ALfA-Newsletter vom 26.03.2004

News

-------------------------

Auf der Suche nach der "Quadratur des Kreises": Euthanasie-Debatte vertagt

Straßburg (ALfA). Der Sozialausschuss der Parlamentarischen Versammlung des Europarats hat die Debatte über die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe vertagt. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 26. März). Nun solle das Thema am 27. April bei der Frühjahrssitzung der Straßburger-Parlametarier-Versammlung diskutiert werden, ohne dass zunächst eine Abstimmung vorgesehen sei. Stattdessen will der Ausschuss laut dem "Ärzteblatt" vor dem Hintergrund der Stellungnahmen von 45 Mitgliedsstaaten erneut über aktive Sterbehilfe beraten.

Gegenstand der gegenwärtigen Debatte ist ein Bericht des Schweizer Liberalen Dick Marty, in dem er fordert, dass medizinisches Personal unheilbar erkrankte Menschen töten darf, wenn diese dauerhaft an starken Schmerzen leiden und ihren Wunsch beharrlich, freiwillig und nach reiflicher Überlegung geäußert haben (vgl. ALfA-Newsletter vom 17., 23. und 31. Januar 2004).

Unterdessen hat die Deutsche Hospiz Stiftung die Entscheidung des Sozialausschusses begrüßt. In einer Mitteilung an die Presse (25. März) sagte Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, niemand dürfe über das Leben und den Tod eines anderen Menschen richten. Doch "fragwürdig bleibt bei der ganzen Diskussion um Sterbehilfe, wie man einen Kompromiss finden kann zwischen Töten und Nicht-Töten. Das klingt nach der Quadratur des Kreises", so Brysch.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de; www.hospize.de)

-------------------------

Gegen die "Bankrotterklärung der Menschlichkeit": "Woche für das Leben" vorgestellt

Berlin (ALfA). Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben ihre ablehnende Haltung zur Euthanasie bekräftigt. Das berichten das "Deutsche Ärzteblatt" und "Die Rheinpfalz" (Online-Ausgaben vom 24. März). Anlässlich der Vorstellung des Programms der diesjährigen "Woche für das Leben" sagte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber: "Aktive Sterbehilfe ist Töten". Eine Legalisierung "käme einer Bankrotterklärung der Menschlichkeit gleich", zitieren die Zeitungen Huber. Menschlichem Leid dürfe nicht durch Tötung, sondern müsse durch Zuwendung in einer "Kultur der Achtsamkeit" begegnet werden, so Huber laut dem "Ärzteblatt".

Wie die Zeitungen weiter berichten, hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, dazu aufgefordert, Sterbende in ihrem Leid respektvoll zu begleiten. Dazu müsse unter anderem die seelsorgerische und medizinische Betreuung Schwertskranker stärker als bisher gefördert werden. "Je weniger sich Menschen vor einem qualvollen Tod fürchten müssen, desto weniger drängen sie auf eine aktive Tötung Sterbender", zitiert das "Ärzteblatt" Lehmann. Daneben habe der Kardinal betont, dass die Praxis der Sterbehilfe alte und schwerkranke Menschen unter Druck setze, der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen.

Die "Woche für das Leben" ist eine gemeinsame Initiative der katholischen und evangelischen Kirche und steht in diesem Jahr unter dem Motto "Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens". Vom 24. April bis zum 1. Mai werden zu diesem Thema bundesweit zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen und Gottesdienste stattfinden (siehe ALfA-Terminservice).

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de; www.rheinpfalz.de)

-------------------------

"Beendigung der Ernährung unmoralisch": Papst tritt für Koma-Patienten ein

Rom (ALfA). Papst Johannes Paul II hat die Beendigung beziehungsweise Unterbrechung der Behandlung oder Ernährung von Koma-Patienten als unmoralisch verurteilt. Das meldet die "Tiroler Tageszeitung" (Ausgabe vom 21. März). Bei einem solchen Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen handele es ich um "Sterbehilfe durch Unterlassen", so der Papst laut der "Tiroler Tageszeitung". Zudem sei die Bezeichnung von Koma-Patienten als Personen in einem "dauerhaft vegetativen Zustand" diskriminierend.

Wie die Zeitung weiter berichtet, hat das Oberhaupt der katholischen Kirche betont, dass jeder die moralische Verpflichtung habe, die Behandlung und Pflege von Menschen fortzuführen. Auch wenn kaum eine Hoffnung auf Heilung bestehe, könne das nicht den Abbruch oder eine Unterbrechung der "grundlegendsten Fürsorge" für den Patienten rechtfertigen, sagte der Papst laut der "Tiroler Tageszeitung". Weiter habe der Papst unterstrichen, dass die Verabreichung von Wasser und Nahrung immer ein natürlicher Weg der Lebenserhaltung und keine medizinische Handlung sei.

(mehr dazu: http://news.tirol.com)

-------------------------

Schweden will Forschungsklonen freigeben: Recht ist, was die Ethikkommission billigt

Stockholm (ALfA). Die schwedische Regierung will das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken erlauben. Das meldet die "Freie Presse Online" (25. März). Ein entsprechender Gesetzentwurf solle am 29. März dem Parlament vorgelegt werden. Gleichzeitig solle aber eine konkrete medizinische Anwendung des Forschungsklonens sowie das reproduktive Klonen von Menschen bis auf weiteres verboten bleiben.

Laut der "Freien Presse Online" hat die Regierung weiter angekündigt, dass in dem Gesetzentwurf auch eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen würden, um mit der Forschung an menschlichen Embryonen neue Behandlungsmethoden für bislang unheilbare Krankheiten zu entwickeln. Allerdings sei die Genehmigung einer Ethikkommission Bedingung für jede Forschung dieser Art, habe die schwedische Regierung betont. Dem Medienbericht zufolge ist in Schweden die Forschung an künstlich erzeugten Embryonen seit 1991 gestattet.

(mehr dazu: www.freiepresse.de)

-------------------------

CDL-Jugenbeauftragte fordert: Lebensschutz soll in Schulen Schule machen

Würzburg (ALfA). Angesichts der steigenden Abtreibungszahlen bei Minderjährigen hat die Jugendbeauftragte der Christdemokraten für das Leben (CDL), Katharina Rothweiler, dafür plädiert, dass an den Schulen besser über das ungeborene Leben informiert wird. In einem Interview mit der katholischen Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 23. März) kritisierte sie, dass in den Schulen oft verschwiegen werde, was Abtreibung wirklich bedeutet. "Sinnvoll wäre auch, im Biologieunterricht einmal die Plastiknachbildung eines drei Monate alten Embryos zu zeigen. Da wären viele Jugendliche wahrscheinlich erschrocken, weil sie noch nie so konkret vor Augen gehabt haben, wen man im dritten Schwangerschaftsmonat eigentlich abtreibt", sagte Rothweiler der "Tagespost". Im Unterricht erhielten Schüler zwar eine biologische Aufklärung, aber kaum jemand erwähne etwa das Post-Abtreibungs-Syndrom. "Darüber redet man nicht", so Rothweiler.

Weiter erklärte die Jugendbeauftragte der CDL, sie könne sich nicht vorstellen, dass in Deutschland die Aufklärungspflicht über Abtreibungsrisiken gesetzlich verankert würde. "Dieses Thema wird tabuisiert." Auch sei es hierzulande schwer, betroffene Frauen zu finden, die offen über ihre Erfahrungen berichten würden. "Viele sind wohl so traumatisiert, dass sie gar nicht darüber reden können", so Rothweiler weiter.

Bezüglich der steigenden Anzahl von Abtreibungen bei Minderjährigen sagte Rothweiler im "Tagespost"-Interview, dass viele Mädchen ihre Schwangerschaft vor den Eltern geheim hielten. Bei den Beratungsstellen werde oft nur ein Standardinterview von maximal zehn Minuten durchgeführt, in dem weder auf die Schwangere wirklich eingegangen noch für das Leben beraten werde, kritisierte Rothweiler. "Danach erscheint vielen die Abtreibung als der einzige Ausweg," so die CDL-Jugendbeauftragte.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

-------------------------

UNFPA ruft zum Kampf auf: "Religiöse Barrieren bezüglich Abtreibung brechen"

Amsterdam (ALfA). Teilnehmerinnen eines UN-Bevölkerungs-Treffen haben gefordert, Abtreibungen unter dem Deckmantel der "reproduktiven Rechte" stärker zu propagieren. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (22. März). In Amsterdam hätten die Geschäftsführerin des UN-Population Fund (UNFPA), Thoraya Ahmed Obaid, sowie die niederländische Ministerin Agnes van Ardenne erklärt, man wolle den Kampf gegen religiöse Barrieren bezüglich Abtreibung aufnehmen. Als ihr gemeinsames Ziel haben sie laut "kath.net" das "Brechen der Stille und kultureller sowie religiöser Tabus" und ihrer Beziehung zu den sogenannten Reproduktionsrechten genannt.

(mehr dazu: www.kath.net)

-------------------------

Päpstliche Akademie für das Leben: Gegen Problem der Unfruchtbarkeit vorgehen

Rom (ALfA). Die Päpstliche Akademie für das Leben hat gefordert, gegen das wachsende Problem der Unfruchtbarkeit von Paaren vorzugehen, um künstliche Befruchtungen zu vermeiden. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Zenit" (19. März) unter Berufung auf eine Stellungnahme des Vatikans, in der die Beschlüsse der Vollversammlung zum Thema "Die Würde der menschlichen Fortpflanzung und Fortpflanzungstechniken: Anthropologische und ethische Aspekte" veröffentlicht worden sind. An der Versammlung haben laut "Zenit" Ärzte, Wissenschaftler, Bioethiker und Rechtsexperten teilgenommen. Sie hätten gefordert, dass sich die Wissenschaft angesichts der Zunahme der Unfruchtbarkeit unter Ehepaaren darum bemühen müsse, "die wahren Ursachen dafür zu ergründen und Heilmittel zu finden", zitiert "Zenit" aus der Stellungnahme.

In der Stellungnahme werde die "selbstgefällige" Haltung kritisiert, die manche Paare dazu treibe, von künstlichen Fortpflanzungstechniken als "einzige Behandlungsmöglichkeit" Gebrauch zu manchen, so die Nachrichtenagentur weiter. Schlimmer noch sei aber die neue Mentalität, nach der die künstlichen Fortpflanzungstechniken dem natürlichen Weg, ein Kind auf die Welt zu bringen, vorgezogen würden. Diese Mentalität werde durch den Glauben genährt, dass solche Techniken der effektivere Weg zur "Kontrolle über Qualitäten des empfangenen Kindes" seien, zitiert "Zenit" die Teilnehmer. "All das trägt dazu bei, das durch eine künstliche Befruchtungsmethode empfangene Kind als Produkt zu betrachten, dessen Wert tatsächlich in hohem Maß von seiner guten Qualität abhängt; es wird mehreren Kontrollen unterworfen und mit Sorgfalt ausgewählt." Die "tragische Folge" sei die Tötung solcher Embryonen, die als qualitativ unzureichend angesehen würden, heißt es laut "Zenit" in der Stellungnahme.

Wie die Nachrichtenagentur weiter berichtet, begrüßten die Mitglieder der Akademie die Bemühungen der Medizin, verschiedene Formen der ehelichen Unfruchtbarkeit zu heilen. Zudem hätten sie die Adoption als eine Geste der Liebe für Ehepaare vorgeschlagen, die vom Problem der Unfruchtbarkeit betroffen seien.

In ihrer Stellungnahme hätten die Mitglieder der Akademie für das Leben abschließend an die Gesetzgeber appelliert, entschlossen solchen Gesetzen entgegenzutreten, die offen die Würde des Menschen verletzten, wie etwa im Falle der Abtreibung oder der Euthanasie.

(mehr dazu: www.zenit.org)

-------------------------

Abtreibung als "nationale Tragödie": Australischer Minister fordert mehr Engagement

Adelaide (ALfA). Der australische Gesundheitsminister Tony Abbott hat die christlichen Kirchen aufgefordert, sich intensiver darum zu bemühen, Abtreibungen und Jugendschwangerschaften einzudämmen. Das berichtet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (19. März). Die Kirchen beschäftigten sich eher mit politischen Fragen als mit der Abtreibungsfrage und der Promiskuität, so Abbott in einer Rede an der University of Adelaide. Laut "kath.net" betonte Abbott, dass Abtreibung als eine "schwerwiegende Realität" gesehen werden müsse.

Abbott habe ausgeführt, dass sich christliche Gruppierungen beispielsweise nachdrücklich mit dem wichtigen Thema der geringeren Lebenserwartung der Aborigines beschäftigten. Doch nur wenige christliche Organisationen würden ähnlich viel Wert auf die Lebenserwartung von ungeborenen Kindern legen. "Warum wird das nicht als nationale Tragödie angesehen?", zitiert "kat.net" den Politiker. "Wenn man nur halb soviel in die Senkung der Teenager-Promiskuität investieren würde wie in die Maßnahmen, sie vom zu schnellen Autofahren abzuhalten, gäbe es weniger Abtreibungen, weniger traumatisierte Frauen und weniger nichtfunktonierende Familien", so Abbott.

(mehr dazu: www.kath.net)


-------------------------

Herausgeber:

Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V.
Geschäftsstelle Augsburg:
Ottmarsgässchen 8
D-86152 Augsburg

Telefon: 08 21 - 51 20 31
Telefax: 08 21 - 15 64 07
E-Mail: bgs@alfa-ev.de

Internet: www.alfa-ev.de

ALfA-Spendenkonto:
AugustaBank eG (BLZ 720 900 00)
Konto 50 40 990
Postbank Niederlassung München (BLZ 700 100 80)
Konto 24 22 44 - 800


Die Newsletter-Archiv-Übersicht mit weiteren Ausgaben des ALfA-Newsletters finden Sie unter http://www.alfa-ev.com/fr_presse.html