ALfA-Newsletter vom 23.01.2004

News

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"Grundgesetzwidrig": CSU-Politiker fordern Ende der Abtreibungs-Finanzierung

München (ALfA). Führende CSU-Politiker haben gefordert, die staatliche Finanzierung von Abtreibungen zu beenden. Das melden der "Münchner Merkur" (Ausgaben vom 20. Januar und 22. Januar), der Fernsehsender "n-tv" (20. Januar), die "Rheinische Post" (Online-Ausgabe vom 20. Januar), "Die Welt" und "Spiegel Online" (Ausgaben vom 19. Januar). Bayerns Sozialministerin Christa Stewens und der Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer erklärten, das Geld sei an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt. 197 Millionen Euro habe der Fiskus in den vergangenen fünf Jahren bundesweit für Abtreibungen gezahlt, so die CSU-Politiker. "Es ist skandalös, dass Geld für Kinderspielplätze fehlt, aber für Abtreibungen vorhanden ist", zitiert der "Münchner Merkur" Singhammer. "Jedes Kind, das geboren wird, ist ein Konsument - zuerst von Pampers und später von Autos. Und wir brauchen Konsumenten", so Singhammer.

Singhammer und Stewens forderten eine Änderung des Bundesgesetzes. Sozialministerin Stewens beruft sich dabei auf ein Karlsruher Urteil aus dem Jahr 1993, so die Zeitungen weiter. "Nach der klaren Aussage des Bundesverfassungsgerichts ist die Übernahme der Kosten von Schwangerschaftsabbrüchen aus Steuergeldern grundgesetzwidrig", zitiert der "Münchner Merkur" die Politikerin.

Wie der "Münchner Merkur" berichtet, hat Fitz Schösser, Sozialexperte in der SPD-Fraktion, den Vorstoß der CSU-Politiker zurückgewiesen. Er sehe keinen Handlungsbedarf. "Jetzt versuchen diejenigen, die schon immer gegen die staatliche Regelung waren, durch die Hintertür einen neuen Vorstoß", zitiert das Blatt Schösser.

Unterstützung erhalten die CSU-Politiker dagegen aus der katholischen Kirche. "Endlich hat man erkannt, welch untragbarer Zustand es ist, dass ein Staat etwas per Gesetz zum Unrecht erklärt und zugleich dieses Unrecht finanziert", zitiert der "Münchner Merkur" Kardinal Friedrich Wetter (München). Schon vor Jahren habe er auf diesen unhaltbaren Zustand hingewiesen. Er sei davon überzeugt, dass sich die Gesellschaft früher oder später dieser Auseinandersetzung stellen müsse.

Auch der Leiter des Katholischen Büros in Bayern, Prälat Valentin Döring, hat der Initiative seine Unterstützung zugesagt, so das Blatt weiter. Er habe beklagt, dass aus dem Bemühen des Gesetzgebers, extremen Einzelfällen gerecht zu werden, ein Rechtsanspruch auf Abtreibung und dessen Finanzierung geworden sei. Allerdings sei die Offensive der CSU-Politiker offensichtlich unter dem Druck der Finanznot entstanden. Dadurch würde ein etwas schiefes Bild vermittelt: "Man hat den Eindruck, dass erst Sparzwänge zu ethischen Normen zurückfinden lassen", zitiert der "Münchner Merkur" Döring. Er befürchte, dass es in der Gesellschaft aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftslage und hohen Arbeitslosigkeit nur wenig Bereitschaft gebe, die Finanzierung der Abtreibung zu diskutieren.

Nach dem "Gesetz zur Hilfe für Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen in besonderen Fällen" übernimmt das Bundesland die Kosten für eine "rechtswidrige, aber straffreie" vorgeburtliche Kindstötung, wenn das verfügbare persönliche Einkommen der Schwangeren 961 Euro nicht übersteigt. Nach einer von der Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA) in der Zeitschrift "LebensForum" (4/2003) veröffentlichten Statistik werden durchschnittlich etwa 90 Prozent aller nach der Beratungsregelung vorgenommenen Abtreibungen mit Steuergeldern finanziert (vgl. ALfA-Newsletter zuletzt vom 17. Januar 2004).

(mehr dazu: www.merkur-online.de; www.n-tv.de; www.rp-online.de; www.welt.de; www.spiegel.de)

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Mit Beifall vom Präsidenten: 150.000 Menschen beim "Marsch für das Leben"

Washington (ALfA). Rund 150.000 Menschen haben in diesem Jahr in den USA am "Marsch für das Leben" teilgenommen. Das meldet der "Rheinische Merkur" (Ausgabe vom 22. Januar). Mehr als die Hälfte der Demonstranten seien Jugendliche gewesen. Auf ihrem Weg vom Washington Monument zum Kapitol und zum Sitz des Obersten Bundesgericht hätten sie mit Transparenten und Schildern mit Aufdrucken wie etwa "Defend Life", "Face it - Abortion kills" oder "Stop abortion now" für den Lebensschutz demonstriert.

Anlässlich des Marsches für das Leben haben sich am 21. Januar etwa 8.000 Menschen in der Basilika von Washington zu einer Vigil-Messe versammelt. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (22. Januar). Unter den Gläubigen hätten sich auch vier Kardinäle, 40 Bischöfe und etwa 300 Priester befunden. Hauptzelebrant sei Kardinal William Keeler (Baltimor) gewesen, der Vorsitzender des Pro-Life-Komitees der US-Bischofskonferenz ist. Wie "kath.net" weiter berichtet, hat Keeler in seiner Predigt die überwiegend jugendlichen Gläubigen dazu ermutigt, keine Angst zu haben, auch wenn es manchmal den Anschein habe, dass sie wie David gegen viele Goliaths anzutreten hätten. Nötig seien die Überzeugung, der Mut, das Mitleid, die Nächstenliebe und die Beständigkeit.

Laut "kath.net" hat Kardinal Keeler am Ende der Messe eine Botschaft des US-Präsidenten George W. Bush und dessen Gattin Laura Bush vorgelesen, die auf große Zustimmung gestoßen ist. "Wir spenden allen Teilnehmern der nationalen Gebetsvigil für das Leben für die fortwährenden Bemühungen um den Aufbau einer "Kultur des Lebens" in den USA Beifall. Eure Bemühungen helfen mit, eine Gesellschaft aufzubauen, in der alle Kinder willkommen und durch Gesetze geschützt sind", zitiert "kath.net" aus der Botschaft.

(mehr dazu: www.merkur.de; www.kath.net)

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Bush ruft Lebensschutz-Tag aus: Immer mehr US-Bürger sind "pro life" eingestellt

Washington (ALfA). US-Präsident George W. Bush hat den vergangenen Sonntag (18. Januar) zum "Tag der Heiligkeit menschlichen Lebens" ausgerufen. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (20. Januar). Der Präsident habe die Pro-Life-Vertreter ermutigt, diesen Tag besonders im Gebet und im Gedenken der Würde jedes menschlichen Lebens zu begehen. "Jedes Leben, auch das zerbrechliche und schutzlose, hat einen Platz und eine Bestimmung in dieser Welt", zitiert "kath.net" Bush.

Laut dem US-Präsidenten solle die Veranstaltung das Geschenk des Lebens und das Versprechen für den Aufbau einer Gesellschaft des Mitgefühls und der Menschlichkeit feiern. "Heute begleiten uns die Prinzipien der menschlichen Würde laut der Unabhängigkeitserklärung - dass alle Menschen gleich sind und das unveräußerliche Recht auf Leben, Freiheit und Glück besitzen", zitiert "kath.net" George W. Bush.

Unterdessen ist eine neue US-Umfrage veröffentlicht worden, die zeigt, dass die Bevölkerung Amerikas zunehmend "pro-life" eingestellt ist (vgl. ALfA-Newsletter vom 24. Oktober und vom 28. November 2003). Das meldet ebenfalls "kath.net" (19. Januar). Eine von Zogby International im vergangenen Dezember durchgeführte Umfrage habe ergeben, dass zwischen 36 und 53 Prozent der US-Amerikaner davon überzeugt seien, dass Abtreibung menschliches Leben zerstöre und damit als Mord anzusehen sei. Wie "kath.net" weiter berichtet, vertreten laut der jüngsten Umfrage 68 Prozent der Republikaner und 43 Prozent der Demokraten diese Meinung. Daneben habe die Zogby-Studie auch gezeigt, dass die Bevölkerung immer mehr dazu neigt, "Pro-Life-Gesetze" zu unterstützen. Schon im Oktober und November letzten Jahres hatten US-Umfragen ähnliche Ergebnisse aufgewiesen (vgl. ALfA-Newsletter vom 24. Oktober und vom 28. November 2003).

(mehr dazu: www.kath.net)

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"Einer humanen Gesellschaft unwürdig": Abtreibungsreform in Österreich gefordert

Graz (ALfA). Eine tiefgreifende Reform der am 23. Januar 1974 in Österreich beschlossenen Fristenregelung fordern die ÖVP-Politikerin Sissi Potzinger, Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes Steiermark, der ÖVP-Bundesrat Vincenz von Liechtenstein und der Vorsitzende des "Diözesankomitees der Katholischen Organisationen in der Steiermark", Andreas Kirchmair. Das berichtet die katholische Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 22. Januar). Potzinger fordert das Recht jeder Frau auf eine kostenlose, ausführliche psychosoziale Beratung, eine Trennung zwischen beratendem und abtreibendem Arzt sowie eine verpflichtende "Nachdenkpause" von drei Tagen, so "Die Tagespost". "Jede Entscheidung für eine Abtreibung ist eine Entscheidung gegen das Leben. Wir wollen aber eine lebensbejahende Kultur", zitiert das Blatt die Politikerin.

Andreas Kirchmair habe an die Politiker appelliert, das Abtreibungsgesetz zu ändern. Von den Bischöfen habe er ein mutigeres und klareres Bekenntnis zum Lebensschutz gefordert. Er wünsche sich, "dass sich auch einmal ein Bischof vor eine Abtreibungsklinik stellt und betet", zitiert "Die Tagespost" Kirchmair. Als "Skandal sondergleichen" hat er laut dem Blatt die Tatsache bezeichnet, dass behinderte Kinder bis unmittelbar vor der Geburt straffrei abgetrieben werden dürften. Das sei "unerträglich und einer humanen Gesellschaft unwürdig", so Kirchmair. Wie die Zeitung weiter berichtet hat Bundesrat Vincenz von Liechtenstein betont, dass ohne die Abtreibungen die heutige Pensionsproblematik und die Verschiebungen in der demographischen Entwicklung nicht entstanden wären. Kirchmair habe ergänzt: "Wir können uns die Abtreibung einfach nicht mehr leisten", zitiert "Die Tagespost" den Diözesankomitee-Vorsitzenden. Potzinger hat laut dem Blatt unterstrichen, Kinder seien "für den Staat das beste Geschäft", weil die Kosten weitgehend privatisiert seien, während der Nutzen der gesamten Gesellschaft zugute komme.

Laut der "Tagespost" werden in Österreich jährlich etwa 85.000 Kinder geboren und zwischen 45.000 und 80.000 Kinder vor ihrer Geburt getötet. Genaue Zahlen existierten nicht, da in Österreich keine offizielle Abtreibungsstatistik geführt werde.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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"Vergehen gegen die Menschlichkeit": Frau angeblich mit Klon-Baby schwanger

London (ALfA). Der US-Arzt Panos Zavos hat eigenen Angaben zufolge einer 35-jährigen Leihmutter einen geklonten menschlichen Embryo eingepflanzt. Das berichten das Magazin "Der Spiegel" (Online-Ausgabe vom 19. Januar) sowie die österreichische Tageszeitung "Der Standard" (Online-Ausgabe vom 18. Januar). Auf einer Pressekonferenz am 17. Januar in London habe Zavos erklärt, die Frau habe eine 30-prozentige Chance, das Kind in einer normalen Schwangerschaft auszutragen. Der Embryo sei aus den Hautzellen ihres Mannes geklont worden. Wie die Zeitungen weiter berichten, hat Zavos keinerlei Beweise vorlegen können und lediglich gesagt: "Ich kann noch keine Schwangerschaft ankündigen. Warten Sie noch zwei bis drei Wochen", zitieren die Blätter den Arzt. Über die Identität der Leihmutter habe Zavos keine Angaben gemacht. Allerdings lebe die Frau weder in Europa noch in den USA.

Daneben habe Zavos gemeinsam mit dem britischen Klon-Experten Paul Rainsbury Pläne für ein sogenanntes Embryonen-Splitting, bei dem auf künstliche Weise eineiige Zwillinge erzeugt werden, vorgestellt. Er sei bereit, einen Embryo zu teilen, so Zavos. Der eine Embryo könne später geboren werden, der andere könne als Quelle für Stammzellen dienen, mit deren Hilfe eventuelle Krankheiten des anderen Embryos geheilt werden könnten. "Dies sind futuristische Pläne für eine bessere Gesellschaft", so der aus Zypern stammende und im US-Bundesstaat Kentucky lebende Zavos.

Unterdessen hat der britische Gesundheitsminister John Reid Zavos einen "groben Missbrauch der Gen-Wissenschaft" vorgeworfen, so die Zeitungen weiter. Experten begegneten den Angaben Zavos mit Skepsis. "Das ist nicht das erste Mal, dass Doktor Zavos etwas behauptet, ohne jeglichen Beweis vorzulegen", zitiert der "Spiegel" Patrick Cusworth von der Lebensrechtsorganisation "Life". Wenn seine Behauptung stimmen sollte, habe Zavos die betroffene Frau einem äußerst hohen Risiko ausgesetzt. Die katholische Kirche hat laut dem "Spiegel" Zavos Vorgehen als "Vergehen gegen die Menschlichkeit" kritisiert. Man müsse nun sehen, wie die politisch Verantwortlichen reagierten, so der Vize-Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Elio Sgreccia.

(mehr dazu: www.spiegel.de; http://derstandard.at)

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Vor EU-Debatte über Euthanasie: Bischöfe warnen eindringlich vor Legalisierung

Paris (ALfA). Der Sozialausschuss des Europarates hat erneut die Beratungen über eine Empfehlung der aktiven Sterbehilfe verschoben. Das meldet die katholische Tageszeitung "Die Tagespot" (Ausgabe vom 22. Januar). Grund für die Vertagung sei gewesen, dass am 16. Januar, wie auch zuvor schon Ende November 2003, der Schweizer Liberale Dick Marty den Beratungen ferngeblieben sei (vgl. ALfA-Newsletter vom 28. November 2003). Marty hatte die Zulassung aktiver Sterbehilfe beantragt (vgl. ALfA-Newletter vom 17. Januar). "Wenn todkranke Patienten ständige unerträgliche Schmerzen haben und ohne Hoffnung auf Besserung ihrer Lage leiden, sind manche Ärzte bereit, dem Leben des Patienten auf seinen freiwilligen und wohlüberlegten Wunsch hin ein Ende zu setzen, oder einzuwilligen, dem Patienten zu helfen, aus seinem Leben zu scheiden", zitiert "Die Tagespost" aus Martys Bericht. Ziel seines Antrags sei es, den Patienten einen gesicherten Zugang zur Sterbehilfe zu öffnen.

Nun wird am 29. Januar wahrscheinlich die Parlamentarische Versammlung insgesamt eine Empfehlung bezüglich der Euthanasie aussprechen, auch wenn keine Voten der Fachausschüsse vorliegen, so das Blatt weiter.

Unterdessen hat die Deutsche Bischofskonferenz eindringlich vor einer Legalisierung aktiver Sterbehilfe gewarnt. Das melden "Die Tageszeitung" (Ausgabe vom 21. Januar) unter Berufung auf eine Pressmitteilung der katholischen Bischöfe (19. Januar). Angesichts der bevorstehenden Beratung über eine Empfehlung der Euthanasie appellieren die Bischöfe an die Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung, jede Form der aktiven Sterbehilfe abzulehnen und damit die Würde eines jedes Menschen und sein unbedingtes Lebensrecht zu schützen. "Wir erinnern eindringlich daran, dass jeder Mensch in jeder Phase seines Lebens eine unveräußerliche Würde und ein unbedingtes Lebensrecht besitzt", heißt es in der Presseerklärung.

Die Forderungen des Berichts Martys würden der Empfehlung 1418 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 25. Juni 1999 widersprechen, in der empfohlen wurde, "die Mitgliedstaaten des Europarates dazu anzuhalten, die Würde von Todkranken oder Sterbenden in jeder Hinsicht zu achten und zu schützen", so die Bischöfe weiter. Die nun geforderte Straffreiheit sei ein Rückschritt hinter das damals ausgesprochene Bekenntnis zur unverletzlichen Würde eines jeden Menschen.

Aus den Niederlanden und Belgien, in denen die aktive Sterbehilfe legalisiert wurde, lägen zahlreiche alarmierende Erfahrungsberichte vor. Gerade auch hilflose Menschen würden hier Opfer einer vom Gesetz ermöglichten Tötung. Wer von "freiwilliger Euthanasie" spreche, verkenne die Situation eines todkranken oder sterbenden Menschen, der sich in dieser Ausnahmesituation wohl kaum wirklich frei für eine Tötung entscheiden könne. "Die Einführung einer gesetzlichen Regelung schafft einen Druck auf jeden einzelnen Sterbenden, da so die Euthanasie zu einer Option wird, die auch von außen an ihn herangetragen werden kann", so die Deutsche Bischofskonferenz. Der Wunsch zu sterben werde oft erst aus der Verzweiflung geboren. In vielen Fällen sei er nicht von Dauer, wenn dem Kranken liebevolle Begleitung sowie optimale medizinische und psychosoziale Betreuung zuteil werde. "Deshalb haben die Kirchen immer wieder eine Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen eingefordert", erklären die Bischöfe.

"Wir richten an die Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates die dringliche Bitte, der Forderung des Berichtes für eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe nicht nachzukommen, sondern sich zur unverlierbaren Würde und zum Lebensrecht des Menschen auch in den schwächsten Phasen des Lebens zu bekennen", heißt es in der Presseerklärung.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de; www.taz.de; www.dbk.de)

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"Doktor Tod" in Bedrängnis: "Körperwelten" mit Hinrichtungsopfern?

Frankfurt (ALfA). Der Leichen-Präparator Gunther von Hagens bestreitet, dass er Leichen von chinesischen Hinrichtungsopfern für seine Ausstellung "Körperwelten" verwendet hat, die zur Zeit in Frankfurt zu sehen ist. Das berichten unter anderem der "Spiegel" (Ausgabe vom 19. Januar und Online-Ausgabe vom 22. Januar), "Die Welt" (Ausgabe vom 23. Januar), die "Süddeutsche Zeitung" (Online-Ausgaben vom 19. Januar und 22. Januar) sowie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 23. Januar). Auf einer Pressekonferenz am 22. Januar in Frankfurt habe er aber zugleich eingeräumt, er könne nicht ausschließen, dass ihm Hinrichtungsopfer untergeschoben worden seien. Laut FAZ bezieht sich von Hagens Erklärung allerdings nur auf die sogenannten Ganzkörperplastinate, nicht aber auf die zahlreichen einzelnen Organe, die in Vitrinen ausgestellt sind.

Von Hagens äußerte sich auf der Pressekonferenz zu den im Magazin "Spiegel" erhobenen Vorwürfen. Der "Spiegel" hatte berichtet, dass der Leichen-Schausteller unter Missachtung internationaler Vereinbarungen vor allem in China in großem Stil Leichen aufkaufe. Im November 2003 seien bei einer Inventur neben 647 Leichen 3909 Leichenteile und 182 Föten, Embryos und Neugeborene mit Seriennummer, Größe, Alter und Geschlecht katalogisiert worden. Die Toten bekomme er unter anderem von schlecht bezahlten Polizisten. Bis Ende 2002 habe er auch Hinrichtungsopfer zur Plastination verwendet, die durch ein Einschussloch am Kopf und eine zur Organentnahme geöffnete Bauchdecke als solche zu identifizieren gewesen seien.

Nach dem Spiegel-Artikel habe er sofort eine neue Inventur seiner chinesischen Niederlassung veranlasst, sagte Hagen gegenüber den Zeitungen. Bei sieben Körpern seien Kopfverletzungen festgestellt worden. Diese sieben Leichen werde er nun nicht plastinieren, sondern bestatten lassen.

Wie die Zeitungen weiter berichten haben Mitglieder der Deutschen Hospiz Stiftung während der Pressekonferenz eine symbolische Bestattung der sogenannten Plastinate mit Leichenwagen, Sarg, Kränzen und Grablichtern vor der Ausstellungshalle inszeniert. Auf Transparenten hätten sie "Kein Geschäft mit dem Tod" gefordert und die Ausstellung als "Endstation Gruselkabinett" bezeichnet. Hospizsprecherin Michaela Gehms sagte, eine Zurschaustellung von gehäuteten und filetierten Menschen diene weder der Wissenschaft noch dem würdevollen Umgang mit den Verstorbenen. Die Schau sei ein grauenvolles "Sezierspektakel", führe zu einer Entfremdung vom Sterben und reduziere den Tod "auf ein Gruseln", zitieren die Zeitungen Gehms.

Auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat von Hagens Ausstellung scharf kritisiert und von einem Besuch abgeraten. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (21. Januar). Die IGFM habe die Verantwortlichen aufgefordert, die Ausstellung so lange zu schliessen, bis ohne jeden Zweifel geklärt sei, dass in jedem Fall eine Zustimmung der verstorbenen Person vorliege und keine Körper von Hingerichteten verwendet worden wären. Wenn der Umgang mit den Körpern von Hingerichteten nicht nur in China, sondern auch in Deutschland aus Profitgier erfolge, würden letzte Grenzen des Anstands gebrochen und man verwirke das Recht, Folter, Mord, Zwangsarbeit und andere Menschenrechtsverletzungen in China zu kritisieren, gibt "kath.net" die IGFM wieder.

Unterdessen prüft die Staatsanwaltschaft in Heidelberg, ob von Hagens wegen "Störung der Totenruhe" nach Paragraph 168 des Strafgesetzbuches angeklagt werden kann. Das meldet "Die Welt" (Ausgabe vom 20. Januar). Sollte es zu einem Ermittlungsverfahren und einer Verurteilung kommen, müsste von Hagens mit einer Geldstrafe oder Gefängnis mit bis zu drei Jahren rechnen, so das Blatt.

(mehr dazu: www.spiegel.de; www.welt.de; www.sueddeutsche.de; www.faz.net; www.hospize.de; www.kath.net; www.igfm.de)

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