Körperwelten"-Ausstellung des Leichpräparators Gunther von Hagens nicht mehr in Deutschland zu sehen sein. Das melden "Die Welt" (Ausgabe vom 14. Juni), die "Hamburger Morgenpost" sowie die "Frankfurter Neue Presse" (Online-Ausgaben vom 12. Juni). Die Behörden seien für die von ihm entwickelte Ausstellung noch nicht reif, so van Hagens gegenüber der dpa. Deshalb werde er die Klärung der rechtlichen Voraussetzungen abwarten, bis er die Schau wieder in Deutschland zeigen werde. Die Ausstellung mit präparierten Leichen solle nun in den USA gezeigt werden.

"Es kann nicht sein, dass ich die Stücke auf der ganzen Welt ohne Zensur zeigen kann, nur in Deutschland nicht", zitieren die Zeitungen den Plastinator. Deshalb müsse der Rechtsstreit ausgefochten werden. Wie die Zeitungen weiter berichten, laufen zur Zeit mehrere Verfahren, in denen der wissenschaftliche Anspruch der Leichen-Schau überprüft wird, da in Deutschland Tote nur unter dieser Voraussetzung in der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen. Der Plastinator hatte eine Erklärung für diese Schwierigkeiten der Deutschen: "Da spielt die NS-Schuld mit Sterbehilfe und Menschenversuchen eine große Rolle", zitieren die Zeitungen van Hagens.

Nach Angaben des Plastinators sind mehrere deutsche Städte an einer Dauerausstellung interessiert. Man habe bereits mit Mannheim, Heidelberg und Berlin Gespräche geführt. Allerdings müssten die Verwaltungen auf eine klare Rechtslage warten. Weltweit sind laut den Zeitungen zur Zeit zwei Körperwelten-Ausstellungen zu sehen, die bisher insgesamt rund 13 Millionen Besucher angelockt haben. Eine dritte Schau solle im kommenden Frühjahr in Spanien oder Italien gezeigt werden, so van Hagens. "Glanzlicht wird ein Eiskunstlaufpaar sein", zitieren die Blätter van Hagens.

(mehr dazu: www.welt.de; www.mopo.de; www.rhein-main.net)

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Zum Andenken an die "Sternenkinder": Beisetzungsfeier für abgetriebene Kinder

Sylt (ALfA). Auf einem neün Friedhof in Westerland hat eine Beisetzungsfeier für abgetriebene Kinder und Fehlgeburten stattgefunden. Das meldet die "Sylter Rundschau" (15. Juni). Am 18. Juni habe die Westerländische Pastorin Anja Lochner alle Betroffenen Familienangehörige zum Andenken an die "Sternenkinder" eingeladen.

(mehr dazu: www.sylter-rundschau.de)

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ALfA weitet Schwangerenberatung aus: Kompetente Ratgeber gesucht

Düsseldorf (ALfA). In den vergangenen Wochen hat die Zahl der hilfesuchenden Schwangeren, die sich an die Beratungsstelle der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) gewandt haben, erheblich zugenommen. Deshalb bittet die ALfA um Mithilfe. Gesucht werden Personen, die Auskunft geben können über rechtliche Themen wie "Schwangerschaft und Probezeit" oder die Durchsetzung von Ansprüchen gegenüber Ämtern. Gefragt ist auch medizinischer Rat bei Themen wie "Medikamente in der Schwangerschaft", "Krankheit beziehungsweise Behinderung der Mutter oder des Kindes". Darüber hinaus werden Freiwillige gesucht, die sich bereiterklären, eine Schwangere zu begleiten oder bei sich aufzunehmen oder die sich als Babysitter zur Verfügung stellen. Interessenten können sich bei Frau Brigitte Kaiser-Afroune unter der Telefonnummer 0211/97 03 977 oder per Email unter der Adresse "beratung-alfa@gmx.de" melden.

(mehr dazu: www.alfa-ev.de)


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