ALfA-Newsletter vom 31.07.2003

News

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Urteil im Essener Abtreibungsprozess: Berufsverbot nach illegaler Abtreibung

Essen (ALfA). Nach einer illegalen Abtreibung darf ein Gelsenkirchener Arzt nie mehr praktizieren. Das Landgericht Essen verurteilte ihn am Mittwoch zu zwei Jahren Haft mit Bewährung und erkannte zusätzlich auf ein lebenslanges Berufsverbot gegen den 48-Jährigen. Das berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Ausgabe vom 31.07.).

Die Spätabtreibung in der 22. Schwangerschaftswoche, bei der auch die Mutter beinah ums Leben gekommen wäre, ist nicht das einzige Delikt, das der Mediziner zu verantworten hat. Bereits 1996 musste er sich für eine übersehene Eilleiterschwangerschaft verantworten.

Das Verfahren wurde damals jedoch gegen 17 000 Euro Geldbusse eingestellt. Der Arzt verlor seinen Job als Oberarzt am Marienhospital in Buer.

Der Gynäkologe ließ sich mit eigener Praxis nieder. Am 7. Dezember 2001 suchte ihn eine heute 26 Jahre alte Dortmunderin mit ihrem Essener Freund, 38 Jahre alt, auf und bat um eine Abtreibung. Dass diese illegal war, wusste der Arzt. Er selbst sei von einer Schwangerschaft in der 18. bis 20. Woche ausgegangen, sagte er. Fünf Tage später nimmt er den Eingriff vor. Er kassiert 500 Euro und versucht, die Abtreibung mit Wehen fördernden Mitteln durchzuführen.

Als der "Erfolg" ausbleibt, entschließt sich der Mediziner zur "instrumentellen Ausräumung" mit Zange. Dies misslingt völlig. Er zerstückelt das Ungeborene im Mutterleib, die Schwangere droht zu verbluten, so dass er sie ins Marienhospital in Buer bringen lässt. "Da hat er richtig reagiert, ohne an Konsequenzen für sich selbst zu denken", zitiert das Blatt den Richter. Die Frau kann gerettet werden.

Ein anonymer Hinweis bringt die Polizei ins Spiel. Sie hört auch, dass der Freund der Schwangeren "Schmerzensgeld" vom Arzt kassiert. Der Vater des Kindes bekommt noch einen eigenen Prozess. Im Urteil gegen den Arzt berücksichtigte das Gericht für die Bewährung, dass die Approbation des Arztes ruht, er finanziell ruiniert ist und nie mehr praktizieren wird.

(mehr dazu: www.waz.de)

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200.000 Todesurteile: Spanien will verbrauchende Embryonenforschung zulassen

Madrid (ALfA). Nach jahrelangen Kontroversen soll in Spanien die verbrauchende Embryonenforschung erlaubt werden. Das berichtet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 29. Juli). Ein Gesetzentwurf der konservativen Regierung sehe vor, dass dazu die bis zu 200.000 eingefrorenen Embryonen getötet werden dürften, die bei künstlichen Befruchtungen in spanischen Geburtskliniken übrig geblieben seien. Um eine erneute Anhäufung von Embryonen zu vermeiden, sollen Frauen künftig pro künstlicher Befruchtung höchstens drei Eizellen befruchten lassen dürfen. Bislang seien zehn und mehr üblich gewesen. Außerdem dürften die in Zukunft eingefrorenen Embryonen ausschließlich zu Reproduktionszwecken genutzt werden.

Voraussetzung für die Tötung der Embryonen sei die Einwilligung der Eltern, so die Zeitung weiter. Diese müssten entscheiden, ob die Embryonen zur Forschung freigegeben, gleich zerstört, zur Adoption freigegeben oder eingefroren werden sollen. Das so genannte therapeutische Klonen bleibe verboten.

Wissenschaftsgemeinde, Patientenverbände und die linke Opposition begrüßten laut Medienberichten die geplante Neuregelung, die noch vom Parlament beschlossen werden müsse und Ende des Jahres in Kraft treten solle. Sie werteten den Gesetzentwurf als Durchbruch bei der Suche nach Therapien für bislang unheilbare Krankheiten wie Alzheimer und Diabetes. Die spanische Gesundheitsministerin Ana Pastor erklärte laut der "Tagespost", in ihren Augen werde nicht die Forschung mit Embryonen erlaubt, sondern mit biologischem Material, das nach einer Enteisung gewonnen wurde. Kritik sei aus der Katholischen Kirche zu hören gewesen, die die Regelungen in dem Gesetzentwurf für nicht zufrieden stellend halte. Gegenüber früheren Überlegungen sei allerdings eine Verbesserung festzustellen.

Die EU-Kommission hatte am 9. Juli dieses Jahres beschlossen, die verbrauchende Embryonenforschung finanziell zu fördern (vgl. ALfA-Newsletter vom 11. Juli).

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Moral im Sommer-Schluss-Verkauf: Gerhardt für aktive Sterbehilfe

Berlin (ALfA). Der Berliner Philosoph Volker Gerhardt, Mitglied des Nationalen Ethikrates, hat sich für eine gesetzliche Regelung aktiver Sterbehilfe ausgesprochen. Das meldet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 29. Juli). Bei einer Sitzung des Gremiums am 24. Juli habe Gerhardt erklärt, es müssten die genauen Bedingungen definiert werden, "unter denen es einem Arzt ermöglicht wird, nach dem eindeutigen Willen eines Todkranken zu handeln", zitiert die Zeitung den Philosophen. Mit Rücksicht auf die Leiden des Einzelnen sei ein generelles Verbot moralisch nicht zu begründen.

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff habe entgegengehalten, dass Gerhardts Ansatz bei der Autonomie und Selbstbestimmung des Individuums dem tatsächlichen Zustand eines Todkranken nicht gerecht werde. Er sei durch Leid und Ängste eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen. Zuwendung dürfe nicht auf den Respekt vor dem Willen verkürzt werden. Entscheidend seien die Bereitschaft zur Solidarität und die persönliche Sterbebegleitung. Schockenhoff habe laut der "Tagespost" vor rechtlichen Regelungen gewarnt, die eine Signalwirkung hätten. Der Sterbende müsse sich in jedem Fall auf die Solidarität der Gesellschaft verlassen können. Daneben sei ein Ausbau der Schmerztherapie nötig.

Gerhardt habe als Bedingung für eine aktive Sterbehilfe formuliert, dass das "Verlangen nach Hilfe" "ernsthaft geäußert wird und keine zumutbare Alternative mehr offen steht". Dies müsse "von einem Anteil nehmenden Individuum nachvollzogen" werden, zitiert die Zeitung Gerhardt weiter. "Gesetzt, die Lage ist individuell verbindlich, juridisch eindeutig und medizinisch aussichtslos, entfällt auch der letzte Grund, den ein Arzt unter Berufung auf sein Ethos für eine weitere Behandlung anführen könnte", so Gerhardt wörtlich. Es sei dann allein eine Frage persönlicher Verantwortung, ob der Arzt die Hilfe selbst gewähre oder einem anderen überlasse. Es könne aber ethisch gesehen niemand verpflichtet werden, den Todeswunsch eines anderen auszuführen.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Ringen um Gen-Gesetz: Grüne wollen Trend zur Abtreibung Behinderter vorbeugen

Düsseldorf (ALfA). Für das im Herbst geplante Gentest-Gesetz der rot-grünen Koalition stellen die Grünen bereits jetzt weit reichende Forderungen. Das berichtet das "Deutsche Ärzteblatt" (Ausgabe vom 25. Juli). Gegenüber der "Rheinischen Post" habe der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, gesagt: "Niemand darf über die Gene eines Menschen bescheid wissen außer dem Patient selbst und dem behandelnden Arzt." Es dürfe nicht sein, dass etwa Arbeitgeber von Gentest-Ergebnissen erführen oder sich sogar ihre Mitarbeiter danach aussuchten. Auch für Versicherungen müsste die Nutzung von Gen-Daten verboten werden. Auch müsse das Gen-Gesetz regeln, "dass Versicherungen nicht nach Ergebnissen von genetischen Test fragen dürfen", zitiert das Blatt den Grünen-Politiker.

Kontroversen könnte nach Ansicht des "Deutschen Ärzteblatts" zudem Becks Forderung auslösen, im Rahmen des Gesetzes auch die Schwangerschaftsuntersuchungen so zu regeln, "dass nicht etwa ein Trend zur Abtreibung behinderten Lebens unterstützt wird".

Bei dem Gesetzentwurf, der im Herbst im Bundestag diskutiert werden soll, geht es um die Anwendung von Gentests bei Menschen, insbesondere in der Medizin und in der Forschung.

(mehr dazu: www.aerzteblatt.de)

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Küng über künstliche Befruchtung: "Schaudern lässt sich nicht unterdrücken"

Feldkirch (ALfA). Auf die Negativfolgen der künstlichen Befruchtung hat der Bischof von Feldkirch, Klaus Küng, im Hinblick auf den 25. Jahrestag der Geburt des ersten "Retorten-Babys" aufmerksam gemacht. Das berichtet "Die Tagespost" (Ausgabe vom 29. Juli). In einem Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur "Kathpress" habe der Bischof und ausgebildete Arzt vor allem auf die permanent anfallenden "überzähligen" Embryonen verwiesen, die getötet würden. Auch die bei der Verwendung von "Keimzellen dritter Personen" absehbaren Identitätsprobleme der entstandenen Kinder dürften nicht verschwiegen werden. Zudem öffne die einer Einpflanzung künstlich befruchteter Eizellen vorausgehende Präimplantationsdiagnostik (PID) der Selektion Tür und Tor. "Wenn weltweit bereits mehr als eine Million Menschen durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, mag das beim ersten Hinhören positiv klingen, bei näherer Betrachtung der damit verbundenen Probleme lässt sich ein Schaudern nicht unterdrücken", zitiert "Die Tagespost" den Bischof.

"Ethisch ungeklärt" seien viele weitere mit der In-Vitro-Fertilisation zusammenhängende Fragen wie Hormonbehandlungen, Eizellenentnahme, Samenspenden oder Implantationen. Daneben sei es aber auch "interessant zu wissen, welchen Umsatz das gebracht hat", gibt das Blatt Küng wieder.

(mehr dazu: www.die-tagespost.de)

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Hospiz Stiftung fordert Umstrukturierung: gute Sterbebegleitung statt Maximaltherapie

Düsseldorf (ALfA). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat am 25. Juli in Düsseldorf ein umfassendes Konzept zur Verbesserung der Situation Schwerstkranker und Sterbender vorgestellt. Das teilte die Stiftung in einer am selben Tag veröffentlichten Erklärung der Presse mit. "Dem deutschen Gesundheitssystem droht akut ein Kahlschlag durch Regierung und Opposition", so Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung. Die zentralen strukturellen Fehler würden nicht behoben. "Gelobt wird stattdessen eine großangekündigte Reform, die bereits in einem Jahr schon aufgrund der schnell kompensierten Kostendämpfungsaspekte überholt sein wird."

Erneut forderte die Stiftung, dass die Palliativ-Care zum festen Bestandteil der Regelversorgung werden müsse. Die vorhandenen finanziellen Mittel seien ausreichend und so einzusetzen, dass jeder Patient die ihm angemessene Versorgung wählen könne. "Studien zeigen, dass jeder zweite Mediziner nicht in der Lage ist, aktive, passive und indirekte Sterbehilfe zu unterscheiden", so Brysch. Daher sei eine verstärkte und prüfungsrelevante Aus- und Weiterbildung aller relevanten Professionen dringend angezeigt.

Aktuell gelte, dass nur 2,1 Prozent aller Sterbenden in Deutschland durch Palliativ-Care versorgt würden. Notwendig wären 40 Prozent. "Intelligente und modellhafte Lösungsansätze scheitern oft an Furcht vor vermeintlichen Mehrkosten", erklärt Brysch. Dabei werde nicht mehr Geld, sondern eine Umstrukturierung gefordert. So könnte etwa ein persönliches Tagesbudget in Höhe von 250 Euro den Schwerstkranken und Sterbenden eine selbstbestimmte Wahl der Leistungen ermöglichen. Zurzeit koste die Behandlung eines Sterbenden durchschnittlich 420 Euro pro Tag. Dabei habe der Kranke jedoch keine Möglichkeit, über seine Behandlung eigenverantwortlich mitzubestimmen. So werde oft die Maximaltherapie finanziert, eine gute Sterbebegleitung aber nicht.

(mehr dazu: www.hospize.de)


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