ALfA-Newsletter vom 28.11.2003

News

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EU sucht Embryonen-Kompromiss: Ministerrat stellt sich gegen Kommission

Brüssel (ALfA). Verbrauchende Embryonenforschung soll nach dem Willen der europäischen Forschungsminister auch weiter nicht mit Geldern der EU gefördert werden. Das berichten unter anderen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Frankfurter Rundschau", die "Financial Times Deutschland", "Die Welt" sowie die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgaben vom 27. November). Die Beratungen am 26. November hätten gezeigt, dass mit den Stimmen Deutschlands, Italiens, Österreichs, Portugals und Luxemburgs eine Sperrminorität gegen den Vorschlag der EU-Kommission gegeben wäre. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Tötung von Embryonen, die bis zum 27. Juni 2002 erzeugt worden sind, zu Forschungszwecken mit EU-Geldern zu fördern. Das Europäische Parlament hatte vergangene Woche sogar für eine noch liberalere Regelung ohne jegliche Stichtagsregelung plädiert (vgl. ALfA-Newsletter vom 21. November). Wie die Zeitungen weiter berichten, wollen die Forschungsminister nun in der kommenden Woche über einen portugiesischen Kompromissvorschlag diskutieren, der vorsieht, Forschung mit EU-Mitteln nur dann zu fördern, wenn Stammzell-Linien verwendet werden, die an einem bestimmten Stichtag bereits vorhanden waren. Über diesen Stichtag solle am 3. Dezember beraten werden.

Unter deutschen Politikern ist die Entscheidung des EU-Ministerrates auf Zustimmung gestoßen. "Das ist nach schlechten Nachrichten jetzt ein gutes Signal aus Brüssel", sagte die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Böhmer, in einer Mitteilung an die Presse (26. November). Nur mit einer klaren Stichtagsregelung könne eine Kommerzialisierung von menschlichen Embryonen zu Forschungszwecken verhindert werden. "Es ist gut, wenn jetzt wieder die Chance besteht, zu einer Regelung zu kommen, bei der keine Embryonen zu Forschungszwecken getötet werden dürfen", so Böhmer. Der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Thomas Rachel, sprach in einer Pressemitteilung (26. November) davon, dass in der Entscheidung die "ethischen Mindeststandards in der Embryonenforschung respektiert" worden seien. Der zur Debatte stehende Kompromissvorschlag könne unterstützt werden, wenn "er der Stichtagsregelung des deutschen Stammzellgesetzes entspricht", so Rachel.

(mehr dazu: www.faz.net; www.fr-aktuell.de; www.ftd.de; www.welt.de; www.sueddeutsche.de)

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Geheilte Gehirne: Hilfe nach Schlaganfall durch Stammzellen aus Nabelschnurblut

Leipzig (ALfA). Einen wichtigen Fortschritt zur Behandlung von Schlaganfall-Symptomen mit Stammzellen aus dem Nabelschnurblut haben Forscher der Universität Leipzig erzielt. Das berichten das "Hamburger Abendblatt" (Ausgabe vom 26. November), die "Frankfurter Rundschau" sowie die österreichische Tageszeitung "Der Standard" (Online-Ausgaben vom 25. November). In Experimenten mit Ratten seien typische Hirnschädigungen infolge eines Schlaganfalls zurückgegangen, habe der Direktor des Instituts für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin, Frank Emmerich, in einem Gespräch mit der "Deutschen Presse-Agentur" (dpa) bestätigt. Den Tieren seien menschliche Stammzellen aus der Nabelschnur ins Blut gespritzt worden. "Es gibt eine nachhaltige Wiederherstellung der ausgefallenen Hirnfunktionen", zitieren die Zeitungen den Forscher. Bei einem Teil der Tests sei der Unterschied zwischen einem gesunden und einem therapierten Tier nicht mehr messbar gewesen.

In der Versuchsreihe sei Ratten durch den Verschluss der mittleren Hirnarterie ein künstlicher Schlaganfall zugefügt worden. Acht bis zehn Stunden später habe man ihnen aus Nabelschnurblut gewonnene Stammzellen gespritzt. Schon nach zwei Wochen sei bei den therapierten Tieren im Vergleich zu der unbehandelten Kontrollgruppe ein eindeutiger Rückgang der Schäden zu beobachten gewesen. "Die Stammzellen, die wir den Tieren gespritzt haben, siedeln sich genau in der Randzone um die zentrale geschädigte Hirnregion an", so Emmerich. Wie die Zeitungen weiter berichten betonte der Leiter des Projekts, Johannes Boltze, die Zellen würden "in den Blutkreislauf gegeben und finden dann ganz von selbst an den Bestimmungsort".

Laut der Zeitungen soll die Methode in einem nächsten Schritt an Grosstieren wie Schafen oder Ziegen erprobt werden. Wenn diese Versuche erfolgreich verliefen, könnten in wenigen Jahren die ersten klinischen Tests an Menschen erfolgen.

(mehr dazu: www.abendblatt.de; www.fr-aktuell.de; http://derstandard.at)

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"Langsam und unvollständig": Klon-Problemen auf der Spur

Philadelphia (ALfA). Das Klonen wird von der Wissenschaft nicht als Erfolg angesehen, da nur zwei Prozent der Klone überleben und selbst diese fallweise nicht gesund sind. Das meldet "Der Standard" (Ausgabe vom 27. November) unter Berufung auf eine demnächst im Fachmagazin "Developmental Biology" erscheinende Studie. Wissenschaftler der Temple University School of Medicine hätten die frühesten Stadien der Entwicklung normaler und geklonter Embryonen untersucht. Es habe sich gezeigt, dass bei den ersten Entwicklungsschritten noch kein Unterschied zwischen natürlichen und geklonten Embryonen bestehe.

Wie die Zeitung weiter berichtet, legte das Team zuerst einige frühe Schritte von Ei und Sperma fest, die für die Entstehung eines Embryos notwendig sind. "In der Folge analysierten wir, wie gut Klone diese ersten Schritte wiederholen konnten", zitiert das Blatt den leitenden Wissenschaftler Keith Latham. Das Team habe entdeckt, dass in diesem Entwicklungsstadium 100 Prozent der Klone den vollständigen Prozess wiederholt hätten. "Das bedeutet, dass die Probleme erst später auftreten müssen. Wir sind davon ausgegangen, dass während des Klonen das Ei die erwachsene Zelle so leicht integriert wie das Sperma", so Latham weiter. Nachdem die ersten Entwicklungsschritte stattgefunden hätten, laufe der Rest des Prozesses vergleichsweise langsam und unvollständig ab. Latham nehme an, dass ein Teil der Probleme auf die Kulturen zurückzuführen sei, die die Zellen im Labor beherbergen. "Es gibt Kulturen, die optimal für Embryos sind, und Kulturen, die für erwachsene Zellen gut sind. Bisher gibt es keine, die für geklonte Embryos ideal ist. Ist diese Kultur gefunden, wird das Klonen wahrscheinlich auch erfolgreicher sein", zitiert "Der Standard" Latham.

(mehr dazu: http://derstandard.at)

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Europarat verschiebt Euthanasie-Debatte: Leben "sozialverträglich verkürzen"

Strassburg (ALfA). Der Europarat hat die Debatte um eine mögliche Legalisierung der Euthanasie verschoben. Das berichtet die schweizerische Tageszeitung "Der Bund" (Online-Ausgabe vom 21. November). Im zuständigen Sozialausschuss hätten am 21. November wichtige Mitglieder gefehlt, so die Begründung aus Strassburg. Nun werde voraussichtlich am 16. Januar über den Bericht von Dick Marty beraten.

Die Initiative des Schweizers Marty basiert auf der belgischen und niederländischen Gesetzgebung. Seiner Meinung nach hat niemand das Recht, Sterbende zum Weiterleben zu zwingen, so die Zeitung weiter. "Es gibt große Widerstände", zitiert das Blatt Marty. Auch die modifizierte "mildere" Form seines Vorschlags stoße auf Gegenwehr, namentlich aus Ländern wie Polen, Frankreich und Italien. Laut Marty ist die heutige Situation scheinheilig. Studien würden belegen, dass aktive Sterbehilfe bereits praktiziert werde. Dennoch bleibe Euthanasie in den meisten Mitgliedsländern des Europarates strafbar, so Marty weiter.

Unterdessen haben mehrere Mediziner in diesem Zusammenhang von der langsamen Gewöhnung an das Töten von Menschen gesprochen. Das meldet die "Süddeutsche Zeitung" (Ausgabe vom 21. November). Der Palliativmediziner Christof Müller-Busch von der Humboldt-Universität Berlin habe darauf hingewiesen, dass sich Niederländer mittlerweile Patiententestamente zulegten, in denen sie jede Form der Euthanasie ablehnten, da sie Angst hätten, getötet zu werden. Mit dem Gesetz wachse der Druck enorm, die Entscheidung auch herbeizuführen, so Müller-Busch. Und niemand wage die Frage zu verneinen, dass dieser Druck ökonomische Gründe haben könne in Gesundheitssystemen, die immer schwerer zu finanzieren seien. Wie die "Süddeutsche" weiter berichtet, spricht der Sozialpsychiater Klaus Dörner provozierend davon, dass mit der aktiven Sterbehilfe das Leben sozialverträglich verkürzt werde. "Die Position des Patienten wird geschwächt", zitiert das Blatt den Arzt und Medizinethiker Fuat S. Oduncu von der Münchener Universität.

(mehr dazu: www.ebund.ch; www.sueddeutsche.de)

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Signal gegen Euthanasie-Forderungen: Akademie für Palliativmedizin gegründet

Hannover (ALfA). Die Ärztekammer Niedersachsen wird künftig eine Akademie für Palliativmedizin und Hospizarbeit für ärztliche und nichtärztliche Berufsgruppen betreiben. Das meldet das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 25. November). Sie solle vor allem einschlägige Weiterbildungskonzepte zur Verbesserung und Förderung der integrativen und berufsübergreifenden Versorgung zur Verfügung stellen. Mit seiner Initiative der ärztlichen Selbstverwaltung will der Präsident der Kammer, Heyo Eckel, auch ein Signal gegen die sich mehrenden Forderungen nach Legalisierung und Duldung der aktiven Sterbehilfe setzen, so das "Ärzteblatt" weiter.

"Dank eines umfangreichen medizinischen, pflegerischen und spirituellen Versorgungsangebots einschließlich einer offensiven Schmerztherapie sind wir heute in der Lage, unseren Patienten einen Krankheitsverlauf und Sterbeprozess in Würde zu ermöglichen. Dieses zu vermitteln, ist Aufgabe unserer neuen Akademie", zitiert das Blatt Heyo Eckel. Gleichzeitig habe der Kammerpräsident gefordert, strukturelle Versorgungslücken möglichst schnell zu schließen. Er habe die Krankenkassen an deren Verantwortung für ihre Mitglieder erinnert und die finanzielle Sicherstellung der palliativmedizinischen Versorgung angemahnt.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Neue Generation von Lebensschützern: Viele US-Teens sind "pro life"

Washington (ALfA). In den USA wächst eine neue Generation von Lebensschützern heran. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (26. November). Wie eine im vergangenen Sommer durchgeführte Gallup-Umfrage ergeben habe, sind die Jugendlichen in den USA tendenziell mehr "pro life" eingestellt als ihre Eltern. Über zwei Drittel (72 Prozent) der Befragten zwischen 13 und 17 Jahren halte Abtreibung für moralisch nicht akzeptabel. 32 Prozent seien der Ansicht, Abtreibung müsse unter allen Umständen verboten werden, während 47 Prozent der Befragten dafür plädierten, Abtreibung nur unter bestimmten Umständen zu erlauben. Lediglich 19 Prozent befürworteten, dass Abtreibung unter allen Umständen legal sein müsse.

Wie "kath.net" weiter berichtet, sind die US-Teens damit überzeugtere Lebensschützer als ihre Elterngeneration. Ende Oktober hatte eine Gallup-Umfrage ergeben, dass in den USA nur 17 Prozent der Erwachsenen die Ansicht teilen, Abtreibung müsse unter allen Umständen verboten sein. 55 Prozent sind der Überzeugung, dass Abtreibung unter bestimmten Umständen legal sein sollte. Für eine totale Freigabe der Abtreibung sprechen sich 26 Prozent der Erwachsenen aus.

(mehr dazu: www.kath.net)

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Mobile Beratungsstelle für Mütter in Not: SHMK mit "Mamma-Mobil" unterwegs

Bern (ALfA). Die Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK) hat ihre erste mobile Beratungsstelle für Frauen im Schwangerschaftskonflikt in Betrieb genommen. Das teilte die Stiftung in einer Mitteilung an die Presse mit (31. Oktober). Bei dem Fahrzeug handele es sich um eine Spezialkonstruktion auf der Basis eines Kleinbusses, das für mobile Sitzungen und Kommunikation hergerichtet worden ist. Es solle im Notfall schnell an jedem Ort in der Schweiz zum Einsatz kommen und dadurch die Erfolgsquote in der Schwangerenberatung weiter erhöhen. Finanziert worden sei das "Mamma-Mobil" durch mehr als 1.200 Einzelspenden.

In den zwei Jahren ihres Bestehens habe die Stiftung SHMK mehr als 1.000 Hilfsgesuche bearbeitet. Oft wäre eine kurzfristige Besprechung an Ort und Stelle erforderlich gewesen. In zahlreichen Fällen sei kein geeigneter Ort für ein ruhiges Gespräch zu finden gewesen. Dank der ersten mobilen Beratungsstelle für Mütter in Not könnten Beratungsgespräche nun an jedem beliebigen Ort in der Schweiz durchgeführt werden.

Ziel der Stiftung SHMK ist es, Müttern in der Schweiz zu helfen, die aufgrund einer Schwangerschaft in Not geraten sind. Die Hilfe erfolgt vor und nach der Geburt, solange sie nötig ist. Die Stiftung SHMK arbeitet mit zahlreichen anderen Hilfestellen und sozialen Institutionen zusammen.

(mehr dazu: www.stiftung-shmk.ch)

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Streik für das Leben: Bauarbeiter arbeiten nicht für Abtreibungsklinik

Washington (ALfA). Bauarbeiter und Unternehmer haben in Texas gestreikt, weil sie die Errichtung einer Abtreibungsklinik nicht unterstützen wollten. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (21. November). Die Firma "Browning Constructions Co." sei von "Planned Parenthood" mit dem Bau der Abtreibungsstätte beauftragt worden. Der Boykott habe begonnen, als ein Firmenmitarbeiter über 750 Firmen in Austin und San Antonio über das Projekt informierte. Hunderte Firmen hätten sich daraufhin bereit erklärt, den von "Browning Constructions Co." initiierten Streik zu unterstützen. "Planned Parenthood" hat unterdessen laut "kath.net" bekanntgegeben, die Errichtung des 6,2 Millionen Dollar-Baus nun mit Vertragspartnern durchführen zu wollen, die ihr Anliegen unterstützten.

(mehr dazu: www.kath.net)


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