ALfA-Newsletter vom 25.07.2003

News

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ALfA zur Gesundheitsreform: "Als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet"

Berlin (ALfA). Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) hat mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass bei der Gesundheitsreform Sterilisationen und künstliche Befruchtungen - anders als geplant - nun doch nicht in vollem Umfang als versicherungsfremde Leistungen aus dem Katalog der Krankenkassen herausgenommen werden sollen. Das teilte die Bundesvorsitzende der ALfA, Dr. med. Claudia Kaminski, der Presse in einer Erklärung vom 23. Juli mit. "Fruchtbarkeit ist keine Krankheit", so die Ärztin. Es sei davon auszugehen, dass unter die nun geplante medizinische Indikation für Sterilisationen alle bisherigen Indikationen, etwa eine abgeschlossene Familienplanung, subsumiert würden.

Dass künstliche Befruchtungen bis zu drei Versuchen künftig nur noch zu 50 Prozent von der Solidargemeinschaft bezahlt werden sollen, bezeichnete Kaminski als "Schritt in die richtige Richtung", der aber nicht weit genug gehe. "Es gibt kein Recht auf ein eigenes Kind", so die ALfA-Bundesvorsitzende. Statt künstliche Befruchtungen weiter zu subventionieren, sollten Adoptionen gefördert und erleichtert werden.

Besonders bedauerlich sei es, dass Regierung und Opposition sich nicht entschließen könnten, auch die Abtreibungen aus den Kassenleistungen herauszunehmen. Das gelte um so mehr, als auch Folgekosten für die Behandlung des Post Abortion Syndroms (PAS) berücksichtigt werden müssten, die, weil sie nicht selten bis ans Lebensende erforderlich seien, enorm hoch sein dürften und die Solidargemeinschaft zusätzlich belasteten. Kaminski resümiert: "Die Gesundheitsreform ist als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet."

(www.alfa-ev.de)

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Wer zu früh kommt, den bestraft die Gesundheitsreform: Sparen bei den Kleinsten

Heidelberg (ALfA). Durch die Gesundheitsreform drohen bei der Versorgung von Frühgeborenen dramatische Einschnitte. Das bestätigte Professor Otwin Linderkamp, ärztlicher Direktor der Abteilung für Neugeborenenmedizin an der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg in einem Interview mit der "Tagespost" (Ausgabe vom 24. Juli). Die angestrebte Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung gefährde das Überleben der Frühgeborenen, da die vorgesehene pauschalierte Bezahlung nicht ausreichen werde, um die medizinische Versorgung zu sichern.

Die medizinische Betreuung eines besonders kleinen "Frühchen" koste im Extremfall 100.000 Euro, doch auf Grund der Fallpauschalen würden die Kassen künftig maximal 70.000 Euro zahlen. Damit fehlten 30.000 Euro für die Versorgung dieser Kinder. Die Konsequenz sei, dass dreißig Prozent Personal eingespart werden müsse, wodurch die Qualität der medizinischen Versorgung stark leiden werde. "Es kann auch sein, dass sich Kliniken grundsätzlich entschließen, diese Kinder nicht mehr zu versorgen", befürchtet Linderkamp. Durch den Qualitätsverlust werde es eine höhere Sterblichkeit geben. "Man muss davon ausgehen, dass mehrere hundert Kinder weniger überleben werden. Dazu kommt noch, dass viele Kinder nur mit Behinderungen überleben werden", so der Experte.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Als die Büchse der Pandora geöffnet wurde: Erstes Retortenbaby wird 25 Jahre alt

London (ALfA). Heute (25. Juli) wird Louise Brown, das erste Retorten-Baby der Welt, 25 Jahre alt. Daran erinnern unter anderem "Die Welt", die "Westfälische Rundschau" (Ausgaben vom 25. Juli) sowie "Die Tagespost" (Ausgabe vom 24. Juli). Louise Brown sei bereits ein internationales Gesprächsthema gewesen, als sie am 25. Juli 1978 in einem Londoner Krankenhaus per Kaiserschnitt geboren wurde. Damals habe das erste Baby, das mittels einer künstlichen Befruchtung erzeugt wurde, für eine heute kaum noch vorstellbare Empörung gesorgt, so die Zeitungen.

Seither sind allein in Deutschland in den letzten 20 Jahren etwa 100.000 künstliche Befruchtungen erfolgreich durchgeführt worden - längst nicht nur bei als unfruchtbar geltenden Paaren. Doch viele Pioniere der Fruchtbarkeitsforschung sähen die Entwicklung heute kritisch, so die "Westfälische Rundschau". Im Nachhinein gäben manche sogar den Kirchen Recht, die 1978 gewarnt hätten, es werde ein Geist aus der Flasche gelassen, dem nie mehr Herr zu werden sei. Professor Robert Edwards, der 1978 zusammen mit dem Gynäkologen Patrick Steptoe den ersten Menschen in der Petrischale gezeugt hatte, betrachte die heutigen "Babyfabriken" mit Entsetzen. "Seit sich die künstliche Befruchtung ausgebreitet hat, ist sie zum pharmazeutischen Unfug verkommen", zitiert das Blatt den Wissenschaftler. Phänomene wie die Leihmutterschaft habe er in keiner Weise vorausgesehen. Laut dem Blatt werfe Robert Winston, britischer Professor und Experte für Fruchtbarkeitsstudien, vielen Privatkliniken "kommerzielle Ausbeutung der schlimmsten Art" vor. Sorgen bereite ihm auch die inzwischen verbreitete Praxis, Embryonen vor der Verpflanzung einzufrieren.

(mehr dazu: www.welt.de; www.westfaelische-rundschau.de; www.die-tagespost.de)

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Auf ein Neues: FDP will Stammzellgesetz liberalisieren

Berlin (ALfA). Die FDP-Bundestagsfraktion will das deutsche Stammzellgesetz liberalisieren. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 22. Juli). Derzeit befänden sich die deutschen Forscher in einer rechtlichen Grauzone, welche Projekte mit embryonalen Stammzellen sie im Ausland ausführen dürften, so die Vorsitzende des Forschungsausschusses im Bundestag, Ulrike Flach (FDP). Das im letzten Jahr beschlossene Stammzellgesetz sei in diesem Punkt unklar und führe zu einer Isolierung deutscher Forscher. Aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen würden die Wissenschaftler derzeit auf internationale Kooperationen eher verzichten.

Es sei nun Ziel der FDP, Kooperationen problemlos zu ermöglichen. Außerdem solle sich Deutschland aktiv am Aufbau der in Großbritannien geplanten Stammzellbank beteiligen, so die FDP-Politikerin. Um die eigenen Forscher in Deutschland zu halten, müssten die Regeln zur Auslandsforschung im Stammzellgesetz verändert werden. Das Gesetz verbietet es, von Deutschland aus zum Umgang mit embryonalen Stammzellen aufzufordern oder bei der Forschung zu helfen, sofern die Zellen nicht auch in Deutschland genehmigungsfähig wären. Dazu müssen sie vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sein.

Als weitere Initiative habe Flach laut der FAZ eine Anfrage an die Bundesregierung angekündigt, ob die deutschen Botschaften und Konsulate sich aktiv genug der Forschungsförderung widmeten.

(mehr dazu: www.faz.net)

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"Rule Britannia...": Embryonen-Umschlagplatz internationalisiert

London (ALfA). Grossbritannien etabliert sich derzeit als Umschlagplatz der weltweiten Stammzellforschung, nachdem bereits im vergangenen Sommer eine Bank begründet wurde, in der über die Jahre möglichst alle Kulturen von Stammzellen gesammelt werden sollen. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 24. Juli). Am 11. Juli sei dieses Vorhaben nun internationalisiert worden. Vertreter von Forschungsorganisationen aus 12 Staaten, unter anderem aus Amerika, Kanada, Deutschland, Israel, Australien und Großbritannien hätten in London über eine Koordination der Stammzellforschung durch ein "International Stem Cell Forum" beraten. Vor allem sollten nach Ansicht der Experten gemeinsame Standards entwickelt werden, die Publikationen über Stammzellen vergleichbar machen könnten, so die FAZ.

Da das Projekt mit der vom deutschen Gesetzgeber geächteten Tötung von Embryonen zur Stammzellgewinnung einhergehe, habe der deutsche Vertreter im Forum, Max-Planck-Präsident Peter Gruss, ein Kooperationsabkommen nicht unterzeichnet. Eingehend habe Gruß, der in Vertretung von DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker an dem Treffen teilgenommen habe, die von der deutschen Rechtssprechung gesetzten Grenzen aufgezeigt. Dennoch könne Gruss sich eine deutsche Mitwirkung an dem Großprojekt vorstellen. Deutsche Forscher könnten vor allem somatische Stammzellen beitragen, für deren Gewinnung keine Embryonen getötet würden. Gruss habe allerdings eingeschränkt, dass zunächst die Rechtslage geklärt werden müsse.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Slowakischer Präsident legt Veto ein: Abtreibungsgesetz wird neu verhandelt

Pressburg (ALfA). Der slowakische Staatspräsident Rudolf Schuster hat das neue Abtreibungsgesetz nicht unterschrieben, sondern es an das Parlament zur Überarbeitung zurückverwiesen. Das meldet die slowakische Nachrichtenagentur "tasr" (22. Juli). Das Gesetz sehe vor, dass Kinder bis zur 24. Schwangerschaftswoche abgetrieben werden dürfen, sofern eine Behinderung festgestellt werde.

Zuvor hatte sich der slowakische Staatspräsident Schuster verärgert über die im Kontext des bevorstehenden Papstbesuchs aufgebrochenen ideologischen Gräben in Regierung und Gesellschaft gezeigt. Das berichtet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 22. Juli). Gegenüber der Tageszeitung "Pravda" habe Schuster geäußert: "Ich denke, dass alle hätten warten können. Sie kennen die Meinung des Papstes in dieser Angelegenheit." Nachdem der Präsident nun die Novelle zur erneuten Beratung ans Parlament zurückverwiesen habe, komme es zu einer erneuten Diskussion in der Zeit des Papstbesuchs (11. bis 14. September), so "Die Tagespost".

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Hilflosigkeit in Argentinien: Anzahl illegaler Abtreibungen explodiert

Buenos Aires (ALfA). Die Zahl der illegalen Abtreibungen in Argentinien ist stark angestiegen. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Ausgabe vom 23. Juli). Jährlich würden rund 500.000 Frauen illegal eine vorgeburtliche Kindstötung vornehmen lassen. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Abtreibungen "explosionsartig gestiegen", zitiert das Blatt den Gesundheitsminister Gines Gonzalez Garcia. Da eine Mehrzahl der illegalen Abtreibungen von schlecht ausgebildetem Personal ausgeführt würden, gäbe es einen ständigen Anstieg der bei einem Schwangerschaftsabbruch schwer verletzten Frauen.

Das argentinische Gesundheitsministerium hat laut dem "Deutschen Ärzteblatt" angekündigt, um die Problematik in den Griff zu bekommen, sollten Gesundheitsberater und Streetworker landesweit Verhütungsmittel verteilen und Aufklärung leisten.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)


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