ALfA-Newsletter vom 30.04.2004

News

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"Ungeheuerlicher Offenbarungseid": Clement für Freigabe der Embryonentötung

Berlin (ALfA). Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat gefordert, dass die geltenden gesetzlichen Grenzen für den Embryonenschutz zugunsten der Forschung aufgehoben werden. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 30. April). Anlässlich der Verleihung eines Wirtschaftspreises an den Stammzellforscher Oliver Brüstle habe Clement gesagt, um die medizinischen und wirtschaftlichen Potentiale der embryonalen Stammzellen tatsächlich nutzen zu können, müsse es möglich sein, die jeweils neuesten Kulturen embryonaler Stammzellen zu importieren. Laut FAZ hat Clement auch dafür plädiert, dass in Deutschland Embryonen, die nach einer künstlichen Befruchtung nicht mehr benötigt werden, Stammzellen entnommen werden dürfen. Die Embryonen werden dabei getötet. Diese Meinung vertrete auch eine Mehrheit in der Bundesregierung, so Clement. "Wir sind eine fortschrittliche Truppe", zitiert die FAZ den Wirtschaftsminister.

Unterdessen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe, stellvertretender Vorsitzender der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", die Forderungen Clements als "ungeheuerlich" bezeichnet. In einer Mitteilung an die Presse (30. April) erklärte Hüppe, die Bundesregierung, die laut Clement mehrheitlich die Zulassung der verbrauchenden Embryonenforschung unterstütze, habe einen "bioethischen Offenbarungseid" geleistet. "Clement stellt sich und das Bundeskabinett damit offen in Konfrontation zur übergroßen Mehrheit und Beschlusslage des Bundestages." Das Parlament habe wiederholt den in der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes begründeten Schutz menschlicher Embryonen bekräftigt: beim Stammzellimport in der vergangenen Legislaturperiode, in der laufenden Wahlperiode in seinen Beschlüssen zum Klonen und zur Embryonenforschung in der EU. "Clement nährt erneut die Zweifel an der Redlichkeit der Bundesregierung hinsichtlich einer UN-Konvention gegen das Klonen menschlicher Embryonen", so Hüppe. Clements Forderung bedeute, dass erstmals nach 1945 in Deutschland menschliches Leben zu wissenschaftlichen und industriellen Zwecken vernichtet werden solle. Der Bundeskanzler habe nach dem Testballon von Justizministerin Zypries erneut einen Vorstoß in diese Richtung zugelassen, so Hüppe weiter. "Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass die Bundesregierung nicht nur bei den im September wieder beginnenden Klonverhandlungen in New York halbherzig taktieren, sondern bald auch ihre Lippenbekenntnisse zur deutschen Gesetzeslage Lügen strafen wird."

Kritik an Clements Vorstoß hat auch die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Böhmer, geübt. In einer Mitteilung an die Presse (30. April) heißt es, den Plänen des Wirtschaftsministers sei "ein klares Nein entgegenzusetzen." Die Bundesregierung sei eine fortschrittliche Truppe, habe Clement seinen Vorstoß begründet. "An einem Ja zur Tötung von menschlichem Leben in diesem frühen Embryonalstadium ist aber nichts fortschrittlich!", so Böhmer. Der Mensch dürfe zu keinem Zeitpunkt seiner Existenz verzweckt und kommerzialisiert werden. Das gelte auch für "übrig gebliebene" Embryonen. Sonst würden sehr bald menschliche Embryonen hergestellt, die nur zu Einem bestimmt sind: getötet zu werden. "Was jetzt mit aller Kraft gefördert werden muss, ist die Grundlagenforschung an menschlichen Stammzellen", so Böhmer weiter. Mit dem Stammzellgesetz von 2002 sei solide Grundlagenforschung möglich, ohne dass für Forschung in Deutschland Embryonen getötet werden müssten. "Wenn Clement medizinische Therapien und wirtschaftliche Potentiale verheißt, so weckt dies in unverantwortlicher Weise Hoffnungen, die heute und in nächster Zeit niemand einlösen kann". erklärte die CDU-Politikerin. Wirtschaftliche Chancen zu eröffnen, sei Aufgabe eines Bundeswirtschaftsministers. "Es um den tödlichen Preis des Embryonenverbrauchs tun zu wollen, verletzt die Menschenwürde, den grundgesetzlich garantierten Schutz menschlichen Lebens und die Amtspflichten eines Ministers", so Böhmer.

(mehr dazu: www.faz.net)

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Knochenmark fürs Hirn: Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer und Parkinson

San Francisco/Ulm (ALfA). Adulte Stammzellen aus dem eigenen Knochenmark sollen künftig zerstörtes Hirngewebe von Alzheimer- oder Parkinsonpatienten ersetzen. Das berichten die "Leipziger Volkszeitung", die "Westdeutsche Zeitung" sowie "RTLnews" (Online-Ausgaben vom 30. April) unter Berufung auf Studien, die im britischen Ärztejournal "The Lancet" veröffentlicht und auf einer Neurologentagung in San Francisco vorgestellt worden sind. Laut der Zeitungen haben US-Forscher im Gehirn von Patienten Nachfolger von gespendeten Knochenmarkszellen entdeckt. Das Team um Edward Scott von der Universität von Florida in Gainsville habe Gewebeproben von drei Frauen entnommen, die im Rahmen ihrer Therapie gegen Blutkrebs sechs Jahre zuvor Knochenmark von männlichen Spendern implantiert bekommen hätten. Den Forschern sei es gelungen, bei den drei Frauen Hirnzellen mit männlichen Y-Chromosomen nachzuweisen. "Diese Studie zeigt, dass Knochenmark tatsächlich als Quelle leicht zugänglicher Zellen zur Produktion von Nervengewebe verfügbar ist", zitieren die Zeitungen Scott.

Unterdessen ist es Forschern um Alexander Storch von der Universität Ulm gelungen, aus Knochenmarkzellen von Erwachsenen Stammzellen für das Gehirn zu entwickeln. Allerdings seien sie noch nicht in das Gehirn eines Menschen transplantiert worden. "Es ist ein aufregender Gedanke, dass Menschen mit der Alzheimer-Krankheit eines Tages ihr eigenes Knochenmark zur Produktion von Nervenzellen nutzen können, die dann den Schaden durch die verlorenen Zellen ausgleichen und die Funktionen wieder herstellen können", wird Storch von den Zeitungen zitiert.

(mehr dazu: www.lvz-online.de; www.wz-newsline.de; www.rtl.de)

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30 Jahre Fristenregelung: Meisner spricht von "lautloser Katastrophe"

Köln (ALfA). Joachim Kardinal Meisner hat die deutsche Abtreibungspraxis als einen "Skandal" bezeichnet und eine entschiedene Kehrwende hin zu einer "Kultur des Lebens" gefordert. In einem Beitrag für "Die Welt" (Ausgabe vom 26. April) schreibt der Erzbischof von Köln, dreißig Jahre Fristenlösung in Deutschland sei "ein ganz alltäglicher Skandal in aller Öffentlichkeit". Acht Millionen Kinder seien in diesen dreißig Jahren im Mutterleib getötet worden. Deutschland sei in eine "Kultur des Todes verstrickt", so Meisner. "Natürlich: Abtreibungen fallen kaum auf - außer den Kindern selbst und den betroffenen Frauen, die deren physischen und psychischen Folgen oft noch jahrzehntelang mit sich herumschleppen." Für die Umwelt dagegen, die die Frauen oft zur Abtreibung drängen würde, verschwinde die Tötung des Ungeborenen in der hygienischen Anonymität von Krankenhäusern.

Er sei sich der Tatsache bewusst, dass es auch vielen Befürwortern der geltenden Abtreibungsregelung um den optimalen Schutz für Mutter und Kind gehe. "Aber diese Absicht ist gescheitert. Der Fehler liegt im System", so Meisner in der "Welt". Das Prinzip "beraten statt strafen" übersehe, dass gerade der strafrechtliche Schutz der ungeborenen Kinder in eminenter Weise Rechtsbewusstsein schaffe. Das Bundesverfassungsgericht habe 1993 dem Gesetzgeber eine "Korrektur- und Nachbesserungspflicht" auferlegt. Bislang sei der Gesetzgeber dieser Pflicht nicht nachgekommen. "Darin liegt eine eklatante Missachtung des höchsten deutschen Gerichtes", so Meisner.

Meisner sieht die Gesellschaft in einem Teufelskreis: "Wenn ungeborene Kinder ohnehin straflos getötet werden können, warum sollte man sie dann nicht auch nach ihrer Qualität aussortieren?" Wo aber Kinder zu Objekten der Selektion würden, da wachse die Furcht der Mütter davor, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen. "Nach und nach vergessen wir, dass jedes Kind - völlig unabhängig von seinem "Nutzen", seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten - über Menschenwürde verfügt: eine Würde, die unseren Bewertungen und Manipulationen vorgelagert und somit entzogen ist."

Die Missachtung der Menschenwürde hat laut Meiser auch soziale Konsequenzen: "Während wir unsere Kinder zu Zigtausenden töten, dämmert unsere Gesellschaft langsam aber sicher in eine Vergreisung hinein, die letzten Endes nur ins Aussterben münden kann." Die durch den dramatischen Geburtenrückgang in Gang gesetzte lautlose Katastrophe nehme immer bedrohlichere Formen an. "Die "Kultur des Todes" hat uns in eine Sackgasse geführt." Nur durch eine entschiedene Kehrtwende zu einer "Kultur des Lebens" könne die Gesellschaft aus dieser herausfinden. "Wir müssen wieder Kinder als Reichtum entdecken, mit dem kein noch so großer materieller Reichtum konkurrieren kann. An der Frage, ob staatliche und gesellschaftliche Instanzen in Deutschland heute noch willens und in der Lage dazu sind, Ehen und Familien einschließlich ihrer (ungeborenen und geborenen) Kinder zu schützen und zu fördern, wird sich unser Schicksal entscheiden."

(mehr dazu: www.welt.de)

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"USA, raus aus meinem Uterus": 800.000 bei Pro-Abtreibungs-Marsch

Washington (ALfA). Bei einer Großdemonstration für das sogenannte "Recht auf Abtreibung" und gegen Präsident George W. Bush sind in Washington am 25. April hundertausende Menschen auf die Strasse gegangen. Das berichten unter anderen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Rheinische Post" (Online-Ausgaben vom 25. April), die "Süddeutsche Zeitung", der "Stern", der "Spiegel" (Online-Ausgaben vom 26. April) sowie die "Neue Zürcher Zeitung" (Online-Ausgabe vom 27. April). Aus Polizeikreisen verlautete, dass etwa 800.000 Personen an dem "March for Womens Lives" teilgenommen haben; offizielle Zahlen sind nicht veröffentlicht worden.

Laut Zeitungsberichten gehörten zu den Rednerinnen auch die demokratische Senatorin Hillary Clinton, die Vorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, die Feministin Gloria Steinem sowie verschiedene Hollywoodschauspielerinnen. Pelosi rief in ihrer Rede die Frauen dazu auf, sich ihrer Macht bewusst zu sein und sie zu gebrauchen: "Es ist eure Entscheidung und nicht die der Politiker", zitiert die FAZ die Demokratin. Gloria Steinem erklärte, dass Bushs Regierung in Fragen der Abtreibung ähnliche Standpunkte vertrete wie muslimische Extremisten oder der Vatikan.

An dem Marsch nahmen Frauen aus fast 60 Ländern teil. "Abtreibungen müssen legal bleiben" und "USA, raus aus meinem Uterus" war auf ihren Plakaten zu lesen. Sie demonstrierten vor allem gegen zwei Gesetzesmaßnahmen der Bush-Regierung: Zum einen gegen das Verbot der Teilgeburts-Abtreibung ("partial-birth-abortion") (vgl. ALfA-Newsletter vom 7. November 2003) und zum anderen gegen das erst Anfang April von Bush unterzeichnete Gesetz, das ungeborenen Kindern einen eigenständigen Rechtsstatus verleiht (vgl. ALfA-Newsletter vom 28. Februar und 2. April 2004). Daneben wurde auch Bushs Anordnung, dass ausländische Nichtregierungsorganisationen, die Abtreibungen als Mittel der Familienplanung vornehmen, finanzieren oder unterstützen, keine staatliche Unterstützung der USA erhalten dürfen, heftig kritisiert (vgl. ALfA-Newsletter vom 29. August und 5. September 2003).

Den Zeitungsberichten zufolge nahm Bush-Herausforderer John Kerry nicht an der Demonstration teil. Im Vorfeld hatte er die Veranstaltung jedoch zum Anlass für einen Wahlkampfauftritt genommen. Vor zahlreichen Frauen erklärte er laut FAZ: "Schwangerschaftsabbrüche sollten selten, aber sie sollten legal und sicher sein, und die Regierung sollte sich aus den Schlafzimmern fernhalten."

Unterdessen hat das renommierte Meinungsforschungsinstitut Zogby-International Umfrageergebnisse veröffentlicht, die zeigen, dass sich eine Mehrheit der US-Amerikaner als "pro-life" bezeichnet. Das meldet der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (28. April). Insgesamt 56 Prozent der Befragten hätten folgenden Aussagen zugestimmt: Abtreibung sollte niemals legal sein (18 Prozent), nur legal wenn das Leben der Mutter gefährdet wird (15 Prozent) oder nur legal wenn eine Vergewaltigung oder Inzest vorliegt (23 Prozent). Für eine totale Freigabe der Abtreibung auf Verlangen hätten sich dagegen nur 13 Prozent der Befragten ausgesprochen. Wie "kath.net" weiter berichtet, hat die Meinungsumfrage auch gezeigt, dass sich 51,6 Prozent der befragten Amerikaner zwischen 18 und 29 Jahren als "pro-life" bezeichnen würden.

(mehr dazu: www.faz.net; www.rp-online.de; www.süddeutsche.de; www.stern.de; www.spiegel.de; www.nzz.ch; www.kath.net)

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Kommunion für Kerry und Co? US-Bischofskonferenz richtet Arbeitsgruppe ein

Washington (AlfA). Die US-Bischofskonferenz hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die darüber beraten soll, ob katholische "Pro-Abtreibung-Politiker" die Kommunion empfangen dürfen. Das meldet die österreichische Tageszeitung "Die Presse" (Ausgabe vom 30. April) sowie der katholische Nachrichtendienst "kath.net" (28. April). Anlass dazu seien Äußerungen des Präfekts der vatikanischen Gottesdienstkongregation, Kardinal Francis Arinze, der erklärt habe, einem katholischen Politiker, der die Abtreibung befürworte, müsse die Kommunion verweigert werden. Die endgültige Entscheidung obliege aber den Bischöfen der jeweiligen Diözesen, nicht dem Vatikan. Damit habe Arinze indirekt auf den demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten John Kerry angespielt, der katholisch ist, sich aber für Abtreibung ausspricht, so "Die Presse".

Die Einrichtung der Arbeitsgruppe sei "ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst wir diese Themen nehmen" und weiterhin danach suchen, wie die kirchlichen Normen am besten zu interpretieren und einzusetzen sind, gibt "kath.net" den Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Wilton Gregory, wieder. "Als Bischöfe hoffen und erwarten wir stets, dass Männer und Frauen im politischen Leben, welche religiöse Überzeugung sie auch immer haben, von der Wahrheit des Glaubens, der ihnen von Gott vollständig geschenkt wurde, geführt und danach leben würden", so Gregory.

(mehr dazu: www.diepresse.com; www.kath.net)

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Europarat weist Euthanasie-Bericht zurück: Parlamentarier gespalten

Straßburg (ALfA). Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hat den Bericht zur Legalisierung aktiver Sterbehilfe in den Sozialausschuss zurückverwiesen. Das berichten das "Deutsche Ärzteblatt" (Online-Ausgabe vom 28. April) und die katholische Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 29. April). Die Abgeordneten folgten damit laut der Zeitungen mit einer Mehrheit von 68 zu 33 Stimmen der Empfehlung des Ausschusses, der eine Abstimmung vertagen wollte. Nun solle der Sozialausschuss innerhalb eines Jahres über mehr als 20 Änderungsanträge beraten.

Der Entscheidung vorausgegangen sei eine heftige zweistündige Debatte über den Bericht des Schweizers Dick Marty, der die grundsätzliche Zulässigkeit aktiver Sterbehilfe fordert. Wie "Die Tagespost" weiter berichtet, ist in der Debatte deutlich geworden, wie gespalten die Parlamentarier in dieser Frage sind. Christdemokratische Redner hätten aktive Sterbehilfe abgelehnt. Der CDU-Abgeordnete Helmut Rauber habe auf eine Schätzung der Deutschen Hospiz Stiftung hingewiesen, nach der in Europa jährlich 100.000 Menschen unter Berufung auf aktive Sterbehilfe sterben würden, wenn es überall Regelungen gäbe wie in den Niederlanden oder in Belgien. Dagegen hätten sich liberale Abgeordnete für das sogenannte "Recht auf freie Selbstbestimmung" ausgesprochen. Über aktive Sterbehilfe müsse diskutiert werden, um sie aus der Grauzone zu holen und Missbrauch zu verhindern.

Der Bericht Martys stand bereits mehrfach auf der Tagesordnung der Parlamentarischen Versammlung. Er wurde jedoch immer wieder von der Tagesordnung abgesetzt (vgl. ALfA-Newsletter vom 17. Januar, 23. Januar, 31. Januar und 26. März). Bisher hat sich der Europarat, der in dieser Frage nur Empfehlungen abgeben kann, strikt gegen die Legalisierung aktiver Sterbehilfe ausgesprochen.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de; www.die-tagespost.de)

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"Woche für das Leben": Kirchen warnen eindringlich vor aktiver Sterbehilfe

Aachen (ALfA). Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland haben den zunehmenden Trend zu aktiver Sterbehilfe verurteilt. Das geht aus einer Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz (24. April) sowie aus einem Bericht der katholischen Tageszeitung "Die Tagespost" (Ausgabe vom 27. April) hervor. Bei dem ökumenischen Eröffnungs-Gottesdienst der diesjährigen "Woche für das Leben" im Dom zu Aachen haben am 24. April Vertreter der Kirchen dazu aufgerufen, Tod und Sterben nicht zu verdrängen und Menschen am Ende ihres Lebens achtsam zu begleiten. "Sterbende brauchen Menschen, die sie begleiten, nicht Menschen, die das Leben verkürzen wollen", so der thüringische Landesbischof Christoph Kähler, stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, in seiner Themenhinführung. Christen glaubten, dass Menschen sich nicht zu Herren über Leben und Tod anderer machen sollten, auch wenn sie die Angst vor dem Tod und Versuche, den Tod aus dem Leben zu verdrängen, kennen würden. Das oft ehrenamtliche Engagement derjenigen, die in der Hospizarbeit tätig sind, verdiene Hochachtung. Diese oft wenig wahrgenommene Leistung zu würdigen, gehöre zum Thema der diesjährigen "Woche für das Leben", die unter dem Motto "Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens" steht.

"Wir wollen Hilfe im Sterben leisten, aber nicht Hilfe zum Sterben, wenn damit eine direkte Herbeiführung des Todes gemeint ist", betonte Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, in seiner Predigt. Trotz aller Probleme im Einzelfall gebe es einen ethisch bedeutsamen Unterschied zwischen Tötung und Sterbenlassen. Jede vorzeitige, direkte und gewollte Beendigung des Lebens sei "ein sich Vergreifen am unantastbaren Recht des Menschen auf sein Dasein". Ebenso wenig sei es erlaubt, mit Medikamenten oder technischen Mitteln eine Lebensverlängerung zu erzwingen. "Der technisch verzögerte Tod darf nicht den Sieg über das menschliche Sterben davontragen." Entscheidend sei die Frage, welche Begleitung ein Sterbender erfahre. Ein Mitleid, das nicht bereit sei, den Weg mit dem sterbenden Menschen zu gehen, könne sich auch als wenig human erweisen. "Wie Menschen das Sterben und den Tod erfahren, hängt viel davon ab, worin sie den Sinn des Lebens sehen", so Kardinal Karl Lehmann. Nicht nur der Tod, auch "die Erfahrung der Schwächeseiten des menschlichen Lebens" gehörten zur Endlichkeit und Kreatürlichkeit. "Hat am Ende nur der Gesunde und Aktive ein volles Recht zu leben?", so die kritische Frage des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

An dem ökumenischen Gottesdienst wirkten auch der Bischof von Aachen, Heinrich Mussinghoff, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sowie der Bischof von Lüttich (Belgien), Aloys Jousten, mit. In Vertretung der deutschen Bundesregierung nahm die Bundesministerin für Gesundheit und soziale Sicherung, Ulla Schmidt, an der Eröffnungsveranstaltung teil. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion war durch Thomas Rachel vertreten.

Nach dem Gottesdienst bekräftigten Lehmann und Kähler vor Journalisten die Forderung der Kirchen nach einem Ausbau der schmerz- und palliativmedizinischen Betreuung. Viel zu viele Leute müssten immer noch "tierisch leiden", zitiert "Die Tagespost" Landesbischof Kähler.

Noch bis zum 1. Mai wollen die Kirchen im Rahmen der "Woche für das Leben" bundesweit für eine Verbesserung bei der Pflege Sterbenskranker sowie für eine bewußtere Trauer- und Bestattungskultur werben.

(mehr dazu: http://dbk.de; www.die-tagespost.de)

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Letzter Aufruf: Stiftung Ja zum Leben bittet um Rucksendung von Unterschriftenlisten!

Meschede (ALfA). Die Stiftung Ja zum Leben bittet dringend, die Listen mit den im Rahmen der Kampagne "Tim lebt" gesammelten Unterschriften gegen Spätabtreibung bis zum 10. Mai an folgende Adresse zurückzusenden: Stiftung Ja zum Leben, Haus Lär, 59872 Meschede. Wie die Sprecherin der Kampagne, Dr. med. Claudia Kaminski, mitteilte, sind inzwischen weit über 70.000 Unterschriften gesammelt worden. Unterstützen kann man die Kampagne auch über das Internet, indem man auf der Seite www.tim-lebt.de/links/index.html auf elektronischem Weg eine Unterschrift leistet.

(mehr dazu: www.tim-lebt.de)


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