ALfA-Newsletter vom 19.11.2004

News

-------------------------

Vor Abstimmung: EU-Parlamentarier ergreifen bei UN-Klonverbot die Initiative

New York (ALfA). Am heutigen Freitag soll im Rechtsausschuss der UN-Vollversammlung eine Abstimmung über das weitere Vorgehen bei dem Ringen um eine internationale Klonkonvention stattfinden. Das berichten die "Rheinische Post" und "Der Standard" (Online-Ausgaben vom 19. November). Der belgische UN-Diplomat Marc Pecsteen habe erklärt, dass die Vereinten Nationen offenbar von einem weltweiten Klonverbot absehen würden, da die Meinungsverschiedenheiten zu groß seien und man wahrscheinlich keine gemeinsame Linie finden würde. Stattdessen existiere der Plan, in einer gemeinsamen und nicht bindenden Erklärung zu versuchen, eine Sprache zu finden, mit der alle Seiten leben könnten, so die Zeitungen.

Unterdessen haben Europaabgeordnete aller politischen Fraktionen in einem Brief die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen aufgefordert, die Initiative Costa Ricas zum Verbot sämtlicher Formen des Klonens von Menschen zu unterstützen. In einer Mitteilung an die Presse (18. November) erklärte der CDU-Europaparlamentarier und Initiator des Briefes Peter Liese, der Entwurf Costa Ricas werde von 61 anderen Staaten unterstützt, darunter viele europäische Staaten wie Portugal, Italien und Norwegen, aber auch die Vereinigten Staaten und zahlreiche Länder der Dritten Welt. Dem entgegen steht ein Entwurf Belgiens, der zum Beispiel von Großbritannien und China unterstützt wird und der nur das so genannte reproduktive Klonen von Menschen verbieten will.

Eventuell werde in letzter Minute auch noch ein Kompromiss vorgelegt, so Liese weiter. In dem Brief erinnern die Abgeordneten die Vertreter bei den Vereinten Nationen daran, dass das Europäische Parlament sich stets im Sinne des Costa Rica-Entwurfs für ein umfassendes Verbot ausgesprochen hat, zuletzt im Januar diesen Jahres in Anwesenheit von UNO-Generalsekretär Kofi Annan.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderen der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europäischen Parlament, Elmar Brok, der Abgeordnete der Liberaldemokratischen Fraktion Vittorio, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Vereinten Linken, Sylvia-Yvonne Kaufmann, der Fraktionsvorsitzende der UEN-Fraktion, Brian Crowley, die SPD-Abgeordnete Jutta Haug und die frühere Vorsitzende der Grünen in Deutschland, Angelika Beer.

Liese weiter: "Es ist bedauerlich, dass sich nicht alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, leider auch nicht die deutsche Regierung, vorbehaltlos hinter die Resolution Costa Ricas stellen." Es sei wichtig, dass die einzig direkt gewählte Volksvertretung der Menschen in den 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union immer für ein umfassendes Klonverbot eingetreten ist. "Wir wollen, dass die Alternativen zum Klonen von Menschen in der Forschung, zum Beispiel die Forschung mit adulten Stammzellen, stärker unterstützt werden", so Liese. "Neueste wissenschaftliche Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass man auf diesem Weg sogar schneller zum Ziel kommt." Möglicherweise werde in New York tatsächlich über einen Kompromiss abgestimmt, so der CDU-Politiker weiter. "Dieser Kompromiss darf aber keinesfalls das Signal aussenden, dass das Klonen von Menschen zu Forschungszwecken akzeptabel ist. Es bedeutet die Herstellung von menschlichen Embryonen allein zu Forschungszwecken und öffnet auch die Tür zum reproduktiven Klonen."

(mehr dazu: www.rp-online.de; http://derstandard.at)

-------------------------

Fauler Kompromiss? Diskussion um Sterbehilfe im Europarat

Paris (ALfA). Im Europarat zeichnet sich nach zweijähriger Diskussion ein Kompromiss in der Frage der Sterbehilfe ab. Das berichten "Die Tagespost" (Ausgabe vom 16. November) sowie die "Neue Zürcher Zeitung" (Ausgabe vom 18. November). In einer Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses am 15. November in Paris sei in "konstruktiver Diskussion" beraten worden, so die NZZ. Nachdem der Bericht des Schweizer Liberalen Dick Marty auf breite Zustimmung gestossen sei, werde erwartete, dass der Bericht noch im Dezember angenommen werden könne, um im April 2005 von der Parlamentarischen Versammlung verabschiedet zu werden.

Wie "Die Tagespost" weiter berichtet, hatte noch im April diesen Jahres die Parlamentarische Versammlung einen Bericht Martys mit der Empfehlung zur Einführung der Straffreiheit für Sterbehilfe an den Ausschuss zurückverwiesen. Der neue Entwurf enthalte diese kritisierte Passage nicht mehr. Widerstand aus einigen Mitgliedstaaten gibt es laut der NZZ noch gegen die Forderung in dem überarbeiteten Marty-Bericht, der Europarat solle den Mitgliedstaaten die Prüfung der positiven Erfahrungen, die in Belgien und den Niederlanden mit der straffrei praktizierten Sterbehilfe gemacht worden seien, empfehlen. Wie die NZZ weiter berichtet, hat Marty Respekt vor Ländern verlangt, die sich für eine Straffreiheit für Euthanasie unter bestimmten Voraussetzungen entschieden hätten. Solche Länder dürften nicht verurteilt werden. Der Schweizer Liberale habe aber eingeräumt, dass angesichts der sehr unterschiedlichen kulturellen und religiösen Einstellungen sowie aufgrund der sensiblen Haltung gegenüber historischen Erfahrungen mit Missbrauch in den einzelnen Europarats-Mitgliedstaaten noch keine einheitliche Rechtsgrundlage zu erreichen sei. Ihm komme es jetzt vor allem darauf an, Situationen festzuhalten, in denen trotz intensiver Palliativmedizin Sterbehilfe nicht verweigert werden könne, gibt die NZZ Marty wieder. In solchen Fällen müsste Euthanasie straffrei bleiben.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de; www.nzz.ch)

-------------------------

Gegen Therapie um jeden Preis: Papst äussert sich zur Euthanasie

Rom (ALfA). Papst Johannes Paul II. hat die Euthanasie scharf verurteilt, sich gleichzeitig aber auch gegen eine Therapie um jeden Preis ausgesprochen. Das meldet die katholische Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 16. November). Auf einem Internationalen Kongress über Palliativ-Medizin im Vatikan habe der Papst Euthanasie als ein "Drama" bezeichnet, das von einer Ethik ausgelöst werde, die sich die Entscheidung über Leben und Tod anmasse. Bei der Euthanasie handele es sich um die Auslöschung eines Menschen, auch wenn sie von einem falsch verstandenen Mitgefühl geleitet werde oder von einem schlecht gedeuteten Begriff von Würde bestimmt sei.

Wie "Die Tagespost" weiter berichtet, hat der Papst aber betont, der Verzicht auf eine Therapie um jeden Preis sei keine Zurückweisung eines Patienten und seines Lebens. Die Entscheidung, eine Therapie nicht einzuleiten oder sie abzubrechen, "kann ethisch erlaubt sein, wenn diese sich als ineffizient erweist oder wenn sie in einem klaren Missverhältnis zum Zweck der Unterstützung des Lebens oder der Wiederherstellung der Gesundheit steht", zitiert das Blatt den Papst. Medizin müsse immer im Dienst des Menschen stehen. Die Ablehnung einer Therapie um jeden Preis könne Ausdruck des Respekts gegenüber dem Kranken sein, so der Papst weiter. Hilfe für den Patienten bedeute, auch im Endstadium des Lebens seine unveräusserliche Menschenwürde anzuerkennen. Johannes Paul II. betonte laut der "Tagespost", dass echtes Mitgefühl nach jeder vernünftigen Anstrengung zur Heilung verlange.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

-------------------------

Drillinge auf dem Vormarsch: Reproduktionsmediziner blicken sorgenvoll in Zukunft

Hannover (ALfA). Im vergangenen Jahr haben mehr als 63.000 Paare in Deutschland künstliche Befruchtungen durchführen lassen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Das berichten das "Handelsblatt" (Online-Ausgabe vom 12. November) und das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 15. November). Da viele Paare mehrere Versuche unternahmen, dokumentiere der am vergangenen Wochenende vorgestellt Jahresbericht 2003 des Deutschen IvF-Registers mehr als 100.000 Zyklen. 11.558 Kinder seien nach einer künstlichen Befruchtung geboren worden, wobei es sich dabei noch um eine vorläufige Zahl handele, da 34 Prozent aller Daten für das vergangene Jahr noch nicht ausgewertet worden seien, so das "Deutsche Ärzteblatt". Von den 9.197 Geburten seien 6.975 "Einlinge", 2.071 Zwillingsgeburten und 145 Drillingsgeburten registriert worden. Sechsmal sei es zu der Geburt von Vierlingen gekommen.

Wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, befürchten Reproduktionsmediziner eine Zunahme von Drillingsgeburten nach künstlichen Befruchtungen. Auf einer Fachtagung in Hannover sei als Grund dafür genannt worden, dass sich immer mehr Frauen die maximal erlaubten drei Embryonen einsetzen liessen, um schneller schwanger zu werden und auf diese Weise Kosten zu sparen. Nach der Gesundheitsreform müssen ungewollt kinderlose Paare die Hälfte der Kosten für die künstliche Befruchtung selber tragen. Da die Erfolgsrate bei künstlichen Befruchtungen den Angaben der Ärzte zufolge nur bei etwa 17 Prozent liege, müssten meist mehrere Versuche unternommen werden. Pro Versuch fallen laut dem "Handelsblatt" für die Patienten etwa Kosten von 1.500 Euro an. Nach Einschätzung der Fachärzte habe sich deshalb seit der Gesundheitsreform die Zahl der künstlichen Befruchtungen halbiert.

(mehr dazu: www.handelsblatt.com; www.aerzteblatt.de)

-------------------------

Kampf gegen Schlaganfall und Parkinson: Einsatz für Stammzellen aus Nabelschnur

Leipzig (ALfA). Wissenschaftler der Universität Leipzig und der Biotech-Firma Vita34 wollen mit Stammzellen aus der Nabelschnur gegen Schlaganfall und die Parkinsonsche Erkrankung vorgehen. In einer Pressemitteilung (11. November) erklärte die Biotech-Firma, das Forschungsvorhaben werde vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit mit insgesamt 412.000 Euro unterstützt. "Die Nabelschnur und das Nabelschnurblut sind reich an jungen und überaus entwicklungsfähigen Stammzellen", betonte Dr. Eberhard Lampeter, der Ärztliche Leiter von Vita34. "Wir wollen jetzt untersuchen, welche Stammzellquelle am besten zur Therapie von neurologischen Erkrankungen geeignet ist - die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder die Stammzellen aus dem Gewebe der Nabelschnur."

Bislang unheilbare Erkrankungen des Nervensystems wie Schlaganfall und Parkinson führten jedes Jahr in Deutschland zu über 80.000 Todesfällen und verursachten Behandlungskosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro, heisst es in der Presseaussendung. 2003 hätten Vita34 und das Institut für klinische Immunologie und Transfusionsmedizin der Universität Leipzig erstmals in Deutschland im Tierexperiment zeigen können, dass die Folgen eines Schlaganfalls mit Stammzellen aus Nabelschnurblut deutlich gelindert werden können.

(mehr dazu: www.vita34.de)

-------------------------

Australischer Bischof: Rechte der Ungeborenen werden ignoriert

Melbourne (ALfA). Der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart, hat die Rechte der ungeborenen Kinder verteidigt. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (12. November). Die katholische Kirche habe sich stets für den Schutz des menschlichen Lebens von seiner Zeugung an eingesetzt, habe Hart unterstrichen. "Abtreibung bedeutet, ein menschliches Leben in der Gebärmutter zu beenden: dies wird auch von wissenschaftlichen und fotographischen Studien untermauert", zitiert "kath.net" den Erzbischof. Hart habe betont, bei der Diskussion um Abtreibung würden oft die Recht der "schweigenden" Ungeborenen ignoriert. "Als Gesellschaft müssen wir uns eingehender und unmissverständlicher mit dem Thema des Beginns, des Wertes und des Endes des menschlichen Lebens befassen", erklärte der australische Erzbischof laut dem katholischen Nachrichtendienst.

Wie "kath.net" weiter berichtet sind in Australien in den vergangenen Jahren Abtreibungen legalisiert worden. So seien in der Region der Landeshauptstadt Canberra im Jahr 2002 Abtreibungen erstmals gesetzlich erlaubt worden. Bis dahin seien vorgeburtliche Kindstötungen nur bei Lebensgefahr der Mutter legal gewesen. Laut "kath.net" werden nach Angaben des australischen Gesundheitsministers Tony Abbott jährlich 100.000 Abtreibungen durchgeführt.

(mehr dazu: www.kath.net)

-------------------------

Hilfefond für behinderte Kinder: Frauen fordern Einsatz gegen Spätabtreibung

Hannover (ALfA). Eine Gruppe prominenter Frauen in Niedersachsen hat von der Politik einen Hilfefonds für vorgeburtlich-geschädigte Kinder gefordert. Das berichten der Evangelische Pressedienst "epd" (14. November), die "Braunschweiger Zeitung" (Ausgabe vom 16. Oktober) sowie "kobinet-nachrichten" (16. November). Die rund 50 Juristinnen, Theologinnen, Politikerinnen und Ärztinnen hätten in einer Resolution nach ihrem "4. Niedersächsischen Gespräch" angeregt, diesen Fond über einen Familien-Leistungsausgleich zu finanzieren. Es könne nicht sein, dass Frauen, die ein behindertes Kind zur Welt bringen und von ihrem Arzt bei der vorgeburtlichen Untersuchung nicht auf die Behinderung hingewiesen wurden, den Mediziner auf Schadensersatz verklagen könnten, wohingegen andere, die sich bewusst für ihr behindertes Kind entscheiden würden, keinerlei Anspruch auf finanzielle Unterstützung hätten. Für diese Kinder sei der Hilfefonds gedacht, so Marlena Robin-Winn, Vorsitzende des Deutschen Ärztinnenbundes - Gruppe Hannover. "Es müssen dringend bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Mütter sich für das Leben mit einem behinderten Kind entscheiden und nicht eine Abtreibung als einzige Lösung sehen", zitiert die "Braunschweiger Zeitung" die Ärztin.

Den Medienberichten zufolge fordern die Expertinnen daneben auch politische Massnahmen, die Spätabtreibungen ohne eine ausführliche Beratung verhindern sollen. Zwischen der Feststellung der Schädigung und der möglichen vorgeburtlichen Kindstötung müssten drei Tage Bedenkzeit liegen, habe die evangelische Landesbischöfin Margot Kässmann erklärt.

(mehr dazu: www.newsclick.de; www.kobinet-nachrichten.de)


-------------------------

Herausgeber:

Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V.
Geschäftsstelle Augsburg:
Ottmarsgässchen 8
D-86152 Augsburg

Telefon: 08 21 - 51 20 31
Telefax: 08 21 - 15 64 07
E-Mail: bgs@alfa-ev.de

Internet: www.alfa-ev.de

ALfA-Spendenkonto:
AugustaBank eG (BLZ 720 900 00)
Konto 50 40 990
Postbank Niederlassung München (BLZ 700 100 80)
Konto 24 22 44 - 800


Die Newsletter-Archiv-Übersicht mit weiteren Ausgaben des ALfA-Newsletters finden Sie unter http://www.alfa-ev.com/fr_presse.html