ALfA-Newsletter vom 19.09.2003

News

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Erste Klonschwangerschaft noch in diesem Jahr? Antinori bekommt Konkurrenz

London (ALfA). Der amerikanische Gentechniker Panos Zavos will nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr einen geklonten menschlichen Embryo in die Gebärmutter einer Frau einpflanzen. Das berichten "Spiegel Online" sowie die britische Tageszeitung "The Independent" (Ausgaben vom 16. September). "Wir haben den ersten menschlichen Embryo zum Zweck der Fortpflanzung geschaffen", zitiert "Spiegel Online" Zavos, der Direktor des Andrology Institute of America ist.

Eigentlich sei der Beginn des Experiments schon für Juli geplant gewesen, doch hätten Komplikationen bei der Leihmutter eine Verzögerung verursacht. "Die Schwangerschaft ist aber noch für dieses Jahr geplant", so Zavos. Sollte die Schwangerschaft erfolgreich verlaufen, wäre das erste geklonte Kind ein Mädchen.

Monatelang habe er im Labor für den Menschenversuch trainiert, indem er menschliche Zellen in die leeren Eizellen von Kühen einschleuste, so der Wissenschaftler. Bei den Experimenten mit 600 bis 700 Kuh-Zellen seien rund 200 Hybrid-Embryonen entstanden. Dies sei eine bemerkenswerte Erfolgsquote von 40 Prozent, habe Zavos erläutert. "Wir lernen dadurch, unser System so zu verfeinern, dass wir es auf den Menschen anwenden können." Der menschliche Embryo, der im Rahmen des Experimentes einer Leihmutter eingepflanzt werden soll, sei bei einer Größe von zehn Zellen eingefroren worden. Nach dem Auftauen werde er auf Defekte überprüft. Wenn Fehler gefunden würden, werde die Prozedur abgebrochen, gibt "Spiegel Online" den Gentechniker wieder.

Schon Anfang des Jahres hatte der italienische Gynäkologe Severino Antinori behauptet, dass ein geklontes Baby im Januar zur Welt gekommen sei. Beweise dafür hat er allerdings bis jetzt noch nicht erbracht. Darüber hinaus hatte er im Juli dieses Jahres ein Foto eines angeblich geklonten Embryos angekündigt (vgl. ALfA-Newsletter vom 4. Juli 2003).

(mehr dazu: www.spiegel.de; www.independent.co.uk)

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"Horrorvision vom designten Menschen": Spermien aus Stammzellen gezüchtet

Tokio (ALfA). Japanischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, aus embryonalen Stammzellen lebensfähige Spermien zu gewinnen. Das berichten "Die Welt" (Ausgabe vom 17. September) sowie das Magazin "Stern" (Online-Ausgabe vom 15. September). Ein Forscherteam vom Mitsubishi Kagaku Institute of Life Sciences in Tokio habe zwar lediglich mit Mäusen experimentiert, doch seien sich Experten grundsätzlich darin einig, dass diese Methode auch auf menschliche Stammzellen übertragbar sei.

Vergangenen Mai hatten die Forscher mitgeteilt, dass sie Spermien aus embryonalen Stammzellen gezüchtet hätten (vgl. ALfA-Newsletter vom 9. Mai). Damals war noch nicht bekannt, ob mit solchen Spermien auch gesunde Mäusejungen gezeugt werden könnten. Jetzt haben sich laut der "Welt" die im Labor geschaffenen Spermien als lebensfähig und aktiv erwiesen. Ihnen sei es gelungen, die Hülle von Mauseiern zu durchdringen und sie zu befruchten. Die so befruchteten Eier hätten sich durch Zellteilung normal weiterentwickelt, so der Leiter der Forschergruppe, Toshiaki Noce.

Bereits im Mai war es Wissenschaftlern unter Leitung von Hans Schöler gelungen, Stammzellen von Mäusen in Eizellen zu verwandeln (vgl. ALfA-Newsletter vom 2. Mai). Damit sei es jetzt also möglich, sowohl Eier als auch Spermien aus embryonalen Stammzellen zu gewinnen und anschließend daraus ein neues Lebewesen entstehen zu lassen, heißt es in der "Welt". Mögliche Anwendungsszenarien seien bizarr. So werde es etwa denkbar, dass ein homosexuelles Paar ein Kind "zeugen" könne, das wirklich aus dem Erbgut beider "Väter" kombiniert sei. Daneben eröffne der jüngste Forschungserfolg auch die Möglichkeit, Spermien aus zuvor gentechnisch veränderten Stammzellen zu erschaffen, so das Blatt weiter. Der Horrorvision von nach bestimmten Vorstellungen designten Menschen kämen wir damit einen Schritt näher.

(mehr dazu: www.welt.de; www.stern.de)

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Dolly-Erfinder sind pleite: Schottische Biotechnologiefirma soll verkauft werden

London (ALfA). Die durch das Klonschaf Dolly bekannte schottische Biotechnologiefirma PPL Therapeutics soll verkauft werden, nachdem Anteilseigner der Entwicklung eines neuen Projektes nicht zugestimmt hatten. Das melden die "Süddeutsche Zeitung", "Spiegel Online" sowie die "Financial Times Deutschland" (Ausgaben vom 16. September). Bereits seit längerem befindet sich PPL in finanziellen Schwierigkeiten. Vor drei Monaten hatte die Firma eine gemeinsame Projektentwicklung mit dem deutschen Bayer-Konzern gestoppt. Schon im vergangenen Jahr war die Stammzell-Forschungssparte geschlossen worden.

Branchenbeobachter gingen davon aus, dass PPL keinen hohen Preis erzielen werde, so die "Süddeutsche". Viele Firmen der europäischen Technologiebranche suchten Investoren. Dabei habe PPL wissenschaftliche Erfolge vorzuweisen. Nach "Dolly" sei es den Forschern der schottischen Firma als erste gelungen, Schweine zu klonen, die für Menschen taugliche Organe hervorbringen können.

(mehr dazu: www.sueddeutsche.de; www.spiegel.de; www.ftd.de)

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PID-Streit auf Kinderarzt-Tagung: Der Onkel Doktor und die Moral

Bonn (ALfA). Kardinal Karl Lehmann hat die "ausnahmslose Ablehnung" der Präimplantationsdiagnostik (PID) durch die Kirchen bekräftigt. Das meldet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 16. September). Es gebe gute Argumente dafür, dass der Mensch von der Verschmelzung von Ei und Samenzelle an Mensch sei, habe der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auf der 99. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin erklärt. Daraus müssten klare Konsequenzen gezogen werden, denn PID führe zur "Tötung von Embryonen" und zwangsläufig zur Auswahl menschlichen Lebens, zitiert das Blatt den Kardinal. Zwischen evangelischer und katholischer Kirche bestehe in der klaren Ablehnung der PID Konsens.

Auch die stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Regine Kollek, habe sich gegen eine Einführung der PID ausgesprochen, berichtet "Die Tagespost" weiter. Die Nachteile der bislang in Deutschland verbotenen Methode wögen weitaus schwerer als die Hilfe, die einzelnen Paaren zugute kommen könnte, so die Hamburger Biologin, die auch Mitglied im internationalen Bioethik-Komitee (IBC) der UNESCO ist. Konsequenz einer Freigabe der PID sei unter anderem die vom Embryonenschutzgesetz verbotene Produktion überzähliger Embryonen und die ebenfalls untersagte Forschung an ihnen.

Dagegen hat sich laut "Der Tagespost" der Bonner Humangenetiker Peter Propping, der ebenfalls Ethikrat-Mitglied ist, für eine begrenzte Zulassung der PID ausgesprochen, die nur für ganz bestimmte Indikationen gelten und nur in einigen ausgesuchten Zentren in Deutschland angeboten werden solle. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Erik Harms, habe eine sehr begrenzte Zulassung der Methode gefordert, so die Zeitung weiter. Nach Ansicht des Mediziners müsse jeder Einzellfall geprüft werden.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Die Rache der fremden Organe: Fast jeder 2. Patient erkrankt an bösartigem Tumor

Lyon (ALfA). Fast die Hälfte der Empfänger von Organtransplantationen erkrankt an bösartigen Tumoren der Haut. Das berichtet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 16. September) unter Berufung auf eine von Jean Kanitakis im "Archives of Dermatology" veröffentlichte Studie. Nach Angaben von Jean Kanitakis und Mitarbeitern müssten in den ersten 20 Jahren 40 Prozent der Patienten damit rechnen, an einem Basaliom oder einem Spinaliom zu erkranken, wobei diese Tumore zu fünf bis acht Prozent für den Tod des Patienten verantwortlich seien. Die meisten dieser Tumore seien Spinaliome, doch auch das Risiko von Basaliomen sei deutlich erhöht, so das "Ärzteblatt" weiter.

Danach träten die Basaliome durchschnittlich 6,9 Jahre nach der Organtransplantation auf, nach Herztransplantationen früher als nach Nierentransplantationen. Ein Drittel aller an der Klinik bei Transplantierten gesehenen Basaliome hätten Herztransplantierte betroffen (bei einem Anteil an allen Organtransplantationen von 17,1 Prozent). Die Patienten seien im Schnitt 15 Jahre jünger als die Nicht-Transplantierten mit Basaliom (54,6 Jahre versus 69,8 Jahre).

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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"Absurd und menschenverachtend": Sondennahrung mit Genussmittelsteuer

München (ALfA). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat scharf kritisiert, dass Finanzminister Hans Eichel die Mehrwertsteuer für flüssige Sondennahrung von bisher sieben Prozent auf 16 Prozent angehoben hat. Das teilte Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung, der Presse mit (18. September). "Finanzminister Eichel geht zynisch mit 120.000 Menschen um, die ohne Sondennahrung nicht überleben können", so Brysch. Zuerst sei dafür gesorgt worden, dass schwerstkranke, demente Menschen nicht mehr ausreichend beim Essen in den Pflegeheimen betreut würden, da die Heime diese Leistung nicht mehr abrechnen dürften. Daraufhin seien diese Menschen mit flüssiger Sondenernährung versorgt worden. Jetzt werde die Sondennahrung versteuert. "Das ist absurd und menschenverachtend", sagte Brysch. Als Anwalt der Schwerstkranken und Sterbenden werde die Deutsche Hospiz Stiftung für die Rechte dieser Menschen kämpfen.

Regierung und Opposition hätten im Zuge der Gesundheitsreform den Mehrwertsteuersatz für flüssige Sondennahrung "klammheimlich" angehoben, heißt es in der Pressemitteilung. Bisher habe flüssige Sondennahrung als Lebensmittel gegolten und sei mit sieben Prozent besteuert worden. Seit dem 1. Juli werde die lebensnotwendige Nahrung für Schwerstkranke als Genussmittel eingestuft. Damit würden die Kosten für die Versorgung von alten Menschen, die zu wenig essen und geschwächt sind, dramatisch ansteigen. Ebenso seien Patienten, die an Krebs oder Leberzirrhose litten, von der Mehrwertsteuererhöhung betroffen. "In einem Mehrstufenplan geht Finanzminister Eichel gegen die Schwächsten vor", so Brysch.

Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte Eichel auf, die Entscheidung sofort zurückzunehmen. Bei den Sozialpartnern und den Kirchen warb die Stiftung um Unterstützung dieses Anliegens.

(mehr dazu: www.hospize.de)

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Bischof Bär erhält Redeverbot: Keine Plattform für Euthanasie-Diskussion

Hilversum (ALfA). Der frühere Bischof von Rotterdam, Ronald Bär, hat das gegen ihn verhängte Redeverbot nach eigenen Angaben wegen seiner Haltung zum niederländischen Euthanasie-Gesetz erhalten. Das meldet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 16. September). Bär habe im niederländischen Fernsehen gesagt, ihm sei im Juni ein Schreiben der Römischen Bischofs-Kongregation zugegangen, in dem ihm verboten worden sei, ohne Zustimmung der niederländischen Bischofskonferenz in den Medien aufzutreten. Zuvor habe er bei einer Podiumsdiskussion im Gegensatz zur niederländischen Bischofskonferenz das freizügige Gesetz zur Sterbehilfe nicht vollständig abgelehnt.

Bär habe wiederholt gesagt, so "Die Tagespost" weiter, dass die Not der Menschen sich nicht in einige kirchliche Gesetze fassen lasse.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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"Was wollen wir, wenn alles möglich ist?" Berlin ist die "Stadt der 1000 Fragen"

Berlin (ALfA). Mit über 40 Veranstaltungen will die "Aktion Mensch" in Zusammenarbeit mit zahlreichen Koalitionspartnern im Rahmen ihres 1000Fragen-Projektes Berlin vom 18. bis 24. September zur "Stadt der 1000 Fragen" machen. Das melden die "Berliner Morgenpost" (Ausgabe vom 17. September) und "Die Welt" (Ausgabe vom 18. September). Es werde Diskussionen, Vorträge, Kabarett-, Theater- und Filmvorführungen geben über Themen wie Gentests, Stammzellforschung, Klonen, Euthanasie oder Pränataldiagnostik.

Das Internet-Projekt der "Aktion Mensch" ermöglicht es Interessenten, sich unter www.1000fragen.de zur Humangenetik zu äußern. Bislang sind mehr als 8.500 Fragen und über 35.000 Kommentare zu Gentechnik und Bioethik dort hinterlassen worden. In den vergangenen Monaten konnte die Seite mehr als eine halbe Million Besucher verzeichnen. Zur Aktionswoche erscheint ein Buch mit dem Titel "Was wollen wir, wenn alles möglich ist?", in dem alle Fragen abgedruckt sind (DVA, 896 Seiten, 19,90 Euro).

(mehr dazu: www.morgenpost.berlin1.de; www.welt.de)


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