ALfA-Newsletter vom 26.09.2003

News

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BVL: Rücktritt von DGGG-Präsident gefordert

Lübeck (ALfA). Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Klaus Diedrich, hat gefordert, das deutsche Embryonenschutzgesetz (ESchG) zu reformieren. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 23. September). In wesentlichen Teilen habe das Gesetz versagt, so der Gynäkologe. "Das Ziel der Kinderwunschbehandlung ist nicht allein die Schwangerschaft, sondern die Geburt eines gesunden Kindes", zitiert das Blatt Diedrich. Dieses Ziel könne mit dem deutschen Embryonenschutzgesetz nicht erreicht werden.

Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz dürfe eine Eizelle nur mit dem Ziel befruchtet werden, dass es zu einer Schwangerschaft komme. Jeder Embryo, der im Labor erzeug werde, müsse noch im selben Zyklus an die Patientin zurückgegeben werden, heißt es im "Deutschen Ärzteblatt". Embryonenforschung oder -konservierung seien verboten. "Nur durch Forschung kann es jedoch zu einer Verbesserung der Ergebnisse bei der künstlichen Befruchtung kommen", zitiert das Blatt Diedrich. Dieser breche ebenfalls eine Lanze für die in Deutschland verbotene Präimplantationsdiagnostik. Dieses Verfahren solle zumindest bei Risikopatientinnen mit höhere Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenstörung gestattet sein. "Auf diese Weise kann ein möglicher Schwangerschaftsabbruch verhindert werden", so der DGGG-Präsident.

Nachteilig wirke sich auch die sogenannte Dreierregel des Embryonenschutzgesetzes aus: Während eines Zyklus dürften höchstens drei Eizellen befruchtet und in die Gebärmutter eingepflanzt werden. Deshalb läge die Schwangerschaftsrate in Deutschland nur bei etwa 25 Prozent pro Behandlungsversuch, während in anderen europäischen Staaten bis zu 50 Prozent erzielt würden.

Demgegenüber erklärte die Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht (BVL), Claudia Kaminski, in einer Mitteilung an die Presse (23. September), das deutsche Embryonenschutzgesetz habe sich bewährt. Es sorge dafür, dass durch die Reproduktionsmedizin "keine Menschen auf Halde produziert werden, die dann Teile der Pharmaindustrie oder gewissenlose Wissenschaftler auf den Plan rufen, sich ihrer als Rohstofflieferanten zu bedienen." In den USA, einem traditionell überaus forschungsfreundlichen Land, sowie in zahlreichen anderen Ländern würde Deutschland um dieses Gesetz beneidet. So wolle etwa Spanien jetzt die Zahl der Eizellen, die pro Zyklus befruchtet werden können - wie im ESchG vorgeschrieben - auf drei beschränken, sagte Kaminski.

"Wenn der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe nun beklagt, dass die Reproduktionsmedizin in einigen wenigen Ländern eine höhere Baby-Take-Home-Rate aufweise, dann sollte er nicht verschweigen, dass der Preis dafür ein höhere Verbrauch von Embryonen ist", fordert Kaminski. Das Embryonenschutzgesetz habe, wie bereits sein Name erkennen lasse, das Ziel, Menschen, die außerhalb des Mutterleibes erzeugt würden, im frühen Entwicklungsstadium zu schützen. Kaminski weiter: "Seine Aufgabe ist es nicht, deutsche Reproduktionsmediziner im internationalen Wettbewerb mit Rückenwind zu versehen".

Als "völlig unerträglich" bezeichnete die Vorsitzende des BVL das Bekenntnis Diedrichs zur aktiven Eugenik. Mit seiner Aussage, Ziel der Kinderwunschbehandlung sei nicht allein die Schwangerschaft, sondern die Geburt eines gesunden Kindes, nehme der DGGG-Präsident alle Frauenärzte und -ärztinnen in Haft für die Durchsetzung einer auf eugenische Ziele ausgerichtete Fortpflanzung. "Das ist unter keinen Umständen akzeptabel. Der BVL fordert daher den sofortigen Rücktritt Diedrichs", so Kaminski.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de; www.bv-lebensrecht.de)

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Deutsche Brückenbauer gegen totales Klonverbot: Regierung brüskiert Bundestag

Berlin (ALfA). Die Bundesregierung wird bei den Verhandlungen über eine UN-Konvention zum Verbot des Klonens nicht für ein umfassendes Klonverbot eintreten. Das bestätigte Kerstin Müller, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, in einem im "Zeitecho" (Ausgabe vom 24. September) veröffentlichten Interview mit der "Katholischen Nachrichtenagentur" (KNA). Auf die Frage, ob Deutschland den Resolutionsentwurf Costa Ricas unterstützen werde, mit dem jegliches Klonen geächtet werden soll, antwortete Müller, Deutschland favorisiere eine Linie, "die vor allen Dingen eine Brücke baut zu den Ländern, die im Bereich des therapeutischen Klonens schon forschen." Würde deren Zustimmung nicht gewonnen, mache eine Konvention wenig Sinn. Den Einwand, dass Deutschlands Zustimmung zu dem costaricanischen Entwurf, den neben der USA auch zahlreiche andere Länder unterstützen, eine Signalwirkung haben könnte, ließ die Staatsministerin nicht gelten. "Unsere Sondierungen haben klar ergeben, dass der costaricanische Antrag von entscheidenden Ländern wie Israel, China oder Singapur und vor allem einer großen Mehrheit der EU-Länder nicht mitgetragen wird." Vielmehr müsse angestrebt werden, dass das reproduktive Klonen geächtet werde. Was die Regelung des therapeutischen Klonens betraf, konnte sich die Staatsministerin von einem Verbot über ein Moratorium bis hin zu nationalen, beschränkenden Regelungen alles vorstellen.

Unterdessen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" in einer Mitteilung an die Presse (24. September) die Bundesregierung aufgefordert, den Vorschlag aus Costa Rica für ein umfassendes Verbot des Klonens nachdrücklich zu unterstützten. Der mit überwältigender fraktionsübergreifender Mehrheit gefasste Beschluss des Bundestages vom 20. Februar lasse der Bundesregierung keinen Spielraum, sich etwa nur für ein Verbot des reproduktiven Klonens einzusetzen, das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken aber der jeweiligen nationalen Gesetzgebung anheimzustellen. "Gegenüber einer menschenwürdewidrigen Praxis kann die Bundesregierung auf internationalen Ebene nichts anderes vertreten als ein Verbot", so der CDU-Politiker.

Soweit Erwägungen eine Rolle spielten, man müsse auch Länder wie Großbritannien, die das Klonen zu Forschungszwecken zulassen, ins Boot holen, "würde man einer Illusion unterliegen". Solche Länder würden keine internationale Initiative stützen, die in Richtung eines umfassenden Verbotes ginge. "Die Einbeziehung dieser Länder würde auch das Anliegen diskreditieren", so Hüppe weiter. Die Ablehnung des Vorschlages von Costa Rica oder auch eine Enthaltung wäre "eine Brüskierung des Bundestages."

(mehr dazu: www.zeitecho.de)

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Neue Sperrminorität möglich? EU-Minister verhandeln über Embryonen-Tötung

Brüssel (ALfA). Bei dem Treffen der EU-Forschungsminister hat sich die portugiesische Delegation gemeinsam mit Deutschland, Österreich und Italien gegen Pläne der EU-Kommission ausgesprochen, die verbrauchende Embryonenforschung von Januar 2004 an finanziell zu fördern. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgabe vom 23. September). Diese vier Länder könnten eine Sperrminorität erwirken, wenn es zu einer Abstimmung käme.

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen alle menschliche Embryonen, die vor dem 27. Juni 2002 erzeugt worden sind und jetzt nicht mehr benötigt werden, getötet werden dürfen, um embryonale Stammzellen zu gewinnen (vgl. ALfA-Newsletter vom 11. Juli 2003). Danach würden EU-Gelder für eine Forschung verwandt, die in Deutschland unter Strafe steht.

Zuvor hatte die Bundesärztekammer (BÄK) die Forschungsminister der EU aufgefordert, von einer Förderung verbrauchender Embryonenforschung abzusehen. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 23. September). BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe habe mit Nachdruck dafür plädiert, "das Moratorium zur Förderung embryonaler Stammzellforschung über das Jahresende hinaus unbestimmt zu verlängern", zitiert das Blatt den Arzt. Ferner habe er sich dafür ausgesprochen, die ethisch unbedenkliche Forschung an adulten Stammzellen stärker zu fördern. "Die Forschung an adulten Stammzellen hat deutliche Fortschritte gemacht", so Hoppe. Dafür sollten die begrenzten Fördermittel ausgegeben werden und nicht für eine Forschung, "die die Menschenwürde verletzt."

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat an die Europäische Union appelliert, verbrauchende Embryonenforschung nicht zu unterstützen. Das berichten "Spiegel Online" (Ausgabe vom 22. September) sowie das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 23. September). Lehmann habe gesagt, es gehe nicht an, mit Steuergeldern eine Forschung zu unterstützen, "die die Tötung menschlichen Lebens voraussetzt", zitiert das "Ärzteblatt" den Bischof. Gerade zu Beginn und im Alter verdiene "menschliches Leben einen besonderen Schutz."

Am 18. November ist laut der " Süddeutschen" eine Abstimmung im Europäischen Parlament geplant. Zwar müssten sich Ministerrat und Kommission dem Votum der Abgeordneten nicht beugen, doch sei es möglich, dass sich bei einer klaren Mehrheit gegen die Kommissionspläne die bisher noch unsicheren Länder, etwa Spanien und Irland, auf die Seite Deutschlands schlagen würden. Falls allerdings bis zum Jahresende keine Vereinbarung getroffen werden könnte, müsse ab Januar sämtliche Forschung freigegeben werden. Dazu schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgabe vom 22. September), wer sehen wolle, wohin die völlige Forschungsfreigabe führe, "dem sei der Blick nach China empfohlen." Das Eugenik-Gesetz von 1995 sei ohne öffentliche Debatte zustande gekommen. Seither versuche die Staatsführung die genetische Qualität der Bevölkerung zu steigern. "Die Abtreibung wird auch deshalb propagiert, weil so der Nachschub an "biologischem Material" - sprich: abgetriebenen Föten - für die Forschung gewährleistet ist", heißt es in der Zeitung. Jing-Bao Nie vom Zentrum für Bioethik an der neuseeländischen Universität Otago spreche davon, dass bei dieser Eugenik das Schicksal derer, die nicht für sich selbst sprechen können, geopfert werde. "Dasselbe lässt sich behaupten vom Umgang der EU-Kommission mit dem Rohstoff Embryo", schreibt die "Süddeutsche". "Die Fiktionalisierung des Menschen durch die Bioethik ist uns näher, als wir Europäer glauben."

(mehr dazu: www.sueddeutsche.de; www.spiegel.de; www.ärzteblatt.de)

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Paragraph 218 soll geändert werden: Union beschließt Antrag

Berlin (ALfA). Die Unionsfraktion im Bundestag hat einen Antrag zur Änderung des Paragraphen 218 beschlossen. Das meldet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 25. September). Ziel sei es, die Zahl der Spätabtreibungen deutlich zu senken. Bei dem am 23. September in Berlin verabschiedeten Antrag "Vermeidung von Spätabtreibungen - Hilfen für Eltern und Kinder" gehe es im Kern um eine verbindliche psychosoziale Beratung in Zusammenhang mit vorgeburtlicher Diagnostik (PND) sowie um eine Einschränkung der ärztlichen Haftpflicht, so "Die Tagespost".

Nach Vorstellungen der Union solle der Paragraph 218a um die Formulierung ergänzt werden, dass Hinweise auf eine Behinderung des Ungeborenen allein als Begründung einer medizinischen Indikation nicht ausreichten, schreibt die Zeitung. Eine medizinische Indikation im Zusammenhang mit einer Behinderung solle dem Antrag zufolge nur durch ein interdisziplinär besetztes Kollegium festgestellt werden können.

Im Juli 2002 war ein ähnlicher Unions-Antrag vom Bundestag abgelehnt worden (vgl. ALfA-Newsletter vom 5. Juli 2002). Immer wieder wird seit längerem von Kirchenvertretern und Fachleuten, zuletzt von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, eine Änderung des Paragraphen 218 angemahnt, um Spätabtreibungen zu vermeiden (vgl. ALfA-Newsletter vom 27. Juni 2003). Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich etwa 800 schon außerhalb des Mutterleibes lebensfähige Kinder abgetrieben.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Schluss mit der Friedhofsruhe: 1.000 Kreuze erinnern an Abtreibung

Karlsbad (ALfA). In Karlsbad stehen seit dem 13. September 1.000 weiße Holzkreuze auf einem Feld, um an die 1.000 Kinder zu erinnern, die jeden Werktag in Deutschland abgetrieben werden. Das melden die "Badischen Neuesten Nachrichten" (Ausgaben vom 10. September und vom 15. September) sowie "Die Tagespost" (Ausgabe vom 20. September). "Wir verstehen diese Aktion als Engagement für das Leben", wird Thomas Schührer vom Verein "Durchblick", Organisator des 1.000-Kreuze-Feldes, zitiert. Frauen, die abtreiben, sollten nicht verurteilt, sondern vielmehr ermutigt werden, ihr Kind auszutragen, habe Schührer bei der Eröffnung des Ackers klargestellt, so die Zeitungen. Abtreibung sei in Deutschland ein Tabuthema, bei dem die Gesellschaft lieber wegschaue als hinsehe. Das müsse geändert werden.

Vor rund 200 Zuhörern habe Mechthild Löhr, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), von der Verpflichtung gesprochen, die große Zahl an Abtreibungen als "existentielles Unrecht" zu bekämpfen. Rainer Beckmann, Richter und Mitglied der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", habe in seiner Rede die deutsche Beratungsregelung kritisiert, so die Zeitungen weiter. "Eine Abtreibung mit Beratungsschein gilt als straflos, wird rechtlich gebilligt, ja sogar gefördert", zitieren die "Badischen Neuesten Nachrichten" den Juristen. "Was der Staat billigt, kann von der Gesellschaft nicht verurteilt werden."

Bis zum 17. Oktober würden die weißen Holzkreuze dort als Mahnmal an die etwa 250.000 ungeborenen Kinder erinnern, die noch im Mutterleib getötet würden. Dann würden die Kreuze an anderer Stelle wieder errichtet werden. Der Karlsbader 1.000-Kreuze-Acker sei schon der vierte seiner Art. Ähnliche Felder seien bereits bei Heidelberg, Würzburg und Trier errichtet worden.

(mehr dazu: www.bnn.de; www.die-tagespost.de)

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Neonatologen fordern: Keine feste Grenze für medizinische Betreuung von Frühchen

Heidelberg (ALfA). Deutsche Frühgeborenen-Mediziner haben betont, dass eine feste Grenze für die intensivmedizinische Betreuung von Frühgeborenen strikt abzulehnen sei. Das berichtet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 24. September). Auf einer Tagung in Heidelberg hätten sie gefordert, dass die Entscheidung, ob ein vor der 25. Schwangerschaftswoche geborenes Kind intensivmedizinisch behandelt werde, individuell getroffen werden müsse. Damit hätten sie sich gegen die gegenwärtig in der Schweiz, den Niederlanden und in Dänemark praktizierten Richtlinien ausgesprochen, Frühgeborene vor der 25. Woche nicht mehr intensivmedizinisch zu behandeln, so das Blatt.

Eine feste Grenze sei generell problematisch, da sich Dauer der Schwangerschaft und Reife des Ungeborenen nicht genau bestimmen ließen. Für die Reifung von Gehirn und Lunge könnten Tage von entscheidender Bedeutung sein, heißt es im "Deutschen Ärzteblatt". Darüber hinaus seien sich die Neonatologen der Fragwürdigkeit vermeintlich fester Grenzen vergangener Jahre bewusst: 1970 seien Kinder unter 2.000 Gramm und 1984 unter 1.200 Gramm als nicht überlebensfähig angesehen worden und seien deshalb nicht beatmet worden. Auch die Grenze von 22 Wochen, die heute vor allem aufgrund der unreifen Lunge als medizinische Versorgungsgrenze akzeptiert sei, erscheine nicht als unumstößlich.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Nationaler Ethiker Gerhard für Euthanasie: "Verbot moralisch nicht begründbar"

Berlin (ALfA). Der Berliner Philosoph Volker Gerhard, Mitglied des Nationalen Ethikrats, hat für eine gesetzliche Regelung aktiver Sterbehilfe plädiert. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Ausgabe vom 19. September) schreibt er, Bedingung sei, dass das "Verlangen nach Hilfe" ernsthaft geäußert werde und keine zumutbare Alternative offen stehe. Von einem "anteilnehmenden Individuum" müsse diese Bedingung mit vollzogen werden. Gerhard wörtlich: "Gesetzt, die Lage ist individuell verbindlich, juridisch eindeutig und medizinisch aussichtslos, entfällt auch der letzte Grund, den ein Arzt unter Berufung auf sein Ethos für eine weitere Behandlung anführen könnte."

Ein generelles Verbot sei mit Rücksicht auf die Leiden des Einzelnen moralisch nicht zu begründen. Allerdings lehnte Gerhard in der FAZ eine allgemeine Freigabe ab, die sich nur auf den gesundheitlichen Zustand und nicht gleichzeitig auf den Willen des Patienten und die Urteilskraft der Ärzte stütze. Auch dürfe keiner verpflichtet werden, den Todeswunsch eines anderen auszuführen. "Weder eine seit langem vorliegende Patientenverfügung noch ein akutes Verlangen" enthielten einen hinreichenden Grund. Es sei allein eine Frage persönlicher Verantwortung, ob der Arzt "die letzte Hilfe gewährt" oder die "Behandlung" einem anderen überlasse.

Unterdessen hat die Internationale Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik vor einer Aufweichung des Lebensschutzes am Lebensende gewarnt. Das meldet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 25. September). Niemand dürfe absichtlich seines Lebens beraubt werden, habe die Vereinigung am 3. September in Berlin erklärt. Politisch dringlich sei nicht die Zulassung aktiver Sterbehilfe, notwendig seien vielmehr bessere Bedingungen für palliative Betreuungen. Die Sozialethiker hätten die Parlamentarische Versammlung des Europarates aufgefordert, am nächsten Dienstag einen entsprechenden Bericht des Gesundheitsausschusses zur Lockerung der Sterbehilfe abzulehnen, so die Zeitung weiter.

(mehr dazu: www.faz.net; www.die-tagespost.de)

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Von Mäusen und kranken Gehirnen: Forscher feiern Erfolg mit Forschungsklonen

New York (ALfA). US-Forschern ist es erstmals gelungen, mit Hilfe therapeutischen Klonens eine Hirnstörung bei Mäusen erfolgreich zu behandeln. Das melden unter anderem "Die Welt" (Ausgabe vom 20. September), die "Süddeutsche" (Ausgabe vom 23. September) sowie die "Financial Times Deutschland" (Ausgabe vom 25. September) unter Berufung auf eine in der Fachzeitschrift "Nature Biotechnology" veröffentlichten Studie. Mit durch ein Klon-Verfahren gewonnenen embryonalen Stammzellen hätte die Forschergruppe um Lorenz Studer vom Sloan-Kettering-Gedenk-Krebszentrum die Nager von einer Parkinson-ähnlichen Krankheit geheilt.

Die Forscher hätten den Tieren eine Gewebeprobe aus dem Schwanzbereich entnommen. Aus der Zelle sei dann das Erbgut extrahiert worden und per Nukleartransfer in eine Eizelle eingebaut worden. So sei ein geklonter Embryo entstanden, berichten die Zeitungen. Dieser sei getötet worden und seine Stammzellen seien in einer Serie spezieller Nährlösungen zu Zellen gezüchtet worden, die den Hirnbotenstoff Dopamin produzierten. Das Team habe diese neuen Zellen in die Gehirne von Tieren eingepflanzt, deren Dopamin produzierende Zellen zerstört waren. Einige Wochen später hätten die Versuchsmäuse in Verhaltensversuchen eine starke Symptomlinderung gezeigt.

(mehr dazu: www.welt.de; www.sueddeutsche.de; www.ftd.de)

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"Der Status des Embryos" erschienen: "Wertvolle Orientierung" in strittigen Fragen

Meschede (ALfA). Im Johann Wilhelm Naumann Verlag (Würzburg) ist das Buch "Der Status des Embryos. Medizin - Ethik - Recht" erschienen. Das teilten die "Christdemokraten für das Leben" (CDL) der Presse mit (20. September). In dem Buch gehe es um die Beantwortung der Frage, welchen ethischen, medizinischen und rechtlichen Status der menschliche Embryo besitze. Herausgeber sind Rainer Beckmann, Mitglied der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" und die Bundesvorsitzende der CDL, Mechthild Löhr.

"Die neunzehn Beiträge geben wertvolle Orientierung auf allen umstrittenen Gebieten der Biomedizin, sei es Präimplantationsdiagnostiik, verbrauchende Embryonenforschung oder das Klonen von Menschen", heißt es in der Pressemitteilung. Wer sich in der Bioethik-Debatte informieren wolle und klare Argumente für den Schutz des menschlichen Lebens suche, werde hier fündig. Die neunzehn Autoren des Bandes erörterten neben den medizinisch-naturwissenschaftlichen Aspekten auch philosophische und theologische Argumente. Nicht zuletzt würden wirtschaftliche und politische Facetten der Diskussion angesprochen und die rechtlichen Grundlagen geklärt.

Autoren der Beiträge sind Frank Ulrich Montgomery, Volker Herzog, Manfred Spieker, Dieter Althaus, Rainer Beckmann, Clemens Breuer, Winfried Kluth, Johannes Christian Köcke, Nigel M. de S. Cameron, Roland Graf, Eduard Picker, Christian Poplutz, Stefan Rehder, Ruth Reimann, Stephan Sahm, Walter Schweidler, Josef Wisser, Eberhard Schockenhoff und Alfred Sonnenfeld. Das Buch hat einen Umfang von 304 Seiten und kostet 14,90 Euro.

(mehr dazu: www.cdl-online.de)


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